Mittwoch, 5. August 2026

Tag 27 - Chaos

Der Bericht vom letzten Tag - dieses mal geordnet, akkurat und vor allem PÜNKTLICH. Warum? Weil ich ihn schreibe. Warum schreibe ich ihn? Weil Lisa sich nach den zwei konsekutiven Pleiten der vergangenen Urlaube geweigert und daher schon zu Reisebeginn abgezählt hat, wer mit dem Schreiben beginnen muss, damit der letzte Tag nicht auf sie fällt.

Daher nunmehr zunächst in der gebotenen Kürze: 2:45 Uhr klingelt der Wecker. 3:15 Uhr verlassen wir die Unterkunft. 5:00 Uhr kommen wir an der Mietwagenstation an. Und gegen 5:15 Uhr schließlich erhebt sich das Flughafengebäude Keflavíks unmittelbar vor uns. Bewusst gewählt haben wir dieses Frühaufsteher-Programm natürlich nicht so wirklich. Es gab einfach keine andere sinnvolle Verbindung.

Am Flughafen herrscht absolutes Chaos. Überall stehen unzählige Menschen, ein Durchkommen ist kaum möglich. Was ist hier nur los? Nachdem wir uns zwecks Fertigung der erforderlichen Bag-Tags zu einem der Self-Check-In-Kioske durchgeschoben haben, sind wir erleichtert, dort nur ein einziges Grüppchen vor uns zu sehen, welches dann auch noch abdreht. Fix bestätigen wir alle Bildschirm-Hinweise, die mit Bomben und Raketenwerfern zu tun haben, melden drei aufzugebende Koffer an und... "ERROR - Dieser Service ist gerade nicht verfügbar." Na toll... Lisa stellt sich also an einem neuen Kiosk an. Ich scoute derweil die anderen Terminals. Es zeigt sich leider, dass schlicht keiner der Kioske funktioniert. Überall nur enttäuschte Gesichter.

Also versuchen wir, zum regulären Check-In-Counter vorzudringen. Wo ist nur der Beginn der Schlange? Achso, der Pulk hier mittig, der sich so gut wie gar nicht bewegt, ist ja auch schon alles Schlange! Na gut, dann wird das wohl eher nix mit unserem Boarding in 90 Minuten. Nach fünf Minuten rumstehen frage ich daher eine Dame vom Bodenpersonal, was nun am besten zu tun sei. Sie weist mich darauf hin, dass zumindest die zwei Kioske ganz links wieder funktionieren würden, die wir daraufhin sofort aufsuchen.

Ich stelle mich am linken Kiosk an, weil dort nur eine Familie steht, während sich rechts schon drei Grüppchen befinden. Ein schwerer Fehler! Diese (deutsche) Familie hat nämlich offenbar ihr gesamtes bisheriges Leben als Jäger und Sammler in einer einsamen Blockhütte mitten im Schwarzwald verbracht, sodass jede einzelne der am Bildschirm zu beantwortenden Standard-Fragen für sie zu einer kaum überwindbaren Herausforderung gerät.

Zuerst die Verifikation. Ja, das geht mit dem Reisepass. Dafür muss man ihn aber auf den Scanner legen und nicht nur intensiv anstarren oder auf den Bildschirm klatschen. Zum Glück klappt es dann zumindest mit der alternativ ebenso möglichen Eingabe des Buchungscodes.

Dann die Sicherheitshinweise. Wer zur Hölle liest sich diese denn bitte aufmerksam durch anstatt einfach auf "Okay" zu klicken? Ja, Granaten sind auch verboten. Ja, natürlich darf man unterwegs nicht aussteigen. Und selbstverständlich haben offene Feuer im Flieger tunlichst zu unterbleiben.

Anschließend die Angabe, für wie viele Gepäckstücke ein Bag-Tag benötigt wird. Es entbrennt eine wilde Diskussion der Eheleute darüber, ob hierzu auch das Handgepäck zählen könnte, was mir nur für den eher unwahrscheinlichen Fall dienlich erscheint, dass dieses gestohlen wird und dem Dieb anschließend so aus den Händen gleitet, dass es zufällig auf dem Rollband des Gepäckaufgabeschalters landet. Gleichwohl befürchte ich kurz, dass der Endbeschluss lauten könnte, zur Sicherheit auch noch die aktuell getragenen Schlüppis zu taggen.

