Donnerstag, 30. Juli 2026

Tag 21 - Der irgendwie anders schöne Tag

Heute ist er nun endlich da. Der meteorologisch seit Langem angekündigte Regentag. Entsprechend eigentümlich fällt das Reiseprogramm aus.

Nach morgendlichem Zusammenraffen sämtlichen Equipments aus der nunmehr ehemaligen Unterkunft in Egilsstaðir steuern wir voll beladen zunächst den Parkplatz zum Dettifoss, Europas wasserreichstem Wasserfall, an. Das Wetter ist... nunja... eher bescheiden. Das führt allerdings dazu, dass Lisa erstmals während dieser Reise ihren spektakulären Regenponcho auspackt, was sich als ausnehmend unterhaltsam erweist. Das Billig-Ding aus Fernost ist, zumal auf einer Seite auch noch die Knöpfe fehlen, derart lawede, dass es im Wind permanent um Lisa herumkreiselt, immer nur dort baumelt, wo der Regen gerade nicht hinprasselt und die wenigen aufgefangenen Tropfen dann auch noch zeitnah an seine Trägerin weiterleitet, indem es sich von außen nach innen kehrt. Außerdem sieht man darin aus wie eine Mischung aus Ku-Klux-Klan-Mitglied und gerupftem Gespensterhuhn. Diese Investition hat sich also wirklich bezahlt gemacht! Achja, der Wasserfall. Den haben wir gesehen - war aber nicht allzu dolle. Besonders wasserreich heißt halt nicht zwingend besonders schön.



An der Tür der Toilette am Parkplatz dann wieder einer dieser allgegenwärtigen Marketing-Sticker für Baden-Württemberg, die wir schon an der Südküste mehrfach gesehen haben. Wer reist hier mit einem ganzen Stapel solcher Aufkleber entlang der isländischen Ringstraße? Cem, bist du es?


Nach dem kurzen Spaziergang zu den Wasserfällen reicht es uns für heute mit Outdoor-Aktivitäten ohne schützenden Unterstand. Daher beschließe ich einstimmig, den Nachmittag in einem weiter westlich gelegenen und daher hoffentlich regenärmeren Streichelzoo nahe Akureyri zu verbringen. Die Idee dahinter war eigentlich, hauptsächlich Sophia eine Freude zu machen. Als ich wenig später Lisas leuchtende Augen im Kätzchen-Spielbereich sehe, bin ich mir allerdings nicht mehr sicher, wen von beiden meine Entscheidung nun glücklicher gemacht hat.



Ich wiederum habe hier tatsächlich einmal die Möglichkeit, eine dieser eher unheimlich aussehenden Nacktkatzen zu streicheln. Das habe ich mich schon länger gefragt, wie sich das wohl anfühlt. Antwort: Überraschend angenehm.


Schließlich gibt es vor Ort neben zahlreichen Hoftieren...



...auch Polarfuchswelpen zu beschauen, die tatsächlich äußerst niedlich sind. Streicheln darf man sie natürlich nicht.


Und zum Abschluss gönnen wir uns im rustikal eingerichteten Café des Streichelzoos auch noch heiße Schokolade, Waffeln und Brownie-Kuchen, was alles überraschend köstlich ausfällt.


Danach geht es in unsere neue Unterkunft, die sich als sehr gepflegt und gut ausgestattet erweist. Insgesamt also wider Erwarten trotz Regenwetter ein überraschend schöner und vor allem erholsamer Tag. Trotzdem würde ich mir für morgen dann doch wieder etwas Sonne wünschen.

