Montag, 20. Juli 2026

Tag 11 - Drei, zwei, eins... Meins?

Unser heutiges Ziel wäre eigentlich Þakgil gewesen. Auch das Wetter hätte super mitgespielt. Aber wie es eben so ist, wenn man sich am Vortag lieber auf Spielplätzen die Gräten verdreht, anstatt sich etwas Einzigartiges im Urlaubsland anzuschauen... Dann gehen Wanderungen über fünfzehn Kilometer und 750 Höhenmeter halt nicht. Stattdessen muss man dann Kurzstreckenziele erhumpeln, die indes entweder fahrtechnisch schwer erreichbar oder aber völlig überlaufen sind.

Los geht es demnach mit einem Halt am Seljalandsfoss, dessen Name uns einfach nicht im Gedächtnis bleiben will, sodass wir uns dazu entschließen, ihn der Einfachheit halber in Svetlanafoss umzubenennen. Mächtig was los hier, überall quellen die Menschen aus ihren Fahrzeugen und wogen in Richtung Wasserfall. Mittendrin unglücklicherweise ich selbst nebst humpelnder Bagage. Langsam trotteln wir mit den Nasen im Gesäß des jeweiligen Vordermanns im wasserfallbedingten Sprühregen eine Eisentreppe empor. Vor uns präsentieren Ostasiaten wildgestikulierend skurrile Gadgets, während in unserem Rücken ein Inder ernsthaft bei Windstärke Weinberg einen Regenschirm aufzuspannen versucht, was ihm auch etwa eine halbe Sekunde lang gelingt. Hinter dem Wasserfall angekommen sieht es immerhin ganz nett aus, sofern man bereit ist, den unvermeidlich auf den Trail geworfenen Müll zu ignorieren.


Eigentlich vorgesehen war es, auf der anderen Seite des Überhangs wieder herauszuflanieren, was sich jedoch zur gegebenen Zeit als unnötige Mutprobe präsentiert. Aufgrund Windrichtung und -stärke schwappt immer wieder ein großer Teil des stürzenden Wassers mitten auf den Weg, was aus der Ferne durchaus lustig, aber nicht unbedingt verlockend aussieht.


Also den gleichen Weg wieder zurück durch die immer dichter werdende Menschentraube während uns erneut feiner Niesel benässt. Sophia hat schon richtig die Schnauze voll und versucht vergeblich  uns schluchzend davon zu überzeugen, dass sie schon wieder ganz gut laufen könne und wir doch bitte bitte nach Þakgil fahren sollen. Aber nein, heute wird gelitten, weswegen wir auch unmittelbar noch den Gljúfrabúi-Wasserfall dranhängen. Der ist allerdings zugegebenermaßen mal so richtig oberlahm. So oberlahm, dass Sophia und Lisa zehn Meter vor dem Ziel davon absehen, sich durch die dort stehende Menschenkette zu drücken, um wenigstens einen Blick in seine Höhle zu erhaschen. Hätte ich mal auch lieber getan.


Also gut. Kurzer Weg mit vielen Touristen abgehakt. Dann kommt jetzt kurzer Weg und schwer erreichbar. Da war doch etwas vor ein paar Tagen mit einer Furt, die wir nicht passiert haben... der (südliche) Stigafoss. Also dann jetzt eben. Nach einigen Kilometern Schotterpiste stehen wir wieder am Flussufer. Diesmal aber schnappe ich mir meine Sandalen, Neoprensocken und einen Hiking Pole und mache mich auf die Suche nach dem besten Überweg. Bald schon habe ich ihn ausgemacht und wir düsen problemlos über das Flüsschen hinweg.


Kurze Zeit und noch eine Flussquerung später steht der Dacia auch schon am Straßenrand und wir humpeln Richtung Stigafoss. Nach einem knappen Kilometer hüpfen Sophia und ich dann über und Lisa in ein Bächlein hinein und schon stehen wir am Aufstieg zum Wasserfall. Aber halt, da oben steht ja ein grimmiger Isländer auf dem Weg und überblickt herrisch die Landschaft. Was will der denn?