Zum Abschluss die vier-bildrige Anleitung zum Anbringen der Bag-Tags. Während alle anderen mit deren Aufploppen sofort zur Seite gehen, um den betreffenden Kiosk wieder freizugeben, bleibt diese Familie wie angewurzelt stehen und philosophiert ausgiebig über die richtige Klebetechnik. Zwischendurch geht sogar der Bildschirm wieder aus, weil zu lange keine Eingabe getätigt wurde. Nun versucht die Familie auch noch verzweifelt, ihn wieder einschalten, weil zur Funktionsweise von Klebestreifen wohl trotz allem unmöglich zu beantwortende Fragen offen geblieben sind. Es ist einfach zum Auswachsen!

Nachdem rechts von uns Leute an den Kiosk getreten sind, die zum Zeitpunkt meiner Entscheidung für das linke Terminal wohl noch ein Drei-Gänge-Menü in Reykjavík geordert haben, ist die Familie vor uns dann doch irgendwie fertig geworden, sodass nun auch wir endlich unser Glück versuchen dürfen. Nach etwa 30 Sekunden sind wir fertig. Allerdings hatten wir ja auch mehr als genug Zeit, uns alles in Ruhe anzuschauen...

Der Rest der Abfertigung verläuft nicht weniger chaotisch. An der Gepäckaufgabe wird der Zugang direkt vor uns geschlossen und auf der gegenüberliegenden Seite neu geöffnet, sodass wir wieder ganz hinten stehen. An der Handgepäckkontrolle wird mein Rucksack ausgesondert und dann auf Drogen gescreent. Und die Sicherheitsschleuse muss ich gleich mehrfach passieren, da meine Schuhe offenbar stahlbewehrt sein müssen. Niemand außer mir steht hier blöd in Socken rum!

Irgendwie aber schaffen wir es wundersamerweise trotz allem pünktlich zu unserem Gate zu kommen. Direkt nach unserer Ankunft beginnt nämlich das Boarding.

Der Flug selbst verläuft unspektakulär. Die Hälfte der Sitzzeit verbringe ich mit einem Rewatch des Lego-Movies. Einfach ein Hammer-Film mit wertvollen Zitaten für jede Lebenslage ("Wo ist mein Hoooooose?").


Den BER erreichen wir schließlich bereits 25 Minuten früher als geplant. Natürlich nützt uns das überhaupt nichts, weil es ja der BER ist. Über diesen Flughafen möchte ich eigentlich nichts mehr schreiben. Nach zwei Versuchen ist für mich klar, dass er entweder sofort wieder abgerissen oder aus dem kollektiven Gedächtnis gelöscht gehört.

"Läuft..." - Wenn es denn nur so gewesen wäre...

Irgendwann springen wir dann doch ins Auto und fahren endlich wieder Richtung Heimat. Wir alle? Nein, leider nicht. Sophias "alter Pudding" (letztes bekanntes Foto: siehe oben) hat aus ungeklärten Gründen beschlossen, im BER zu verbleiben und war daher bei Ankunft in Dahlen nicht mehr auffindbar. Ob unsere hoffnungsvolle Anfrage an das BER-Fundbüro daran etwas ändern wird? Falls dieses ebenso gut funktioniert wie der restliche Flughafen, müssen wir wohl eher aufpassen, dass wir nicht auch noch des "neuen Puddings" verlustig werden...

Offiziel eingestelltes Fahndungsfoto im Suchportal:

Wenn Sie diesen Affen sehen, nähern Sie sich nicht und alarmieren Sie die Polizei! Sein fast identisch aussehender Bruder ist irgendwo da draußen, verzweifelt und zu allem bereit.

Aber wie war es jetzt in Island im Vergleich zu Nordamerika?