Mittwoch, 29. Juli 2026

Tag 20 - Wiedergutmachung

Heute dürfen wir ausschlafen - juhu! Natürlich ist Christoph trotzdem schon früh wach und versucht ganz unauffällig, mich durch ständiges Hin- und Herwälzen und späteres Durch-die-Wohnung-schleichen zu wecken. Wer nicht weiß, wie "gut" Christoph schleichen kann, der stelle sich eine panisch flüchtende Elefantenherde vor. Gut, vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber so oder so ist er nach einer Weile erfolgreich und wir finden uns alle beim Frühstück ein. Ein Regentag war vorhergesagt und wir haben uns darauf eingestellt, im Zweifel den gesamten Tag im Haus zu verbringen. Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass das nur die Notlösung ist, falls gar nichts anderes geht. Entgegen der Vorhersagen der vergangenen Tage gibt es aber dann doch Alternativen. Zwar nur bei bedecktem Himmel, aber immerhin. Es braucht nicht viel Überredungskunst, um uns ins Auto zu lotsen - selbst Sophia ist bei der Aussicht auf einen wenig anstrengenden Halbtagesausflug motiviert.

Also geht es wieder mal eine gute Stunde auf die Straße in Richtung Wasserfallwanderung. Es dauert nicht lange, da kommen kurz Zweifel auf, ob wir unser Ziel erreichen werden. Vor uns auf der Straße steht ein langer Reisebus quer und sitzt vor den Hinterrädern auf.

Wie er das wohl geschafft hat? Ein missglücktes Wendemanöver? Wir haben jedenfalls Glück und können ihn dank einer Einfahrt knapp umrunden. Zum wiederholten Male sind wir froh, dass wir nicht mit einer kommerziellen Tour unterwegs sind, nachdem wir vor einigen Tagen auf einer Dirtroad bereits einen großen Jeep eines Touranbieters im Straßengraben liegen gesehen haben.

Für uns geht es weiter in Richtung Wanderung, zunehmend verblüfft über das helle Blau, das wir zwischen harmlosen weißen Wolken in alle Richtungen am Himmel erspähen. Eigentlich sollte es bedeckt sein und am Nachmittag regnen. Gut gelaunt starten wir daher nach kurzen Wegfindungsschwierigkeiten unsere Wanderung entlang des Laugarfell Waterfall Circle. Zunächst geht es über grüne Wiesen, die an besonders schlammigen Stellen mit langen Holzstegen überbaut sind.



Nach kurzer Zeit kommen wir an einer Schlucht an und bestaunen den ersten Wasserfall, den Kirkjufoss.


Heute früh dachten wir noch, wir würden Probleme haben, den Tag in unserem Apartment rumzukriegen, und nun sitzen wir hier allein bei bestem Wetter an einem wunderschönen Wasserfall. Island hatte wohl noch etwas wiedergutzumachen...

Weiter geht die Wanderung an der Schlucht entlang, mit wiederkehrenden Ausblicken auf den blauschimmernden Fluss.


Natürlich nennt sich der Trail nicht umsonst Waterfall Circle. Immer wieder erblicken wir Wasserfälle, die sich von den Klippen in die Schlucht hinabstürzen. Wobei, eigentlich rieseln sie aufgrund des augenscheinlich niedrigen Wasserstands eher nach unten, sehen aber dennoch schick aus. Am Ende kommen wir nochmal an ein besonders schönes Fleckchen, an dem wir eine Pause einlegen.

Als Panorama:

Wobei diese Sache mit den wohlverdienten Pausen am Zielort der Wanderung das größte Problem für uns in Island ist: Meist ist es einfach zu kalt, um sich wirklich auszuruhen und in Ruhe den Ausblick zu genießen. Selbst heute bei Sonnenschein und wenig Wind reicht die Zeit gerade mal, um schnell unsere geschmierten Brote zu verzehren, bevor wir uns erneut auf den Weg machen, um nicht zu frieren. Noch ein schneller Blick auf den Stuðlafoss Waterfall ...


... und schon geht es zurück zum Parkplatz, wo wir uns nach knapp drei Stunden und acht Kilometern glücklich auf die Sitze unseres Autos fallen lassen. Wer hätte gedacht, dass uns der heutige Tag einen so sonnigen Ausflug beschert? Dass die Bewölkung mittlerweile deutlich zugenommen hat, kann uns nun egal sein.