Dem Vernehmen nach sei dies nun alles privates Gelände und er Herr und Gebieter des idyllischen Landstrichs. Dies sei daher sein persönlicher Wasserfall und wir müssten uns verziehen. Bitte was? Mitten in der Pampa will Mr. Wikinger einen Wasserfall erworben haben und statt eine Einfriedung zu errichten oder Schilder aufzustellen steht er nun Tag und Nacht böse guckend auf seiner unerschlossenen Scholle, um Besucher zu vertreiben, die einen Blick auf den verbotenen Weiher werfen wollen? Ich fühle mich irgendwie verscheißert. Ist das nicht einfach ein besonders gewiefter Tourist, der seine Ruhe haben will? Oder vielleicht doch ein Wahnsinniger mit Armbrust unter der Jacke? Wir werden es nicht mehr erfahren, weil mir eine Konfrontation staturbedingt nicht angezeigt erscheint und wir uns daher verdrücken. Leider erneut ein Reinfall.

Aus Frust drücken wir uns in Vik eine Pizza rein, die unerklärlicherweise so gefärbt wird, dass sie verbrannt aussieht. Offenbar ein Erfolgskonzept - warum auch immer. Geschmeckt hat sie aber.


Anschließend geht es in unsere neue Unterkunft, die äußerst idyllisch gelegen ist und auch sonst einen guten Eindruck macht.


Am Abend fahren wir dann noch zum/zur Fjaðrárgljúfur, einem schicken Canyon, den die Abendsonne dankenswerterweise in ein warmes Licht taucht. Endlich mal etwas, das heute klappt. Wenn doch nur ein paar weniger Touristen hier unterwegs wären...

Tag 10 - Spielplatzverbot

Die meisten Menschen haben wohl irgendeine spontane Assoziation, wenn sie "Island" hören: Seien es Wasserfälle, heiße Quellen, Kälte oder Skyr. Bei Sophia gibt es ganz klar eine Sache, die ihr zu diesem Land sofort einfällt: Islandpferde! Und diese zu sehen, wie sie hier auf riesigen Koppeln ein offenkundig glückliches Leben führen, ist die eine Seite. Aber womit könnten wir unserer kleinen Reiterin wohl eine größere Freude machen als mit einer Reitstunde? Ausflüge zu Pferde werden hier an jeder Ecke angeboten und ein solcher war tatsächlich auch zu einem späteren Zeitpunkt im Urlaub ohnehin vorgesehen. Da es sich mit einem deutschsprachigen Reiterhof in der Nähe aber nun einmal anbot, haben wir bereits vor mehreren Tagen einen Ausflug für den heutigen Morgen vereinbart, den wir vor dem pferdebegeisterten Kind bislang geheimhalten konnten.

So kommt es, dass wir heute früh im Bett darüber diskutieren, ob wir denn wirklich schon wieder eine kleine Wanderung machen müssen. Sophia ist gar nicht begeistert, als ich ihr ankündige, dass wir etwa zwei Stunden an einem See unterwegs sein werden. Ich verspreche ihr aber, dass sie nur am Anfang hoch- und am Ende wieder runterklettern muss und ansonsten nichts zu tun hat. Dann geht das Raten los. Nachdem der von ihr ins Rennen gebrachte Hubschrauberflug von uns verneint wird, kommt sie doch schnell darauf: Das kann nur ein Ausritt sein! So schnell hat man das Kind in diesem Urlaub noch nie sich fertig machen und frühstücken sehen...

Pünktlich um 09:30 Uhr sind wir auf dem Reiterhof, bekommen unsere Pferde zugewiesen, deren isländische Namen wir sofort wieder vergessen, und dürfen zum Kennenlernen erstmal eine Runde putzen. Danach wird aufgesattelt und nach kurzer Einweisung geht es gemütlich über Feldwege zum nahegelegenen See. Der anfängliche Nieselregen verzieht sich sehr schnell und es ist weder windig noch kalt. Sophia genießt die Tour auf den ausnehmend braven Tieren sichtlich und ich glaube, dass selbst Christoph es gar nicht so schlecht findet.


Für eine kurze Pause geht es anschließend zurück in unser Ferienhaus und kurz darauf zum Spielplatz. Der ist gleich bei uns um die Ecke und wir haben jeden Tag im Vorbeifahren gescherzt, dass wir Sophia bei dem hier üblicherweise herrschenden Regenwetter dort mal absetzen. Heute ist ja eigentlich Ausruhen angesagt und es ist trocken und kaum windig - das müssen wir doch nutzen. Das riesige Hüpfkissen macht auf jeden Fall allen Beteiligten Spaß.