Island hat unbestreitbar viele traumhafte Landschaften, die sich teils auch wunderbar abenteuerlich erreichen lassen. Auch Einsamkeit ist an einigen Orten durchaus noch möglich. Im Unterschied zu Nordamerika ist jedoch alles etwas kleiner - ob nun Berge, Seen oder Wasserfälle. Ausschlaggebend ist jedoch vor allem eins: Island ist leider im Unterschied zu Kanada und den USA sehr viel häufiger ungemütlich - Wind, Regen, Kälte, wolkenverhangener Himmel. Für professionelle Fotografen mag das mystische Stimmungen erzeugen. Ich will aber manchmal auch einfach nur einsam in der Sonne sitzen und die Landschaft genießen. Gerade das geht hier aber nur recht selten, weil entweder keine Sonne scheint oder der heftige Wind mich gleichwohl vor Kälte schaudern lässt, selbst wenn ich mich in fünf Schichten Kleidung gehüllt habe. Denn heftiger Wind und Regen ist wenig überraschend auch dann nicht besonders gemütlich, wenn er mir nur ins Gesicht peitscht.

Gleichwohl: Wir hatten einen sehr schönen und vor allem aufregenden Urlaub. Auch haben wir nicht nur alles gesehen, was wir uns vorgenommen hatten, sondern sogar noch ein bisschen mehr. Und allein schon für Grænihryggur, Stórurð, Sveinstindur und den Stokksnes Beach hat sich die Reise allemal gelohnt! Tatsächlich wüsste ich aktuell auch gar nichts mehr, was ich mir in Island noch anschauen sollte. Daher wird es uns wohl nächstes Jahr wieder in das "wahrhaftig gelobte Land" ziehen. Darauf freuen wir uns jetzt schon!

Dienstag, 4. August 2026

Tag 26 - "Weißt du noch, in Island..."

Als standesgemäßen Urlaubsabschluss haben wir uns für den letzten Tag nochmal eine schöne Wanderung ausgesucht. Ursprünglich stand das heutige Ziel gar nicht auf dem detaillierten Urlaubsplan, aber Christoph ist ja nach dieser Reise Meister im Umplanen und Alternativen-Suchen.

Aufgrund der Beliebtheit des bevorstehenden Roundtrips verlassen wir unsere Betten bereits kurz vor 7:00 Uhr und stehen nach einem zügigen Frühstück und einer 45-minütigen Fahrt 8:15 Uhr am Trailhead. Wir sind erst das vierte Auto auf dem Parkplatz; das sieht also schon mal gut aus. Viel überraschender ist aber, dass es mit zwölf Grad recht mild und vor allem fast windstill ist! Da können wir es ohne Weiteres verschmerzen, dass sich der Himmel (noch?) wolkenverhangen zeigt. Auf geht's zum angeblich streckenweise gefährlichen Aufstieg zum Glymur-Wasserfall! Für Kinder ist dieser ausdrücklich nicht empfohlen - aber an solche Warnungen halten wir uns schon lange nicht mehr, sofern wir uns zuvor anhand von Fotos und Streckenbewertungen selbst ein Bild machen konnten.

Leicht bergauf verläuft der Weg zunächst auf einer schönen Route über Erde und Steine, vorbei an Sträuchern und mit Blick auf die Schlucht, in der sich der Wasserfall befindet. Eine Höhlendurchquerung lockert das Ganze zusätzlich auf.

Es folgen eine Flussüberquerung - dank eigens hierfür befestigtem Baumstamm und Seil zum Festhalten kein Problem - und ein steiler Aufstieg auf der anderen Seite, der hauptsächlich über große Steinstufen führt.




Auf dem Weg nach oben gibt es mehrere Aussichtspunkte, von denen aus man den Glymur aus verschiedenen Perspektiven bestaunen kann.



Mit fast 200 Metern Fallhöhe galt dieser Wasserfall übrigens lange als der höchste Islands. Bis man vor einigen Jahren einen neuen Wasserfall entdeckt hat, der wohl durch die Eisschmelze zwischen zwei Gletschern entstanden, aber nicht ohne Weiteres zugänglich ist. Dieser hier ist aber beeindruckend genug für uns.