Wir belassen es für heute bei diesem überraschend schönen Erlebnis und kehren in unsere Unterkunft zurück. Immerhin hatten wir Sophia eigentlich einen Gammeltag angekündigt, der nun wenigstens am Nachmittag noch als solcher genutzt werden darf. Nach einiger Zeit gemütlichen Nichtstuns fahren wir noch einkaufen, tanken und gönnen uns zum Tagesabschluss eine köstliche Pizza gefolgt von weiterem Faulenzen.

Dienstag, 28. Juli 2026

Tag 19 - Timing

Es ist tief in der Nacht, der Montag hat gerade begonnen, alles schläft. Nur ein einsamer Mittdreißiger wischt noch beflissen an seinem Mobiltelefon die Wetterseiten in dem Bemühen hin und her, mehrtägiges Drinnen-Hocken durch ein gewagtes Planungskunststück zu verhindern. Zunächst ein scheinbar aussichtsloses Unterfangen: Arktische Strömungen drängen unverändert Richtung Island und bringen Wolken, Niederschlag und eisige Temperaturen für den Nordosten der Insel mit sich.

Gegen 0:30 Uhr ändert sich die Witterungsprognose geringfügig, aber für uns wesentlich. Die Großlage bleibt erhalten; in der Überlappungszone zwischen nördlichem und südlichem Wirbel soll aber im Bereich um Bakkagerði gegen Mittag ein wenige Kilometer breiter Streifen ohne Bewölkung und mit wenig Wind entstehen. Reicht das für einen schönen Ausflug?

Eine Überprüfung am nächsten Morgen lässt die Hoffnung wachsen. Der prognostizierte Streifen klaren Himmels ist nun noch etwas breiter; im Gebiet um Bakkagerði soll die dichte Wolkendecke kurz vor 12:00 Uhr aufreißen und sich gegen 16:00 Uhr wieder schließen. Und welche Wanderung befindet sich dort? Eben die nach Stórurð, welche gestern am störrischen Protest meiner Begleiter scheiterte!

Erfreut teile ich meine neuen Erkenntnisse mit Lisa. Sie zieht sich sofort die Bettdecke über den Kopf. Als ich Sophia am Frühstückstisch von der nun für heute angesetzten Wanderung erzähle, bricht diese sogar in Tränen aus. Ich hätte ihr doch versprochen, dass heute nichts anstehen würde. Was ist mit den Frauen in dieser Familie nur los?

Aber es hilft kein Klagen und Murren. Gegen 9:30 Uhr machen wir uns auf den Weg und erreichen circa 10:30 Uhr den Trailhead. Etwas zu früh für meinen Geschmack. Also hören wir noch ein bisschen "Harry Potter" - mittlerweile sind wir bei "Der Gefangene von Askaban" angekommen - und springen erst gegen 11:00 Uhr aus dem Auto. Der Plan ist klar: Zwei Stunden hin, eine Stunde dort, zwei Stunden zurück. Die Sonnenstrahlung dürfte dann hoffentlich verhindern, dass meine notorisch frierenden Damen trotz maximal acht Grad Celsius bibbernd die Mundwinkel hängen lassen. Ohnehin haben sich die beiden wieder in unzählbar viele Schichten Kleidung gehüllt. Lisa kommt mir mittlerweile wie eine dieser russischen Matroschka-Puppen vor: Egal wie vieler Kleidungsstücke sie sich entledigt, es ist immer noch ein weiteres darunter. Ich dagegen gehe wie stets bei kühler Witterung mit nur einer (!) Hose sowie T-Shirt, Fleecejacke und dünner Funktionsjacke.

Wir sind erst fünf Minuten auf dem wunderbar angelegten Trail unterwegs, da bricht bereits das erste Mal die Sonne zu uns durch. Die Wiesen strahlen, die Bäche plätschern, die Schafe blöken und uns begleitet schon bald ein steter Wechsel aus Vollsonne und leichter Schleierbewölkung. Außer einem etwas älteren Pärchen ein ganzes Stück weiter vorn ist sonst niemand hier. Die Ausblicke werden mit den zurückgelegten Höhenmetern immer besser.