Wir sind jedoch keine zehn Minuten vor Ort und erkunden gerade die übrigen Spielgeräte, da stürzt das Kind laut schreiend ins Gras. Was ist passiert? Beim Sprung von einer (sehr niedrigen) Umrandung ist Sophia im Gras mit dem Fuß umgeknickt. Die Stimmung ist schlagartig dahin und wir kehren zur Unterkunft zurück, um den Fuß hochzulegen und uns von dem Schreck zu erholen.

Stunden später sieht man uns - nach intensiver Pause mit Büchern, Laptop und kurzzeitig geschlossenen Augen - zum Auto schleichen, eine von uns humpelnd. Wir brauchen unbedingt nochmal frische Luft, also begeben wir uns auf den Weg zum Markarfljótsgljúfur-Canyon. Nach einem kurzen Einkauf und einer nervigen Dirtroadfahrt kommen wir ca. eineinhalb Stunden später am Canyon an. Auf dem Weg hierhin war wettertechnisch von Sonne bis Regen mal wieder alles vertreten. Vor Ort erwartet uns leider Nebel - oder sind es tief hängende Wolken? Egal, wir machen trotzdem einen Spaziergang zum Canyonrand, auch um zu sehen, wie Sophia Humpelfuß so vorwärts kommt, was mittelmäßig gut funktioniert. Der Blick in den Canyon macht was her, auch wenn es bei Sonnenschein mit Sicherheit noch besser aussieht.




Viel mehr passiert dann auch nicht, außer einem rumpeligen Rückweg und einem (immerhin spannenden) WM-Halbfinale mit isländischem Kommentator. Die Freude darüber, dass zusätzlich zu den kaum vorhersehbaren Wetterkapriolen nun auch noch verletzungsbedingte Einschränkungen die weitere Urlaubsplanung erschweren, hält sich natürlich in Grenzen. Ich fürchte, Christoph lässt uns im Urlaub nie wieder einen Spielplatz betreten...

Samstag, 18. Juli 2026

Tag 9 - Polesharing am Smjörvi-Hügel

Die Sterne stehen günstig, Aufbruch liegt in der Luft, eine drängende Vorahnung überkommt mich. Am heutigen Tag soll es nun also geschehen. Was? Die anstrengendste Wanderung dieses Urlaubs. Warum jetzt? Weil heute die Sonne scheinen wird. Und zwar nicht nur zwei oder drei Stunden oder nur so ein bisschen durch ein kleines Wolkenloch. Sondern wirklich heute im Sinne von heute den ganzen Tag über und scheinen im Sinne von blauer Himmel. Eine solche Gelegenheit lassen wir uns sicher nicht entgehen. Denn wahrscheinlich wird keine zweite mehr kommen.

Mit schon am Vortag gepackten Rucksäcken schwingen wir uns 07:15 Uhr in unseren Dacia, dem eine längere Fahrt bevorsteht. Gut zwei Stunden soll er uns über Stock und Stein bis zum Trailhead im Landmannalaugar-Gebiet bringen. Ja, da waren wir schon an Tag 3. Aber nur am bekannten Basecamp-Areal. Heute soll es ins Hinterland gehen, genauer gesagt den Halldórsgil-Trail entlang zum Grænihryggur, einem eigentümlich grünen Felsrücken inmitten der hier typisch gelborangen Bergwelt.

Sieben Kilometer vor Ankunft am Trailhead aber erstmal ein Schreckmoment. Bei Google Maps ploppt plötzlich der Hinweis "Mögliche Straßensperrung in zwei Kilometern" auf, eingestellt von Wem-auch-immer vor etwa siebzehn Stunden. Das wäre natürlich dramatisch, da ein Alternativprogramm hier nicht existiert und wir daher den einzigen Sonnentag Islands im Juli 2026 mit sinnlosem Hin-und-her-Gegurke vergeudet hätten. Gott sei Dank stellt sich das Ganze aber als Fehlmeldung heraus. Wahrscheinlich hat nur wieder irgendein Opa die falschen Knöpfe auf seinem neuen Handy gedrückt.