Der Weg führt noch weiter nach oben, bis man auch die Sturzkante des Wasserfalls betrachten kann. Um dem Rundweg weiter zu folgen, muss man kurz danach den dazugehörigen Fluss durchwaten, bevor dieser einige Meter weiter in die Tiefe fällt. Heute bestens vorbereitet stehen wir schon bald an dessen Ufer und bewaffnen uns mit der bewährten Kombination aus Neoprensocken und Sandalen. Sophia klammert sich wieder wie ein kleines Äffchen an Christoph fest und in Nullkommanichts ist auch unsere letzte Flussdurchquerung dieses Urlaubs Geschichte.

Nachdem wir den Wasserfall nun auch von oben aus allen Richtungen ausgiebig würdigen durften, ...

... begeben wir uns auf der anderen Seite noch zu einem letzten Aussichtspunkt, bevor wir uns an den Abstieg machen. Und hier stimmt einfach alles: Milde Temperaturen, kaum Wind, keine Menschen (zumindest auf unserer Seite der Schlucht), toller Ausblick und dann kommt tatsächlich auch noch die Sonne raus! Wir können gar nicht fassen, dass wir es nach dreieinhalb Wochen doch noch geschafft haben, eine Wanderung zu machen, bei der man ganz in Ruhe eine verdiente Pause genießen kann. Das ist wohl etwas, das wir auf künftigen Wanderungen viel mehr zu schätzen wissen werden. "Weißt du noch, in Island, immer dieser kalte Wind, nie konnte man eine Pause machen..."

"Also fast nie..."


Der Abstieg über einen ziemlich rumpeligen Pfad voller Geröll erfordert zwar stete Aufmerksamkeit beim Setzen jedes Schrittes, aber die Sonne bleibt uns erhalten und ermöglicht uns noch einige tolle Ausblicke in Richtung der nun vor uns liegenden Bucht. Da müssen wir auf halbem Wege bergab direkt nochmal eine Pause einlegen.

Die Ankunft am Parkplatz stimmt uns noch zufriedener: Während wir auf unserem Weg nur ganz wenigen Menschen begegnet sind, stehen inzwischen bestimmt 50 Autos hier und die Leute tummeln sich auf dem ersten Stück des Trails. Also mal wieder alles richtig gemacht!

Nach dieser nahezu perfekten Abschlusswanderung geht's direkt zurück in die Unterkunft. Sophia kann es kaum erwarten, wieder mit Askur und Freyja zu spielen. Die beiden kommen auch direkt angerannt, als sie unsere Ankunft bemerken. Für Sophia ist der Tag damit perfekt und nachdem anfänglich immer einer von uns mit rausgehen musste, traut sie sich im Laufe des Nachmittags dann auch allein zu den beiden sehr wohlerzogenen Spielkameraden.

Während Sophia draußen ihren Spaß hat, verdingen wir uns drinnen als Kofferpacker. Lediglich beim Vertilgen der verbliebenen Reste unterstützt sie uns kurz; dann stürmt sie schon wieder nach draußen, weil die beiden Hunde schwanzwedelnd auf unserer Veranda auf sie warten. Laut eigener Aussage wird sie diese beiden hier am meisten vermissen. Bei ihr wird es daher wohl im Rückblick eher heißen: "Weißt du noch, in Island, diese zwei Hunde..."

Montag, 3. August 2026

Tag 25 - Loslassen

Heute heißt es früh aufstehen, weil wir an unserem vorletzten "richtigen" Urlaubstag noch einmal sehr viel vorhaben. Die ganze Halbinsel Snæfellsnes harrt unserer Besichtigung. Also schrillt um 5:30 Uhr der Wecker; ein Ereignis auf das ich bereits seit 5:15 Uhr warte. Überraschenderweise erheben sich auch Lisa und Sophia ohne größere Motivationsbemühungen und so drehen wir nach mittlerweile routinierter Packprozedur Punkt 7:00 Uhr den Wagenschlüssel um.

Eine ziemlich langweilige Fahrt liegt vor uns - etwa dreieinhalb Stunden sind es bis zur Halbinsel. Dazwischen liegen eher wenig aufregende Landschaften und nach geglückter Rettung des Gefangenen von Askaban hält auch Harry Potter vorerst die Klappe, weil die Geschichte ab Teil 4 wohl etwas zu düster für Sophia werden dürfte. Stattdessen hören wir jetzt die aktuellere "Flüsterwald"- Reihe, die mich als alten weißen Mann noch nicht so wirklich überzeugen kann. Früher war halt alles besser! Zur Abwechslung läuft zwischendurch immer wieder mein Mega-Mix aus Rock und Ballermann, um den Wünschen aller Mitreisenden gerecht zu werden.