Am Pass angekommen überholen wir das Paar vor uns. Bald schon sehen wir auch unser heutiges Ziel - lediglich ein Schneefeld und ein recht steiler Abstieg harren noch der Bewältigung.


Vorsichtig überwinden wir diese letzten Hindernisse und tauchen dann in die Welt der zusammengewürfelten Felsbrocken ein.



Mit Sicherheit das Highlight hier: Der kristallklare See im östlichen Bereich, wo wir eine wohlverdiente längere Pause machen.




Als Panorama:


Zwanzig Minuten dürfen wir den See ganz allein genießen, dann treffen weitere Besucher ein, für die wir unseren Premium-Platz räumen. Ohnehin müssen wir uns auf den Rückweg machen; als wir den Steinen den Rücken kehren, ist es bereits 14:20 Uhr. Also kämpfen wir uns den Abhang unter den lieblichen Klängen einer motivierenden Version von "Mach die Robbe", interpretiert von Sophia L., wieder hinauf, überqueren den Pass und stolpern auf der anderen Seite die Hügelkette wieder hinab.



Meine Aufgabe für den Abstieg: Eine Geschichte ausdenken und je Kapitel fünf Wörter einbauen, die Sophia mir vorgibt. Das klappt zunächst ziemlich gut. Zum Abschluss schlage ich daher vor, aus den letzten fünf Begriffen sowohl ein schlechtes als auch ein gutes Ende zu ersinnen, was begeistert aufgenommen wird. Entsprechend erzähle ich zunächst das schlechte Ende (Prinzessin wird nach fairem Prozess hingerichtet und hinterlässt ihren weinenden Raupenfreund), dann das Happy End (alle glücklich und zufrieden unter Missachtung der geltenden Rechtslage). Nur wenige Minuten danach bricht Sophia in heftiges Schluchzen aus und kann sich erst kurz vor Erreichen des Autos wieder einigermaßen beruhigen. Dass die arme Prinzessin in der ersten Version einen grausigen Tod erlitten hat, belastet sie offenkundig sehr, auch wenn das aus meiner Sicht durchaus folgerichtig und gerecht war, hat die unbelehrbare Edelfrau doch bewusst ein Delikt begangen, als dessen Strafe zu ihrer Kenntnis allein der Tod bestimmt war.

Kaum sind wir im Dacia verstaut, zieht der Himmel vollends zu. Die kurze Zeit des Sonnenscheins ist vorüber; wir haben sie optimal genutzt. Der Rest des Tages geht für Duschen, Essen machen und Chillen drauf. Im Bett liegend weint Sophia nochmal kurz wegen der schlimmen Sache mit der Prinzessin bevor sie selig einschläft. Ich sollte es wohl zukünftig lieber beim Happy End belassen.

Tag 18 - Island hasst uns

Als wir in den ersten vierzehn Tagen unseres Urlaubes im Südwesten der Insel fast permanent schlechtes Wetter hatten (zumindest an unseren jeweiligen Unterkünften, was wir nur durch jede Menge Fahrerei für sonnigere Ziele umgehen konnten), erzählte uns Christoph, dass es im Osten wettertechnisch besser aussehe: Offenbar täglich Sonnenschein und über 20 Grad. Seitdem wir nun im Osten angekommen sind, hören wir ihn abermals lamentieren: Plötzlich ist jetzt hier tagelang Regen bei beachtlichem Kälteeinbruch vorhergesagt, während im Südwesten der Insel die Sonne lachen soll. Aber was nützt all' das Jammern? Nichts. Letzten Endes findet unser lieber Reiseleiter doch immer noch eine Lösung, auch wenn es ihm zunehmend schwerer fällt.

So kommt es, dass er uns heute am Frühstückstisch die folgenden Auswahlmöglichkeiten gibt: Eine längere Wanderung, bei der es zumindest nicht regnen soll. Oder zwei mittlere Wanderungen mit vielen Menschen und mäßig spektakulären Zielen. Am Ende trifft er die Entscheidung doch selbst: Die längere Wanderung zum Stórurð soll es sein, denn lieber gehen wir sie bei bedecktem Himmel als gar nicht. Laut Wettervorhersage haben wir die Chance dazu nur noch heute.

