Nach einem sättigenden Frühstück und dem abermaligen Verstauen unseres Inventars fahren wir gegen 9:00 Uhr in Richtung Westen los.
Erster Halt heute: Die Ketubjörg Cliffs. Überraschenderweise ist bei unserer Ankunft niemand sonst vor Ort und so soll es auch tatsächlich bleiben bis wir wieder gehen. Noch merkwürdiger allerdings: Es weht für isländische Verhältnisse sehr wenig Wind. Die glückliche Fügung dankbar annehmend verweilen wir ausnahmsweise etwas länger sitzend und genießen die Aussicht auf die beiden Wasserfälle, die hier in den Atlantik stürzen.
Weil sich die Küste als schick und vor allem einsam herausstellt, entschließen wir uns, anstelle der kürzeren Inlandspassage am Meer entlang zu fahren. Unterwegs stellt Sophia verblüfft fest, dass sie kein Menschenaffe, sondern ein Affenmensch sein müsse, was ich (nur) für sie bestätige. Lisa, ebenfalls darauf beharrend, ein "normaler" Mensch zu sein, stopft sich unterdessen die letzte Zimtschnecke rein.
Nach der Hälfte der Fahrtstrecke erreichen wir einen von Basaltsäulen eingerahmten Leuchtturm, schauen ein wenig zum Meer und machen ein paar Fotos. Scheinbar ist hier einfach alles aus Basalt. Wichtiger noch: Vor Ort gibt es auch ein gut gepflegtes Toilettenhäuschen (nicht im Bild).
Anschließend geht es weiter Richtung Bergárfoss, der bei Google trotz schöner Fotos schlecht bewertet ist, weil die Hälfte der Rezensenten meint, man komme wegen diesem und jenem nicht zum Trailhead. Tatsächlich kommt man ohne Weiteres hin. Man muss halt mehrere Gatter öffnen und wieder schließen; gleichwohl ist der Feldweg ausweislich der Beschilderung eine öffentliche und keine private Straße. Einen wütend blickenden Isländer haben wir diesmal auch nicht gesehen.
Der Trail zum Bergárfoss ist nicht immer gut erkennbar, allerdings auch one-way nur eineinhalb Kilometer lang. Dann sitzen wir auch schon einsam davor, der Himmel klart auf und abermals weht kein störender Wind. Was ist heute nur los mit dem Wetter? Ist das wirklich noch Island?
Und als Breitbild-Poster:
Als letztes Ziel lockt sodann der/die/das Hvítserkur, ein markanter Doppelfelsbogen an der nordwestlichen Küste Islands. Eigentlich möchte ich meine Damen hinab zum schwarzen Strand führen, an dem sich auch Robben aufhalten sollen, aber beide verlautbaren übereinstimmend zu frösteln, kündigen mir (schon zum zweiten Mal in diesem Urlaub!) ihre Gefolgschaft auf und staksen zurück Richtung Auto. Wirklich schwierig mit diesen zwei Warmwettertouristen und Naturbanausen. Dabei weht nicht mal wirklich viel Wind - hier fährt sogar jemand mit einem Einrad rum!
So führe ich sie stattdessen in ein nahegelegenes Lokal, wo wir Hähnchensalat und frittierten Kabeljau verdrücken. Apropos Restaurants: Es heißt ja, die USA hätten keinerlei Esskultur. Island schlägt das aber wirklich noch um Längen! Fast alle Restaurants sind an Tankstellen angegliedert und haben Dönerbudencharakter. Vorne eine Theke mit Getränkedosen und Schokoriegeln, auf einer Seite ein Durchgang zu einem kleinen Lebensmittelladen, auf der anderen Seite stehen lieblos platziert ein paar Tische. Bezahlt (und häufig auch bestellt) wird an der Theke. Das ist das typisch isländische Lokal - zumindest dann, wenn man nur etwa 100,00 bis 120,00 Euro zur Beköstigung von zwei Erwachsenen und einem Kind bezahlen möchte! Italiener würden wohl verhungern, deswegen trifft man sie hier auch nicht...
Schlussendlich fahren wir noch zu unserer Unterkunft, die wir kurz nach 20:00 Uhr erreichen. Ein ungefähr vierzehn Jahre alter Junge versucht uns einzuweisen, verhält sich aber derart aufgedreht und hektisch, dass ich mich frage, ob er harte Drogen konsumiert oder nur ganz eilig zu einem Computerspiel zurückkehren möchte. Die Hütte jedenfalls ist ziemlich schick, aber etwas eng. Bald schon gelingt es mir aber, mich so auf dem Klo zu platzieren, dass ich mir keine Brandwunden mehr am daneben entlanglaufenden Heizungsrohr zuziehe.