Gegen 10:30 Uhr erreichen wir das Visitor Center von Snæfellsnes. Keine Minute zu früh, denn die öffentlichen Toiletten werden dringend benötigt. Es gibt hier ja leider kaum welche.

Anschließend dann 11:00 Uhr unser erster Halt am Selvallafoss - der letzte Wasserfall dieses Urlaubs, hinter den man bei Bedarf schlüpfen kann. Für einen Aufwand von fünf Gehminuten sieht er schon ganz schnucklig aus.


Anschließend geht es weiter zum Microsoft-Bildschirmschoner-geprägten Leitmotiv Islands, dem Kirkjufell. Hier klärt sich nun endlich, warum wir bisher in Island so wenige Asiaten gesehen haben. Die sind einfach alle hier! Munter purzeln sie aus ihren Wagen sowie den im Hafen des Städtchens Grundarfjörður geparkten Kreuzfahrtschiffen und schreiten prozessionsartig zum Aussichtspunkt. Wirklich fotogen ist der Hügel witterungsbedingt aber derzeit leider nicht. Dabei war doch ganztägig klarer Himmel angekündigt...

Nächster Stop: Svöðufoss, den meine bereits wasserfallgesättigten Mitreisenden frecherweise nur "Ödufoss" nennen. Unverschämt! Eigentlich sieht er ziemlich cool aus... Nur der lang versprochene blaue Himmel könnte sich nun schon mal zeigen. 


Danach geht es zum Skarðsvík Beach, der ausnahmsweise nicht aus schwarzem, sondern aus gelb-weiß-schwarz-gesprenkeltem Sand besteht. Natürlich muss ich auf Sophias Befehl hin wieder irgendwelche unsinnigen Wettkämpfe bestreiten, diesmal unter anderem in den Disziplinen "Finger-in-den-Sand-bohren", "Muscheln-füllen" und "Epileptisch-vor-den-anderen-Touristen-Rumzappeln". Freilich enden fast alle der von Sophia ersonnenen Spiele mit meiner schmachvollen Disqualifikation aufgrund einer nachträglichen Regeländerung, denn: "So spielt man das doch nicht, Papa!" Zum Glück fängt Lisa bald an zu frösteln, sodass wir wieder zurück zum Auto müssen.


Nun geht es von der Nord- an die Südküste der Halbinsel. Kaum passieren wir die dazwischen liegende Gebirgskette, finden wir sie doch noch: Hier drüben hat sich die Sonne die ganze Zeit versteckt! Zeit für ein schönes Foto von Dustin, damit wir wenigstens ein cooles von ihm haben.


Anschließend fahren wir weiter zum Djúpalónssandur, einem äußerst schicken Strand aus abgerundeten Steinen, garniert mit Teilen eines Schiffwracks und ansprechenden Felsformationen. Ein Geheimnis ist das freilich nicht, sodass sich an jeder Ecke zig Touristen scharen.



Wir flüchten uns daher durch ein Schlackefeld zur lediglich eineinhalb Wanderkilometer entfernten Dritvík cove, die das identische Setting ganz ohne Touristen bietet. Eine Bucht nur für uns während sich gleich nebenan die anderen Besucher stapeln - super! Ich stromere über die abgerundeten Steine und mache Fotos aus allen Richtungen, während Lisa und Sophia an der Lagune rumlümmeln.


Noch ein Suchbild - wo sind die beiden denn?


Als nächstes soll es eigentlich zu den 
Lóndrangar Cliffs und danach zu einem recht bekannten Felsbogen zwischen Arnarstapi und Hellnar gehen, aber irgendwie haben wir da nicht mehr so wirklich Bock drauf. Die Bucht war doch schon ein tolles Besichtigungsfinale. Warum also jetzt nochmal in die Touristenströme werfen, nur um zu zwei lediglich mäßig spannenden Aussichtspunkten zu gelangen? Also lassen wir einfach mal los und steuern stattdessen einen weiteren Strand an.