Also werden die Rucksäcke gepackt und die Wanderschuhe geschnürt und wir springen ins Auto. Unterwegs machen wir eine ganz tolle Entdeckung: Ein Stück vor uns auf der Straße huschen vier kleine Polarfüchse umher! Nicht größer als ein Kätzchen und von hellgrau bis schwarz sind sie leider zu schnell im hohen Gras links und rechts der Straße verschwunden, als dass wir hätten Fotos machen können. Aber süß waren sie!

Der Himmel auf der Anfahrt weckt nicht gerade Lust auf lange Ausflüge: Dicke, graue Wolken und Nebelschleier. Wir machen einen Zwischenstopp auf einem Parkplatz kurz vor dem Ziel, weil ich nochmal schnell das dortige Klo besuchen möchte (das erste Plumpsklo übrigens in diesem Urlaub). Christoph und ich steigen beide aus und denken das Gleiche: Wenn das Wetter am Startpunkt der Wanderung nicht besser ist als hier, dann wird das wohl nichts. Es sind fünf Grad und es fegt ein eisiger, stürmischer Wind über die Hügelkuppe. Bangend fahren wir die paar hundert Meter weiter zum Zielparkplatz - immerhin liegt der auf der anderen Seite der Hügelkette, vielleicht ist es dort ja besser? Vom Auto aus sieht es erstmal nicht besser aus. Christoph steigt aus und meint, es würde schon gehen. Das Auto zeigt nun immerhin sieben Grad an, aber windig ist es auch hier und es nieselt leicht. Sophia hat natürlich gar keine Lust und auch ich muss zugeben, dass die Aussicht, mit fünf Schichten Klamotten den Berg hinaufzustapfen und am Ende wahrscheinlich einen vernebelten Ausblick zu haben, mich nicht gerade umhaut. Christoph hingegen vertraut dem Wetterbericht, wonach es bei unserer Ankunft am Ziel für ein bis zwei Stunden leicht sonnig sein soll, und votiert für die Wanderung. Am Ende hängt es also an mir und ich entscheide mich schweren Herzens dagegen.

Weiter geht es stattdessen zu den in der Nähe befindlichen Papageientauchern, deren Besichtigung ohnehin im Anschluss geplant war.

Anschließend machen wir uns auf den Rückweg. Zwei von uns sind erleichtert, dass wir bei dem Wetter nicht wandern müssen, einer ist enttäuscht über unsere Entscheidung und alle sind wir irgendwie genervt von den ständigen Wetterkapriolen, die die Planung hier so schwer machen. Christoph zeigt mir zum Beweis nochmal die Wetteraufzeichnungen der vergangenen vierzehn Tage: In Egilsstaðir, der Stadt unserer aktuellen Unterkunft, waren jeden einzelnen Tag zwischen 21 und 25 Grad und strahlender Sonnenschein. Am Tag vor unserer Anreise waren immerhin noch 18 Grad und leichte Bewölkung. Für die fünf Tage unseres Aufenthaltes sind 8 bis 10 Grad und ständiger Regen vorhergesagt. Es ist zum Verrücktwerden! Die restliche Fahrt vergeht mit Erinnerungen an vergangene USA-Urlaube...

Einige Zeit später finden wir uns am Parkplatz vom Hengifoss wieder. Wir haben uns unterwegs entschieden, den regenfreien Tag dann doch wenigstens für die zwei weniger schönen Ausflugsziele zu nutzen, bevor wir die kommenden zwei Tage wohl bei Dauerregen in unserer Unterkunft verbringen werden. Zwar sind wir wieder halbwegs guter Dinge, nachdem wir uns zwischenzeitlich (vielleicht aus Verzweiflung) über das "böse" Island und seine Hindernisse kaputt gelacht haben, aber Aussteigen will irgendwie trotzdem keiner. Dabei sind die Temperaturen hier immerhin gerade so zweistellig und es regnet nicht. Nachdem wir eine Weile die anderen Besucher beobachtet haben, trauen wir uns irgendwann doch aus dem Auto und starten den Aufstieg zum Hengifoss. Man, ist das mal wieder windig hier! Der Weg führt über Schotter (nicht schon wieder!) die ganze Zeit steil bergauf, das Ziel ist von Anfang an in Sicht und es sind natürlich auch noch einige andere Menschen unterwegs. Gar nicht nach unserem Geschmack.


