Schon morgens beim Aufstehen wissen wir, dass uns heute ein langer Tag bevorsteht. Neben einem Unterkunftswechsel sind lange Autofahrten inklusive Dirtroads und Flussdurchquerungen zu den Laki-Kratern (Lakagígar) geplant. Trotzdem starten wir morgens relativ in Ruhe, denn auch das Wetter hat natürlich wieder ein Wörtchen mitzureden. Aber legen wir erstmal los...
Bevor es auf die Hochlandstraße F206 geht, steht ein Zwischenstopp bei der Tankstelle an. Wir müssen tanken und den Reifendruck prüfen, weil das Auto diesbezüglich schon wieder was zu meckern hat. Tanken klappt beim ersten Anlauf, aber für den Reifendruck müssen wir an die zweite Tankstelle wechseln. Drei Reifen sind in Ordnung, bei einem fehlt Luft. Nun gut, einmal aufgefüllt und wir werden das weiter beobachten. Ab auf die Dirtroad, deren erste Kilometer inklusive mittlerer Furt uns schon von einem Ausflug der letzten Tage bekannt sind. Spannend ist das, was danach kommt, denn wir wissen, dass uns mindestens eine weitere mittlere Furt erwartet. Gemeinsam haben wir neulich abends gefühlt Stunden damit zugebracht, die spärlichen Infos im Internet zu sammeln, die zu dieser Flussdurchfahrt zu finden waren. Das Ergebnis: Das Ziel sieht recht lohnend aus und wahrscheinlich ist der Weg dorthin machbar. Die Straße ist nicht gerade angenehm zu fahren, aber im Prinzip kein Problem. Einige kleinere Furten schaffen wir problemlos mit unserer bewährten Taktik: Aussteigen, Wassertiefe prüfen (je nach Schwierigkeit: Augenmaß, Stochern mit den Wanderstöcken, notfalls Durchwaten mit Neoprensocken), nach Reifenspuren Ausschau halten und gegebenfalls andere Fahrzeuge beobachten. Bislang reichte uns heute unser Augenmaß, bis wir endlich vor der Hellisá stehen. Hier begegnen uns auch zum ersten Mal die Fähnchen, die von Rangern im Flussbett befestigt werden, um den optimalen Fahrtweg anzuzeigen. Sicherheitshalber kommen nun zum ersten Mal am heutigen Tage die Neoprensocken zum Einsatz und Christoph kämpft sich einmal durch das Flüsschen und zurück.
Unser Fazit: Sollte machbar sein. Also Augen zu und durch (natürlich langsam im ersten Gang), bevor ich es mir anders überlege. Klappt wie gewünscht und somit steht unserem Besuch an den Laki-Kratern nichts mehr im Wege.
Am dortigen Parkplatz angekommen, kommt der diensthabende Ranger zu uns gelaufen, während wir unsere Rucksäcke packen. Er grüßt freundlich und teilt uns mit, dass wir unser Wasser vor Ort auffüllen können. "Icelanders don't buy bottled water, our water is all save", sagt er beim Blick auf die Wasserflaschen in unserem Kofferraum. Er entfernt sich wieder und wir brauchen noch ein paar Minuten, bevor wir startklar für die kleine Wanderung sind. Gerade wollen wir uns in entgegengesetzter Richtung zum Trailhead begeben, da winkt er uns wieder zu sich. Er erklärt, dass er allen Besuchern eine persönliche Einweisung gibt. Also zeigt er uns auf der Karte, wo die Wanderwege verlaufen, welche Aussichtspunkte seiner Meinung nach am besten sind, wo wir Toiletten finden etc. Die meisten Sachen wussten wir schon, aber so konnten wir wenigstens noch die Fragen klären, die wir uns trotz Recherche nicht selbst beantworten konnten: Die weiterführende Straße ist offiziell keine Einbahnstraße, sollte aber bestenfalls als solche genutzt werden, und die dort noch zu überquerende Furt sollte für einen Dacia Duster aktuell kein Problem sein. Na wunderbar! Wir sind ja sonst eher kein Fan davon, wenn wir ungefragt angesprochen werden, aber der Typ war wirklich nett und geht in seiner Aufgabe voll auf. Nun aber ab zur Wanderung, natürlich wieder erstmal bergauf. Nach unserem Marsch auf den Schweinehügel am Abend zuvor sind meine Beine irgendwie kraftlos, aber allzu steil und lang ist der Aufstieg heute zum Glück nicht und so stehen wir recht schnell oben auf dem Hügel mit Ausblick auf die Laki-Krater in beide Richtungen.
Die geringe Chance auf Sonnenschein am frühen Vormittag war wohl doch zu gering, denn zumindest wir bekommen sie nicht zu Gesicht. Die 25 Kilometer lange Kraterreihe, die bei einem heftigen Ausbruch im 18. Jahrhundert entstand und über 100 Vulkankrater umfasst, sieht aber trotzdem cool aus. Wir folgen dem Wanderweg weiter, immer umgeben von der bemoosten Vulkanlandschaft, bis wir schließlich wieder am Auto stehen.
Da wir uns nach Auskunft des Rangers nun zutrauen, den Loop noch bis zum Ende zu fahren, machen wir zunächst Halt beim Tjarnargígur-Krater, der mit Wasser gefüllt ist. Nur ein kurzer Spaziergang vom Parkplatz aus und schon hat man einen wunderschönen Blick auf den tollen Krater und kann die absolute Ruhe genießen, die hier herrscht.
Es folgt kurz darauf die letzte unbekannte Furt, von der wir uns nicht sicher waren, ob sie für uns machbar ist. Trotz der Versicherung des netten Rangers wird zunächst alles intensiv begutachtet, bevor auch wir sie für machbar befinden und problemlos durchqueren.