Offenbar weiß der Schöpfer unsere frisch ersonnene Laissez-faire-Doktrin zu schätzen, denn sogleich entsendet er einen weiteren Polarfuchs, der diesmal auch so lange posiert, dass wir ihn aus dem Auto heraus ablichten können.


Dann erreichen wir auch schon den Strand, flanieren zum Ufer und machen es uns - soweit möglich - gemütlich. Der Kontrast aus schwarzer Schlacke, gelbem Sand, blauem Meer und grünen Hügeln sieht schon toll aus; das Ganze erinnert mich irgendwie an Hawaii. Leider ist es hier aber nicht so kuschelig-warm wie dort, sondern eher fröstlig-frisch, sodass wir nach fünfzehn Minuten spielen und toben dann auch wieder gehen.


Am Parkplatz schieße ich nur noch schnell ein schickes Symbolfoto.


Zu guter Letzt halten wir noch am Robbenstrand Ytri Tunga und löhnen dafür etwa neun Euro, die sich jedoch mal überhaupt gar nicht gelohnt haben. Auf einer Sandbank im Meer liegen drei traurige Robben; über 100 Meter entfernt harrt ein großer Pulk Touristen, die mehr oder minder erfolgreich versuchen zu erkennen, was dort nun wohl Spannendes geschehen mag. Spoiler: Gar nix. Na gut, ab und an nickt die eine Robbe ein ganz kleines bisschen. Das haben wir nun wirklich schon mehrfach deutlich spektakulärer und aus nächster Nähe gesehen - und dazu noch umsonst. Entsprechend ziehen wir schnell wieder Leine.

Dann steht für heute eigentlich nichts mehr auf dem Plan, allerdings ist es auch schon 18:30 Uhr. Also fahren wir noch schnell zum letzten Mal in diesem Urlaub ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann in unsere neue Unterkunft. Diese erweist sich als supertoll. Hammerausblick, schöne Einrichtung und zwei so artige Hunde, dass sogar Sophia sich traut, allein mit ihnen zu spielen.




Und als wäre das nicht genug, erleben wir auch noch witterungstechnisch die schönste Abendstimmung des ganzen Urlaubs. Hatten wir zuvor überhaupt auch nur einen einzigen Sonnenuntergang auf Island gesehen? Einen solchen wie den hier jedenfalls nicht!

Sonntag, 2. August 2026

Tag 24 - Feinster Schwefel

Das Wetter und unser gestriges fleißiges "Abarbeiten" der Sehenswürdigkeiten hier in der Gegend bedeuten für den heutigen Tag vor allem eins: Faulenzen. Dicke Wolken hängen am Himmel und es nieselt hin und wieder. Zum Glück haben wir alle wichtigen Naturwunder in der Umgebung nun schon gesehen. Wir schlafen aus, frühstücken in aller Ruhe und begrüßen unseren ersten (und einzigen) Besucher in der aktuellen Unterkunft: Einer der beiden Hofhunde hat sich vor dem Wetter auf unsere überdachte Veranda gerettet. Da sitzt er nun schwanzwedelnd vor der Tür und möchte uns ganz offensichtlich begrüßen.

Sophia mit ihrer nach wie vor bestehenden Angst vor Hunden will davon natürlich nichts wissen, aber ich öffne dem kleinen Frechdachs gern die Tür und lasse mir die Hände abschlecken. Er freut sich sehr über ein paar Streicheleinheiten.

Bei Buchung dieser Unterkunft vor einem Jahr war eigentlich angedacht, hier einen Reitausflug zu machen. Die Vermieter hatten das in der Buchungsbestätigung angeboten und mitgeteilt, man könne das ganz spontan vor Ort buchen. Auf Nachfrage gestern bei dem (mutmaßlichen) Sohn der Vermieter, der uns so hektisch unsere Unterkunft präsentiert hatte, wirkte das dann alles nicht mehr so unkompliziert. Wir sollten heute so früh wie möglich Bescheid sagen, besser noch uns schon gestern Abend festlegen - immerhin müssten sie dann erst noch die Pferde holen - und überhaupt machte es den Eindruck, als wäre das nicht etwa ein Angebot von Vermieterseite, sondern als würden sie uns nur widerwillig einen Gefallen tun. Schön, dann behalten wir unser Geld lieber und erinnern uns stattdessen an den schönen Ausritt in der zweiten Urlaubswoche.