Die Windböen werden nach oben hin immer stärker und sind immer wieder so heftig, dass uns die Luft wegbleibt und wir zudem kaum noch vorwärts kommen. Was für eine beschissene "Wanderung"! Sophia ist zwischenzeitlich den Tränen nahe und will partout nicht weitergehen. Die Sonne kommt entgegen aller Vorhersagen auch nicht einmal kurzzeitig heraus. Island hasst uns, eine andere Begründung haben wir dafür nicht. Trotzdem kämpfen wir uns irgendwie nach oben und das Ziel ist ... naja, nicht gerade der Oberknaller: Man kommt nicht allzu nahe an den Wasserfall heran, sondern steht stattdessen mit lauter fremden Menschen an einer unschönen Absperrung. Da war ja der Blick ein paar hundert Meter weiter vorne noch wesentlich einladender.


Bloß weg hier! Der Weg nach unten ist nicht besser: Sturm, Schotter, Wolken, keine tolle Aussicht. Es ist so windig, dass Christoph noch nicht mal seine Wanderstöcke benutzen kann, was nach dem steilen Abstieg mit schmerzenden Füßen endet. Sind wir froh, als wir endlich wieder im Auto sitzen! Wir futtern erstmal was und beobachten erneut die anderen Leute. Neben uns parkt ein Kerl, der kurz nach uns von der Wanderung zurückkehrt und sich ein interessantes Sandwich macht: Zwischen zwei Scheiben Toastbrot packt er einen großen Batzen Wurstscheiben, bestreicht sie mit Mayo oder einer ähnlichen Sauce und garniert das Ganze dann mit zwei Tortillachips. Anhand seiner Essgewohnheiten würde ich auf einen Amerikaner tippen.

Uns reicht es erstmal und wir fahren in unsere Unterkunft, wo wir essen und uns ausruhen. Nebenbei fangen wir schon mal eine Liste an, welche Ziele wir in den USA (noch)mal bereisen wollen und grübeln, was sich davon in den Sommerferien umsetzen ließe...

Christoph hat indes den Glauben an den Wahrheitsgehalt der Wettervorhersagen noch nicht gänzlich verloren und so fahren wir am Abend noch zum Stuðlagil Canyon, weil sich die Sonne dort nochmal zeigen soll. Und immerhin das: Es wird ein versöhnlicher Tagesabschluss. Zwar läuft man die zweieinhalb Kilometer bis zum Ziel wieder über Schotter, aber immerhin geht es nicht steil bergauf, es sind nur noch wenige Menschen unterwegs und die Sonne zeigt sich tatsächlich.

Das Wasser im Canyon ist wie versprochen türkisblau und wir können den Anblick relativ in Ruhe genießen. Geht doch!


Besänftigt kehren wir zum Auto und anschließend in unsere Unterkunft zurück. Morgen dann also Regentag Nummer 1 von mal sehen wie vielen und nichts vor - schauen wir mal, wie wir den Tag rumkriegen.

Montag, 27. Juli 2026

Tag 17 - Wetteranomalie

Einmal mehr erheben wir uns recht früh aus unseren Betten, eigentlich zu früh für meine stetig müden Begleiter. Der Vitamin-D-Mangel fordert seinen Tribut. Aber es nützt ja nichts: Heute muss eine ganze Menge abgerissen werden.

Erster Halt: Jökulsárlón. Die Gletscherlagune sah gestern im Vorbeifahren bei Mistwetter schon vielversprechend aus; deswegen zieht es uns heute bei gutem Wetter noch einmal zurück. Und das zum Glück! Bei unserer Ankunft treibt gerade ein riesiger strahlend blauer Eisberg im Wasser.