Pünktlich um 09:15 Uhr am Trailhead angekommen erwartet uns eine freudige Überraschung: Niemand hier außer uns. Das ist ja su.... nein, warte - jetzt fährt ja doch noch jemand an den Straßenrand! Och man... Aber zu unserem Glück auch hier wieder Fehlalarm: Es handelt sich nur um ein klassisches Klett-Touristen-Pärchen. Dieser Typ Urlauber also, der ohne jeden Plan durch die Botanik plauzt und einfach überall dort anhält, wo schon zumindest ein anderes Auto steht. Gern auch mal dann, wenn man einfach nur zum Pinkeln rechts ran gefahren ist. Nach einigem ziellosen Umherstromern werden sich die beiden jedenfalls schnell einig, dass die Wanderung hier zu aufwendig für ein spontanes "Dranhängen" ist.

Nun kann es aber losgehen! Hoch den Rucksack und rein in den Canyon, der uns zunächst durch ein grünes Tal....


...und dann durch bemerkenswert große Schneefelder Richtung Pass führt.


Das lässt sich gar nicht mal so einfach bewandern, zumal wir uns am steileren Rand entlangschleppen, da sich unter dem Schnee ein reißender Fluss befindet, zu dem wir lieber nicht durchbrechen möchten. Weiter oben stellt sich dieses Problem dann nicht mehr - hier ist der Schnee mehrere Meter dick (siehe Foto vom Rückweg)!

Nach anderthalb Stunden erreichen wir schließlich den Pass und genießen den ersten Ausblick auf die bunte Bergwelt.


Von hier an geht es nun stets am Hang entlang mit immer wieder tollen Aussichten.



Schließlich stehen wir vor dem steilen Geröllabstieg zu dem Fluss, der zwischen uns und dem grünen Felsrücken liegt.


Nachdem wir diesen im Schneckentempo heruntergekraxelt sind, müssen wir nun natürlich noch durch den Strom. Diesmal sind wir darauf aber vorbereitet, schlüpfen in unsere Sandalen und Neoprensocken und steigen problemlos mit staubtrockenen Füßen am anderen Ufer wieder aus den Fluten. Die Socken sind so gut, dass ich ihnen sogar ihren Thrombosestrumpf-Look verzeihe.


Und nun? Wer runtergegangen ist, muss natürlich auch wieder hoch. Also quälen wir uns den zumindest ebenso steilen Felshügel auf der anderen Seite des Flusses notgedrungen wieder nach oben.


Dort angekommen können wir dann bei einer weiteren Pause unser heutiges Ziel schon aus der Ferne sichten.


Der Rest des Wegs ist ein Traum. Überall tolle Aussichten in alle Richtungen.



Am Ende noch einmal ein steiler Ab- und Wiederaufstieg und schon stehen wir unmittelbar vor dem Grænihryggur, den Sophia nur Pobacken-Hügel nennt, weil er genau den gleichen eleganten Gesäß-Look mit sich bringt, wie eine frisch geöffnete Streichfettpackung (hier: Smjörvi).



Meine frisch erworbenen und zunächst müde belächelten Hiking Poles haben übrigens recht schnell Begehrlichkeiten geweckt. Mittlerweile darf ich sie deswegen nur noch abwärts benutzen, während Lisa sie bergauf führt. Bisweilen rühmt sich sogar Sophia einer Anwartschaft daran...

Sei es drum... Nach zwanzig Minuten Pause und Sonnen am Smjörvi-Hügel machen wir uns wieder auf den Rückweg und treffen nach fünfzehn Minuten tatsächlich den ersten anderen Menschen hier: Einen mutmaßlich Deutschen, der zumindest von Weitem verdächtig starke Ähnlichkeit mit Lisas Papa aufweist (gleicher Gang, gleiche Frisur). Etwas irritiert setzen wir unseren Marsch fort und können all' die schönen Ausblicke nochmal andersherum genießen.




Auch die Flussquerung klappt erneut problemlos. Allein Ab- und Anstieg davor und danach sind noch immer nur mäßig angenehm.


Dafür ist Schnee bergab laufen doch sehr viel schöner als selbigen bergauf. Nur Ski-Fahren wäre noch cooler.



Nach etwas mehr als acht Stunden und gut siebzehn Kilometern stehen wir wieder am Auto. Was für ein toller Trail! Nun nur noch zwei Stunden nach Hause rumpeln, Nudeln essen und ab ins Bett!