Dieses Alternativprogramm ist somit gestrichen, sodass ich den freien Vormittag nutzen kann, um in Ruhe zu duschen. Man wird hier ja stets und ständig darauf hingewiesen, dass das warme Wasser leicht schweflig riechen kann, was uns bislang nur in einer Unterkunft minimal aufgefallen war. Aber das warme Wasser hier ist eine ganz andere Nummer. Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich tatsächlich in einer Dusche und nicht etwa in der Dampfwolke einer blubbernden Schwefelquelle stehe. Nach dem Verlassen der Dusche habe ich das Gefühl, gerade durch ein schweflig-dampfendes Geothermalgebiet gegangen zu sein und nun dringend duschen zu müssen. Nachdem auch Christoph in den "Genuss" dieser Erfrischung gekommen ist, müssen wir erstmal durchlüften. Ich bin mir nicht sicher, ob wir jetzt wirklich besser riechen als vorher.

Gegen 13:00 Uhr brechen wir zu einem kleinen Ausflug auf. Auf dem Plan: Kultur. Wer uns kennt, weiß, dass das eigentlich fast immer schief geht. Aber heute haben wir mal Glück und es ist halbwegs interessant. Wir schauen uns Glaumbær an, einen alten Torfhof, der noch bis 1947 bewohnt war und seitdem als Museum erhalten wird.


Nachdem Sophia ihre Enttäuschung darüber überwunden hat, dass sie nicht auf die grasbewachsenen Dächer klettern darf, ist sie kurze Zeit später im Schuppen schon wieder Feuer und Flamme, als sie alte Reitutensilien entdeckt. Sofort wird mir genau erklärt, wie man damals auf dem Damensattel gesessen hat. Auch so gibt es einiges zu entdecken und wir staunen vor allem, wie klein die alten Betten sind.

Lange halten wir uns aber tatsächlich nicht auf, bevor wir im angrenzenden Café unbedingt noch die angepriesenen warmen Zimtschnecken probieren müssen - sehr lecker. Christoph ist nur mit der Gestaltung der Räumlichkeiten unzufrieden. Es scheint, als stammten die zusammengewürfelten antiken Möbel ebenfalls aus dem alten Torfhof, alles ist sehr eng und neben den hauptsächlich verkauften Süßspeisen werden auch kleine Fischgerichte serviert, was zusammengenommen eine äußerst eigentümliche Geruchskombination ergibt.

Nun steht eigentlich nur noch ein schneller Einkauf an, aber auf dem Weg dorthin kommen wir nochmal an einem schönen Strand vorbei, dessen Besuch wir heute zu Christophs großer Freude nicht abgeneigt sind. Hier zeigt sich das Wetter sogar nochmal von seiner besseren Seite und wir spazieren, suchen Muscheln (finden aber nur tote Meeresbewohner) und machen Steinweitwurf.




Anschließend wird noch schnell eingekauft und dann geht es zurück in unsere Holzhütte zum Nudeln kochen, essen, lesen und ähnlichem Zeitvertreib. Ach ja, und natürlich Lüften - bei Rückkehr in die Unterkunft riecht es nämlich so, als wäre diese auf einer Schwefelquelle erbaut worden.

Samstag, 1. August 2026

Tag 23 - Aber ist das noch Island?

Nach einem sättigenden Frühstück und dem abermaligen Verstauen unseres Inventars fahren wir gegen 9:00 Uhr in Richtung Westen los.

Erster Halt heute: Die Ketubjörg Cliffs. Überraschenderweise ist bei unserer Ankunft niemand sonst vor Ort und so soll es auch tatsächlich bleiben bis wir wieder gehen. Noch merkwürdiger allerdings: Es weht für isländische Verhältnisse sehr wenig Wind. Die glückliche Fügung dankbar annehmend verweilen wir ausnahmsweise etwas länger sitzend und genießen die Aussicht auf die beiden Wasserfälle, die hier in den Atlantik stürzen.



