Los geht es demnach mit einem Halt am Seljalandsfoss, dessen Name uns einfach nicht im Gedächtnis bleiben will, sodass wir uns dazu entschließen, ihn der Einfachheit halber in Svetlanafoss umzubenennen. Mächtig was los hier, überall quellen die Menschen aus ihren Fahrzeugen und wogen in Richtung Wasserfall. Mittendrin unglücklicherweise ich selbst nebst humpelnder Bagage. Langsam trotteln wir mit den Nasen im Gesäß des jeweiligen Vordermanns im wasserfallbedingten Sprühregen eine Eisentreppe empor. Vor uns präsentieren Ostasiaten wildgestikulierend skurrile Gadgets, während in unserem Rücken ein Inder ernsthaft bei Windstärke Weinberg einen Regenschirm aufzuspannen versucht, was ihm auch etwa eine halbe Sekunde lang gelingt. Hinter dem Wasserfall angekommen sieht es immerhin ganz nett aus, sofern man bereit ist, den unvermeidlich auf den Trail geworfenen Müll zu ignorieren.
Eigentlich vorgesehen war es, auf der anderen Seite des Überhangs wieder herauszuflanieren, was sich jedoch zur gegebenen Zeit als unnötige Mutprobe präsentiert. Aufgrund Windrichtung und -stärke schwappt immer wieder ein großer Teil des stürzenden Wassers mitten auf den Weg, was aus der Ferne durchaus lustig, aber nicht unbedingt verlockend aussieht.
Also den gleichen Weg wieder zurück durch die immer dichter werdende Menschentraube während uns erneut feiner Niesel benässt. Sophia hat schon richtig die Schnauze voll und versucht vergeblich uns schluchzend davon zu überzeugen, dass sie schon wieder ganz gut laufen könne und wir doch bitte bitte nach Þakgil fahren sollen. Aber nein, heute wird gelitten, weswegen wir auch unmittelbar noch den Gljúfrabúi-Wasserfall dranhängen. Der ist allerdings zugegebenermaßen mal so richtig oberlahm. So oberlahm, dass Sophia und Lisa zehn Meter vor dem Ziel davon absehen, sich durch die dort stehende Menschenkette zu drücken, um wenigstens einen Blick in seine Höhle zu erhaschen. Hätte ich mal auch lieber getan.
Also gut. Kurzer Weg mit vielen Touristen abgehakt. Dann kommt jetzt kurzer Weg und schwer erreichbar. Da war doch etwas vor ein paar Tagen mit einer Furt, die wir nicht passiert haben... der (südliche) Stigafoss. Also dann jetzt eben. Nach einigen Kilometern Schotterpiste stehen wir wieder am Flussufer. Diesmal aber schnappe ich mir meine Sandalen, Neoprensocken und einen Hiking Pole und mache mich auf die Suche nach dem besten Überweg. Bald schon habe ich ihn ausgemacht und wir düsen problemlos über das Flüsschen hinweg.
Kurze Zeit und noch eine Flussquerung später steht der Dacia auch schon am Straßenrand und wir humpeln Richtung Stigafoss. Nach einem knappen Kilometer hüpfen Sophia und ich dann über und Lisa in ein Bächlein hinein und schon stehen wir am Aufstieg zum Wasserfall. Aber halt, da oben steht ja ein grimmiger Isländer auf dem Weg und überblickt herrisch die Landschaft. Was will der denn?
Dem Vernehmen nach sei dies nun alles privates Gelände und er Herr und Gebieter des idyllischen Landstrichs. Dies sei daher sein persönlicher Wasserfall und wir müssten uns verziehen. Bitte was? Mitten in der Pampa will Mr. Wikinger einen Wasserfall erworben haben und statt eine Einfriedung zu errichten oder Schilder aufzustellen steht er nun Tag und Nacht böse guckend auf seiner unerschlossenen Scholle, um Besucher zu vertreiben, die einen Blick auf den verbotenen Weiher werfen wollen? Ich fühle mich irgendwie verscheißert. Ist das nicht einfach ein besonders gewiefter Tourist, der seine Ruhe haben will? Oder vielleicht doch ein Wahnsinniger mit Armbrust unter der Jacke? Wir werden es nicht mehr erfahren, weil mir eine Konfrontation staturbedingt nicht angezeigt erscheint und wir uns daher verdrücken. Leider erneut ein Reinfall.
Aus Frust drücken wir uns in Vik eine Pizza rein, die unerklärlicherweise so gefärbt wird, dass sie verbrannt aussieht. Offenbar ein Erfolgskonzept - warum auch immer. Geschmeckt hat sie aber.
Anschließend geht es in unsere neue Unterkunft, die äußerst idyllisch gelegen ist und auch sonst einen guten Eindruck macht.
Am Abend fahren wir dann noch zum/zur Fjaðrárgljúfur, einem schicken Canyon, den die Abendsonne dankenswerterweise in ein warmes Licht taucht. Endlich mal etwas, das heute klappt. Wenn doch nur ein paar weniger Touristen hier unterwegs wären...