Donnerstag, 16. Juli 2026

Tag 8 - Kein Geknatter

Wie angekündigt weckt Christoph uns heute um 06:30 Uhr. Und wie angekündigt scheint wirklich die Sonne. Es ist unser fünfter Tag in dieser Unterkunft und zum ersten Mal seit unserer Ankunft regnet es nicht, während wir uns hier aufhalten. Ich bin so aus dem Häuschen, dass ich erstmal raus renne, um dieses besondere Ereignis fotografisch festzuhalten.

Für weitere Spielereien bleibt allerdings keine Zeit, denn die Wettervorhersage gibt mal wieder einen engen Zeitplan vor. Wir wollen das kurze sonnige Zeitfenster am Vormittag für die kleine Wanderung zum Háifoss nutzen, die wir vor wenigen Tagen aufgrund des ungemütlichen Wetters verschoben hatten. Also schnell gefrühstückt, Sachen gepackt und die eine Stunde zum Startpunkt gefahren.

Bei unserer Ankunft die nächste Überraschung: Wir sind tatsächlich mal allein! Vielleicht sollten wir unseren Tagesrhythmus doch nochmal überdenken und in Zukunft morgens eher starten. Einer Person in unserer Runde käme das ja durchaus entgegen... Egal, jetzt heißt es erstmal Mützen auf, Wanderstöcke geschnappt und auf geht's. Um uns herum zeigt sich bereits blauer Himmel, lediglich in der Schlucht zum Wasserfall hängen noch einige graue Wolkenfetzen. Die verziehen sich aber bestimmt bald.

Die Wanderung ist herrlich. Zunächst geht es über grüne Hügel, bevor wir in die Schlucht zum Wasserfall hinabsteigen.

Pünktlich zur Ankunft am Háifoss kämpft sich endgültig die Sonne durch und zaubert uns sogar einen Regenbogen. Wer im folgenden Bild genau hinschaut, erkennt Christoph im hellgrauen T-Shirt für einen Größenvergleich.

Wir gönnen uns eine verdiente Pause und genießen den tollen Anblick dieses beeindruckenden Wasserfalls. Natürlich darf auch ein weiterer Spaziergang am Háifoss vorbei zu seinen Nachbarn, u. a. dem Grannifoss, nicht fehlen.

Wirklich ein wunderschöner Ausflug. Wir können unser Glück kaum fassen: Bestes Wetter und wir sind tatsächlich die ganze Zeit allein da unten. Da ist es auch halb so schlimm, dass Christoph zwischendurch mal kurzzeitig die Videokamera verliert; sie ist zum Glück schnell wieder gefunden. Erst als wir uns auf den Rückweg begeben, kommt uns ein erster einzelner Wanderer entgegen. Je weiter wir uns jedoch wieder in Richtung Parkplatz bewegen, desto mehr verschwindet die Sonne und desto mehr Menschen begegnen uns auch. Als wir schließlich wieder am Ausgangspunkt ankommen, tummeln sich schon reichlich Touristen dort und die Sonne hat sich wieder hinter dicken Wolken versteckt. Da haben wir doch wirklich alles richtig gemacht. Ein Hoch auf unseren unermüdlichen Reiseleiter und Wettervorhersagenchecker Christoph, der uns dieses Erlebnis ermöglicht hat (und auf die Wetterseiten selbst, die dieses Mal fast auf die Minute genau Recht behalten haben).

Nun ist es gerade mal 11:00 Uhr und was die Erkundung Islands betrifft, haben wir für heute bereits das einzige To-Do auf unserer Liste abgehakt. Da unser Brotvorrat schon wieder zur Neige geht und wir den Rest des Tages ja auch noch irgendwie sinnvoll nutzen wollen, machen wir einen Umweg nach Selfoss, wo wir im Krónan unsere Vorräte auffüllen. Nachdem Sophia und Christoph seit Tagen von nichts anderem als der Knattercola reden, findet diese nun heute doch noch den Weg in unseren Einkaufswagen. Auch wenn ich ein bisschen Angst habe, was dann genau "knattert", wenn man dieses Zeug vertilgt...

Anschließend gehen wir noch lecker im Restaurant essen, wobei meine beiden Mitreisenden sich die Wartezeit damit vertreiben, zu üben, wie man die Kellnerin auffordernd anschaut, damit sie an unseren Tisch kommt.