Weil sich die Küste als schick und vor allem einsam herausstellt, entschließen wir uns, anstelle der kürzeren Inlandspassage am Meer entlang zu fahren. Unterwegs stellt Sophia verblüfft fest, dass sie kein Menschenaffe, sondern ein Affenmensch sein müsse, was ich (nur) für sie bestätige. Lisa, ebenfalls darauf beharrend, ein "normaler" Mensch zu sein, stopft sich unterdessen die letzte Zimtschnecke rein.

Nach der Hälfte der Fahrtstrecke erreichen wir einen von Basaltsäulen eingerahmten Leuchtturm, schauen ein wenig zum Meer und machen ein paar Fotos. Scheinbar ist hier einfach alles aus Basalt. Wichtiger noch: Vor Ort gibt es auch ein gut gepflegtes Toilettenhäuschen (nicht im Bild).


Anschließend geht es weiter Richtung Bergárfoss, der bei Google trotz schöner Fotos schlecht bewertet ist, weil die Hälfte der Rezensenten meint, man komme wegen diesem und jenem nicht zum Trailhead. Tatsächlich kommt man ohne Weiteres hin. Man muss halt mehrere Gatter öffnen und wieder schließen; gleichwohl ist der Feldweg  ausweislich der Beschilderung eine öffentliche und keine private Straße. Einen wütend blickenden Isländer haben wir diesmal auch nicht gesehen.

Der Trail zum Bergárfoss ist nicht immer gut erkennbar, allerdings auch one-way nur eineinhalb Kilometer lang. Dann sitzen wir auch schon einsam davor, der Himmel klart auf und abermals weht kein störender Wind. Was ist heute nur los mit dem Wetter? Ist das wirklich noch Island?

Und als Breitbild-Poster:


Als letztes Ziel lockt sodann der/die/das Hvítserkur, ein markanter Doppelfelsbogen an der nordwestlichen Küste Islands. Eigentlich möchte ich meine Damen hinab zum schwarzen Strand führen, an dem sich auch Robben aufhalten sollen, aber beide verlautbaren übereinstimmend zu frösteln, kündigen mir (schon zum zweiten Mal in diesem Urlaub!) ihre Gefolgschaft auf und staksen zurück Richtung Auto. Wirklich schwierig mit diesen zwei Warmwettertouristen und Naturbanausen. Dabei weht nicht mal wirklich viel Wind - hier fährt sogar jemand mit einem Einrad rum!


So führe ich sie stattdessen in ein nahegelegenes Lokal, wo wir Hähnchensalat und frittierten Kabeljau verdrücken. Apropos Restaurants: Es heißt ja, die USA hätten keinerlei Esskultur. Island schlägt das aber wirklich noch um Längen! Fast alle Restaurants sind an Tankstellen angegliedert und haben Dönerbudencharakter. Vorne eine Theke mit Getränkedosen und Schokoriegeln, auf einer Seite ein Durchgang zu einem kleinen Lebensmittelladen, auf der anderen Seite stehen lieblos platziert ein paar Tische. Bezahlt (und häufig auch bestellt) wird an der Theke. Das ist das typisch isländische Lokal - zumindest dann, wenn man nur etwa 100,00 bis 120,00 Euro zur Beköstigung von zwei Erwachsenen und einem Kind bezahlen möchte! Italiener würden wohl verhungern, deswegen trifft man sie hier auch nicht...

Schlussendlich fahren wir noch zu unserer Unterkunft, die wir kurz nach 20:00 Uhr erreichen. Ein ungefähr vierzehn Jahre alter Junge versucht uns einzuweisen, verhält sich aber derart aufgedreht und hektisch, dass ich mich frage, ob er harte Drogen konsumiert oder nur ganz eilig zu einem Computerspiel zurückkehren möchte. Die Hütte jedenfalls ist ziemlich schick, aber etwas eng. Bald schon gelingt es mir aber, mich so auf dem Klo zu platzieren, dass ich mir keine Brandwunden mehr am daneben entlanglaufenden Heizungsrohr zuziehe.