Nun geht es auf der rumpeligen Dirtroad zurück in Richtung Straße, denn wir haben noch einiges vor: Die Fahrt bis zur nächsten Unterkunft wird etwa drei Stunden in Anspruch nehmen, hinzu kommen mehrere kleine Zwischenziele und essen wollen wir eigentlich auch noch. Sollte aber alles passen, wir müssen nur erstmal zur Tankstelle, denn Dustin meckert schon wieder. Gleicher Reifen, wieder merklich zu wenig Luft. So kann das nicht weiter gehen. Christoph ruft beim Autovermieter Lotus an und fragt, was zu tun ist. Wir sollen ein Foto schicken und unseren Standort mitteilen, dann vermitteln sie uns einen Mechaniker. Wir fahren also weiter und per E-Mail wird nebenbei geklärt, dass es in der Nähe unserer heutigen Unterkunft einen Mechaniker gibt, der uns erwartet. Wir düsen also, so schnell es die isländischen Straßen erlauben, in Richtung Höfn. Unterwegs verdichten sich die Wolken weiter und es fängt an zu nieseln. Als wir den Diamond Beach und den gegenüberliegenden Gletschersee passieren, auf dem große Eisschollen treiben, die schon von der Straße aus beeindruckend aussehen, ist das Wetter so ungemütlich, dass wir uns entgegen unseres eigentlichen Planes entscheiden, vorbei zu fahren. Schade, denn ich hätte sie mir wirklich gern aus der Nähe angesehen. Während ich noch darüber sinniere, ob das wohl die richtige Entscheidung war, macht es plötzlich "Klonk!" und dann "Flatsch-flatsch-flatsch-flatsch-flatsch". Wir schauen uns an und wissen sofort: Das war's mit unserem Reifen! Wir halten am Straßenrand, sind uns aber schon sicher, welcher Anblick uns erwartet...
Mist! Wieder Anruf bei Lotus mit erwartbarem, aber dennoch ernüchterndem Ergebnis: Ersatzreifen ist im Kofferraum, der Mechaniker wartet in Höfn. Auch das noch... Mitten auf der Ringstraße, die Autos rasen mit 90 km/h vorbei, kein Standstreifen, keine andere Haltemöglichkeit. Aber gut, es nützt nichts. Immerhin finden wir ein Warndreieck im Kofferraum und ich erinnere mich genau, dass wir das in der Fahrschule alle einmal zusammenbauen mussten. Also, ich erinnere mich an das "dass", nicht an das "wie". Irgendwie steht das Ding aber am Ende auf der Straße. Weiter also: Kind in sicherer Entfernung auf dem Feld parken, Kofferraum ausräumen (zur Erinnerung: Wir wechseln gerade die Unterkunft, das Auto ist also voll!), Wagenheber und Ersatzrad rausholen und los geht's. Hat man zu Hause natürlich schon mal gemacht, aber mit Mietwagen in einem anderen Land mit fremdem Werkzeug ist man erstmal verunsichert. Christoph meistert es aber wie ein Profi, während ich die herannahenden Autos beobachte und mich mit zwei Frauen aus Israel unterhalte, die angehalten und ihre Hilfe angeboten haben, die wir dann aber nicht benötigen. Es dauert auch gar nicht lange, dann ist es geschafft und wir verstauen das kaputte Rad und unseren gesamten Krempel wieder im Auto.
Entgegen der Ankündigung von Lotus handelt es sich allerdings doch um ein Notrad, sodass wir nicht umhin kommen, den Mechaniker noch in Anspruch zu nehmen, der ja eh auf uns wartet. So langsam rennt uns aber auch die Zeit davon, denn Check-in in der neuen Unterkunft ist nur bis 21:00 Uhr. Um 20:00 Uhr kommen wir endlich in Höfn an, wo wir ein paar Runden um die Werkstatthalle schleichen, doch es ist keiner da. Christoph ruft die von Lotus übermittelte Nummer an und der Mechaniker meint, er komme gleich. Während Sophia zur Ablenkung an Bauzäunen herumklettert, kommen wenige Minuten später zwei Autos auf den Hof gefahren. Wir freuen uns schon, doch die beiden beachten uns gar nicht und entladen stattdessen ihren Pickup. Okay, sollen wir sie jetzt ansprechen? Immerhin stehen sie hier an der Werkstatt und verräumen irgendwelche Reifen. Aber wir haben doch gerade telefoniert, die würden doch auf uns zukommen, oder? Kurze Zeit später klärt sich alles und ein weiteres Fahrzeug mit "unserem" Mechaniker fährt auf den Hof. Es gibt ein paar Verständigungsschwierigkeiten mit dem kaum Englisch sprechenden Isländer und er sieht auch gar nicht begeistert aus - verständlich, Freitagabend um 20:15 Uhr. Wieder räumen wir unser Auto aus und er nimmt den kaputten Reifen in Augenschein.
Sein vernichtendes Urteil: "No good!" Er macht sich auf die Suche nach einem neuen Reifen, was sich offenbar zunächst schwierig gestaltet, aber irgendwann wird er fündig und zwanzig Minuten später haben wir wieder vier passable Reifen am Fahrzeug und ein Notrad im Kofferraum. Nachdem wir mit Händen und Füßen geklärt haben, dass wir weder etwas bezahlen noch eine Unterschrift leisten müssen, fahren wir die letzten 15 Minuten zur neuen Unterkunft, wo wir uns für unsere späte Ankunft entschuldigen. Die Räumlichkeiten sehen super aus! Schade, dass wir nur eine Nacht hier bleiben.
Nach der ganzen Aufregung gibt es noch eine schnelle Portion Nudeln für alle, bevor wir völlig erschöpft in unsere Betten fallen.