Ich bin hin und her gerissen, ob ich vor Lachen vom Stuhl fallen oder vor Scham im Boden versinken soll... Das Essen war jedenfalls lecker und wir wurden auch überraschenderweise nicht des Restaurants verwiesen. Also ab zurück in die Unterkunft, wo wir den Tag in aller Ruhe ausklingen lassen und Vorbereitungen für eine besondere Wanderung am morgigen Tag treffen. Achso, und die Knattercola muss natürlich noch verkostet werden! Vielleicht eignet sie sich ja als Antrieb, um morgen den Berg hinauf zu knattern, bevor einem die Puste ausgeht? Aber nein, leider (oder vielleicht doch: zum Glück) knattert da nichts beim oder nach dem Essen. Ist wohl auch besser so...

Mittwoch, 15. Juli 2026

Tag 7 - Besser als Mittelerde

Schon der Name unseres heutigen Zielareals dürfte ob seines epischen Klangbilds selbst J. R. R. Tolkien vor Ehrfurcht verstummen lassen. Tja Alter, geh' mir nach Hause mit Mordor, Númenor und Moria; jetzt kommt...


Badadabammmmmmmm!

Okay, okay, eigentlich handelt es sich dabei nur um einen erloschenen Vulkan in der Nähe unserer Wanderung, aber wie cool klingt das denn? Entsprechend versehen wir während unseres Ausflugs heute auch beständig neue Kleingebiete mit monumentalen Begrifflichkeiten. So befindet sich etwa gleich am Anfang das legendäre Pullerloch von Krakatindur™!

Aber genug davon.

Nicht Krakatindur, sondern der/die/das Rauðufossakvísl ist unser heutiges Ziel, ein Bachlauf mit eigentümlich roter Farbgebung aufgrund seines hohen Eisengehalts. Vielversprechend starten wir die Wanderung im isländischen Hochland ganz allein und bei schönem Sonnenschein. Angekündigt war ein solches Wetter nicht, umso zufriedener sind wir aber.



Dank meiner gestern perfektionierten Stocktechnik überwinden wir die ersten Kilometer wie im Fluge und finden uns schon bald am Rauðufossar wieder - einem recht hohen Wasserfall auf rotem Grund. Schick.


Dann geht es weiter nach oben, denn wir wollen heute das sagenumwobene Geheimnis der blutroten Flüsse von Krakatindur™ lüften. Entsprechend folgen wir dem Bachlauf über Stock und Stein und Schnee und Eis. Auch ein breiter Zufluss muss gekreuzt werden, was dank eleganter Sprungtechnik trockenen Fußes gelingt. Mit der Zeit wird der Wind immer stärker, aber auch der Strom immer roter. Zum Ende hin reihen sich mehrere Wasserfälle aneinander und da ist dann auch der Ursprung allen rotwässrigen Seins, das Rote Auge von Krakatindur™!

Ja gut, das Ding heißt nur Rauðauga, aber es ist tatsächlich die Quelle des/der Rauðufossakvísl und sieht wirklich super aus! Zeit für ein Päuschen bei Brot und Müsliriegel. Aber nur kurz; hier stürmt es doch schon wieder recht unangenehm. Daher brechen wir bald wieder auf und ich klappere mit meinen Stöcken wieder Richtung Trailhead. Erstmals auf dem Rückweg treffen wir auch andere Wanderer, die jedoch nicht so ein Wetterglück wie wir haben. Der Himmel verdunkelt sich nämlich zusehends. Also legen wir einen Zahn zu, um unser Fahrzeug möglichst trocken zu erreichen. Zwischenzeitlich gilt es zu raten, was Sophia mit einem Weihnachtsfilm namens "Die Goppel Moppels" nur meinen könnte (Es war "Die Muppets Weihnachtsgeschichte").

Kaum in den Dacia eingestiegen beginnt es auch tatsächlich zu regnen. Und das natürlich umso heftiger je näher wir unserer Unterkunft kommen, die offenbar im langjährigen Epizentrum des isländischen Mistwetters liegt. Aber egal - heute haben wir es doch tatsächlich geschafft, die kurze Schönwetterphase optimal auszunutzen. Und in unserer warmen Unterkunft kann es uns herzlich egal sein, dass draußen einmal mehr kein menschenwürdiges Leben mehr möglich ist.