In aller Ruhe gehen wir eine Runde bis zum anderen Ende des Sees spazieren..
... und fragen uns derweil, wer um Himmels Willen 160 CAD bezahlt, um eine Stunde mit dem Kanu über den See zu paddeln. Als wir auf dem Rückweg wieder am Bootsverleih vorbei kommen, staunen wir daher nicht schlecht, dass tatsächlich alle Boote vermietet sind und bereits weitere Paddelwillige anstehen. Das Fotografenauge ist natürlich auch not amused: So ein vereinzeltes kleines Bötchen auf einem großen See kann ja durchaus romantisch wirken, aber inzwischen ist der gesamte Moraine Lake mit bunten Kanus bedeckt. Egal, die Sonne hat den See sowieso noch nicht erreicht; allerdings haben wir hier auch nicht viel anderes mehr vor. Daher vertreiben wir uns noch einige Zeit im Souvenirshop und beim Verzehr eines im Café erworbenen Muffins. Inzwischen bescheint die Sonne immerhin einen Teil des Sees, sodass wir noch einmal den anfänglichen Aussichtspunkt besteigen.
Was man auf dem Foto nicht sieht: Die Menschenmassen am Aussichtspunkt sowie die gefühlt 187 Boote auf dem See. Romantisch ist anders, aber wir haben es gesehen und können nun wieder gehen. Noch ein kurzer Stopp an den Toiletten und die sich anschließende Frage, wie um alles in der Welt Menschen es binnen kürzester Zeit schaffen, das ruhige Örtchen dermaßen zu verunreinigen, dann schnappen wir uns den nächsten Bus zurück zum Parkplatz.
Wir machen uns auf den Weg zum Johnston Canyon, finden aber leider keinen freien RV-Parkplatz. Umso mehr freuen wir uns, dass die normalen Parkplätze so lang sind, dass unser Wohnmobil trotzdem drauf passt. Und umso mehr ärgern wir uns, als einer der Parkplatzeinweiser uns mitteilt, dass wir hier nicht stehen dürfen. Der Grund dafür bleibt uns leider verborgen. Direkt neben dem Parkplatz befindet sich unser Campingplatz, aber es ist erst 11:00 Uhr und Check-In eigentlich erst 14:00 Uhr. Wir versuchen es trotzdem und Christoph überredet Dr. Labertasche am Eingang, dass wir zu unserer reservierten Site fahren dürfen, um zu schauen, ob sie schon frei ist. Wir müssen ihm allerdings versprechen, niemanden anzusprechen, falls der Platz noch besetzt sein sollte, da einige Camper darauf sehr aggressiv reagieren würden. Hätten wir sowieso nicht gemacht, aber die Frage stellt sich zum Glück auch nicht, da keiner mehr da ist. Wir machen eine Pause, stellen aber recht schnell fest, dass es - und das ist doch wirklich mal eine Seltenheit - hier zu heiß ist, um den ganzen Nachmittag nur rumzusitzen.
Spontan fahren wir daher zum Lake Minnewanka, einem Erholungsort zum Bootfahren und Baden. Wir suchen uns ein schattiges Plätzchen und ich plansche mit Sophia ein bisschen mit den Füßen im Wasser. Dann lesen wir eine Weile im Schatten auf unserer Decke und ein besonders freches Squirrel erheitert uns, weil es derart von unseren Blaubeerkeksen angezogen wird, dass es sogar über Christophs Rücken klettert. Abgegeben haben wir ihm natürlich trotzdem nichts.
Auf dem Rückweg essen wir nochmal in Lake Louise, während es wie aus Eimern schüttet. Zurück auf dem Campground fällt unser Fazit für den heutigen Tag doch ganz gut aus, auch wenn wir nach den Umplanungen der letzten Tage und mit Blick auf die sehr durchwachsene Wettervorhersage ursprünglich nicht so richtig wussten, was wir damit anfangen sollten. Also alles gut gelaufen, nur eine Frage beschäftigt mich seit einer Weile und ich stelle sie am Abend endlich laut: Wo ist eigentlich unser Autoschlüssel?
Ich hatte ihn vor einer Woche in zwei kleinere Schlüsselbünde aufgeteilt, weil der große einfach nicht für Hosentaschen gemacht ist und überhaupt: Warum soll ich denn die ganze Zeit zwei Schlüssel (Zündschlüssel, Funköffner und Anhänger) mit mir rumschleppen? Das klappte auch ganz gut: Der große Schlüsselbund mit den Zusatzschlüsseln für die Hintertür und die Außenklappen blieb meist im Wohnmobil, weil wir den eh nur am Campingplatz brauchen. Nur jetzt ist er eben weg, was irgendwie doof ist, weil wir dann nicht mehr an unsere Koffer und die Wasservorräte kommen und vor allem findet Fraserway das vermutlich auch nicht so lustig, wenn wir ihre ganzen Schlüssel verbummelt haben. Was das wohl kostet, die Schlösser inklusive Funköffner auszutauschen?
Ich weiß, dass ich ihn bei unserer Mittagspause auf dem Campingplatz noch hatte, weil ich unsere Wasservorräte gezählt habe, aber danach hat ihn niemand mehr gesehen. Wir gehen mehrfach den Ablauf des Nachmittags durch, drehen die Rucksäcke auf links, suchen in Schränken, unterm Tisch, in Schuhen - der Schlüssel bleibt verschwunden. Wie kann das sein? Habe ich ihn bei unserer Mittagspause draußen auf dem Tisch vergessen? Nein, ich habe kurz vor der Abfahrt noch meine Sonnenbrille reingeholt, da hätte ich doch den Schlüssel gesehen. Hat er sich auf dem Weg zum Lake Minnewanka in unsere eingerollte Decke verirrt und ist unterwegs rausgefallen? Nein, das hätten wir doch sicher mitbekommen. Nachdem wir an allen mehr oder weniger naheliegenden Stellen gesucht haben, fängt Christoph an, systematisch alle Schränke leer zu räumen. Und während wir uns einreden, dass es (mal abgesehen natürlich von den vermuteten finanziellen Folgen) gar nicht sooo schlimm wäre, morgen nach Calgary zu Fraserway zu fahren, weil wir wetterbedingt sowieso nicht allzu viel vorhaben, fällt der Schlüsselbund mit Getöse zu Boden, als Christoph unsere ganzen Mützen (die ich vorher bereits zwei Mal durchwühlt hatte) aus dem Schrank räumt. Die Erleichterung ist groß!
Genug Abenteuer für heute: Der Schatz ist gefunden und wir reif fürs Bett. Dass wir morgen nun doch nichts vorhaben, kommt uns auf einmal gar nicht mehr so schlimm vor...
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