Auch das von den Wellen an den Strand gespülte Eis schimmert schön in der Vormittagssonne.


Anschließend geht es zum gleich daneben befindlichen Fjallsárlón. Hier treibt noch mehr Eis, aber in einem nicht ganz so pittoresken Arrangement.


Und weil wir schon einmal hier sind, fahren wir gleich noch fünf Kilometer weiter zurück und holen den witterungsbedingt zunächst ausgelassenen Múlagljúfur Canyon nach. Leider Gottes wird dessen Trail gerade renoviert. Anstelle des früher naturnahen, schmalen und spektakulären Pfads an der Schluchtkante entlang führt nun ein drei Meter breiter Weg ohne Canyonblick über nichtssagende Hügel. Zu allem Überfluss ist dieser auch noch geschottert, was nicht nur hässlich aussieht, sondern sich auch schrecklich läuft.


Wenig überraschendes Ergebnis: Die Hälfte der Touristen latscht trotz Absperrung lieber querfeldein die Flora tot statt sich diesen Trail anzutun. Hervorragende Arbeit also - der geniale Verantwortliche hat sich damit unmittelbar für ein Ministeramt in der Bundesregierung qualifiziert und wird wohl den soeben vakant gewordenen Posten von Patrick Schnieder übernehmen. Nichtsdestotrotz: Der Ausblick vom Aussichtspunkt ist unverändert toll.


Als nächstes wollen wir zum Stokksnes Black Sand Beach, finden uns aber überraschenderweise an einer Absperrung wieder und ein davor positionierter Herr in gelber Weste sucht um unsere Bestätigung, dass wir zur Filmcrew gehören. Na klar doch, echte Celebrities reisen natürlich im Dacia Duster mit 8-Jähriger auf dem Rücksitz und den Kofferraum bis oben voll mit Unrat zu ihren Drehorten?! Entsprechend verneinen wir irritiert und lassen uns stattdessen den Weg zum Strand weisen. Hier gibt es allerdings auch eine Schranke; eingelassen wird man nur mit Zugangscode aus dem nahegelegenen Viking Café. Also nun noch dort hinein, zwei Waffeln und zwei Zutrittsgenehmigungen für die Erwachsenen erworben und schon pfeifen wir 40,00 Euro leichter durch die Schranke.

Dahinter parken zwar nicht gerade wenige Fahrzeuge. Die meisten Besucher schauen sich aber glücklicherweise irgendeine hässliche Ruine aus einem Witcher-Filmset an, statt sich an den schönen Strand unmittelbar am Meer zu begeben. Gut für uns - dann steht wenigstens niemand im Bild. Noch besser aber: Kaum steigen wir aus, lässt der Wind nach und die Sonne prasselt vom Himmel. Es ist angenehm warm und der Sand weich wie Puderzucker. Spontan lassen wir die Schuhe am Auto und tollen durch die Dünen und am Meer entlang. Man kann sogar ohne Erfrierungen mit den Füßen im Wasser stehen!


Lisa darf die Zeit am Strand voll auskosten. Ich dagegen bin schon bald wider Willen Teilnehmer des infantilen Strand-Zehnkampfs, den ich nach einem fulminanten Sieg im Sandmalen und einem offenen Ergebnis im Sandsprung...


...durch eine verheerende Niederlage im Sandverstecken doch noch verliere.

Im Anschluss an einen nicht weiter berichtenswerten Spaziergang zu einem kleinen, aber übermäßig frequentierten Wasserfall steht dann eine längere Autofahrt nach Egilsstaðir an, die jedoch aufgrund der tollen Fjordlandschaft recht schnell vergeht. Dort angekommen stopfen wir ein nur mäßig bekömmliches Mahl in einem American Diner in uns hinein und fahren dann zu unserer mittlerweile fünften Unterkunft. Hier erfüllt sich Lisa noch einen Herzenswunsch: Endlich Wäsche waschen!