Montag, 27. Juli 2026

Tag 17 - Wetteranomalie

Einmal mehr erheben wir uns recht früh aus unseren Betten, eigentlich zu früh für meine stetig müden Begleiter. Der Vitamin-D-Mangel fordert seinen Tribut. Aber es nützt ja nichts: Heute muss eine ganze Menge abgerissen werden.

Erster Halt: Jökulsárlón. Die Gletscherlagune sah gestern im Vorbeifahren bei Mistwetter schon vielversprechend aus; deswegen zieht es uns heute bei gutem Wetter noch einmal zurück. Und das zum Glück! Bei unserer Ankunft treibt gerade ein riesiger strahlend blauer Eisberg im Wasser.


Auch das von den Wellen an den Strand gespülte Eis schimmert schön in der Vormittagssonne.


Anschließend geht es zum gleich daneben befindlichen Fjallsárlón. Hier treibt noch mehr Eis, aber in einem nicht ganz so pittoresken Arrangement.


Und weil wir schon einmal hier sind, fahren wir gleich noch fünf Kilometer weiter zurück und holen den witterungsbedingt zunächst ausgelassenen Múlagljúfur Canyon nach. Leider Gottes wird dessen Trail gerade renoviert. Anstelle des früher naturnahen, schmalen und spektakulären Pfads an der Schluchtkante entlang führt nun ein drei Meter breiter Weg ohne Canyonblick über nichtssagende Hügel. Zu allem Überfluss ist dieser auch noch geschottert, was nicht nur hässlich aussieht, sondern sich auch schrecklich läuft.


Wenig überraschendes Ergebnis: Die Hälfte der Touristen latscht trotz Absperrung lieber querfeldein die Flora tot statt sich diesen Trail anzutun. Hervorragende Arbeit also - der geniale Verantwortliche hat sich damit unmittelbar für ein Ministeramt in der Bundesregierung qualifiziert und wird wohl den soeben vakant gewordenen Posten von Patrick Schnieder übernehmen. Nichtsdestotrotz: Der Ausblick vom Aussichtspunkt ist unverändert toll.


Als nächstes wollen wir zum Stokksnes Black Sand Beach, finden uns aber überraschenderweise an einer Absperrung wieder und ein davor positionierter Herr in gelber Weste sucht um unsere Bestätigung, dass wir zur Filmcrew gehören. Na klar doch, echte Celebrities reisen natürlich im Dacia Duster mit 8-Jähriger auf dem Rücksitz und den Kofferraum bis oben voll mit Unrat zu ihren Drehorten?! Entsprechend verneinen wir irritiert und lassen uns stattdessen den Weg zum Strand weisen. Hier gibt es allerdings auch eine Schranke; eingelassen wird man nur mit Zugangscode aus dem nahegelegenen Viking Café. Also nun noch dort hinein, zwei Waffeln und zwei Zutrittsgenehmigungen für die Erwachsenen erworben und schon pfeifen wir 40,00 Euro leichter durch die Schranke.

Dahinter parken zwar nicht gerade wenige Fahrzeuge. Die meisten Besucher schauen sich aber glücklicherweise irgendeine hässliche Ruine aus einem Witcher-Filmset an, statt sich an den schönen Strand unmittelbar am Meer zu begeben. Gut für uns - dann steht wenigstens niemand im Bild. Noch besser aber: Kaum steigen wir aus, lässt der Wind nach und die Sonne prasselt vom Himmel. Es ist angenehm warm und der Sand weich wie Puderzucker. Spontan lassen wir die Schuhe am Auto und tollen durch die Dünen und am Meer entlang. Man kann sogar ohne Erfrierungen mit den Füßen im Wasser stehen!


Lisa darf die Zeit am Strand voll auskosten. Ich dagegen bin schon bald wider Willen Teilnehmer des infantilen Strand-Zehnkampfs, den ich nach einem fulminanten Sieg im Sandmalen und einem offenen Ergebnis im Sandsprung...


...durch eine verheerende Niederlage im Sandverstecken doch noch verliere.

Im Anschluss an einen nicht weiter berichtenswerten Spaziergang zu einem kleinen, aber übermäßig frequentierten Wasserfall steht dann eine längere Autofahrt nach Egilsstaðir an, die jedoch aufgrund der tollen Fjordlandschaft recht schnell vergeht. Dort angekommen stopfen wir ein nur mäßig bekömmliches Mahl in einem American Diner in uns hinein und fahren dann zu unserer mittlerweile fünften Unterkunft. Hier erfüllt sich Lisa noch einen Herzenswunsch: Endlich Wäsche waschen!

Sonntag, 26. Juli 2026

Tag 16 - Völlig platt

Schon morgens beim Aufstehen wissen wir, dass uns heute ein langer Tag bevorsteht. Neben einem Unterkunftswechsel sind lange Autofahrten inklusive Dirtroads und Flussdurchquerungen zu den Laki-Kratern (Lakagígar) geplant. Trotzdem starten wir morgens relativ in Ruhe, denn auch das Wetter hat natürlich wieder ein Wörtchen mitzureden. Aber legen wir erstmal los...

Bevor es auf die Hochlandstraße F206 geht, steht ein Zwischenstopp bei der Tankstelle an. Wir müssen tanken und den Reifendruck prüfen, weil das Auto diesbezüglich schon wieder was zu meckern hat. Tanken klappt beim ersten Anlauf, aber für den Reifendruck müssen wir an die zweite Tankstelle wechseln. Drei Reifen sind in Ordnung, bei einem fehlt Luft. Nun gut, einmal aufgefüllt und wir werden das weiter beobachten. Ab auf die Dirtroad, deren erste Kilometer inklusive mittlerer Furt uns schon von einem Ausflug der letzten Tage bekannt sind. Spannend ist das, was danach kommt, denn wir wissen, dass uns mindestens eine weitere mittlere Furt erwartet. Gemeinsam haben wir neulich abends gefühlt Stunden damit zugebracht, die spärlichen Infos im Internet zu sammeln, die zu dieser Flussdurchfahrt zu finden waren. Das Ergebnis: Das Ziel sieht recht lohnend aus und wahrscheinlich ist der Weg dorthin machbar. Die Straße ist nicht gerade angenehm zu fahren, aber im Prinzip kein Problem. Einige kleinere Furten schaffen wir problemlos mit unserer bewährten Taktik: Aussteigen, Wassertiefe prüfen (je nach Schwierigkeit: Augenmaß, Stochern mit den Wanderstöcken, notfalls Durchwaten mit Neoprensocken), nach Reifenspuren Ausschau halten und gegebenfalls andere Fahrzeuge beobachten. Bislang reichte uns heute unser Augenmaß, bis wir endlich vor der Hellisá stehen. Hier begegnen uns auch zum ersten Mal die Fähnchen, die von Rangern im Flussbett befestigt werden, um den optimalen Fahrtweg anzuzeigen. Sicherheitshalber kommen nun zum ersten Mal am heutigen Tage die Neoprensocken zum Einsatz und Christoph kämpft sich einmal durch das Flüsschen und zurück.

Unser Fazit: Sollte machbar sein. Also Augen zu und durch (natürlich langsam im ersten Gang), bevor ich es mir anders überlege. Klappt wie gewünscht und somit steht unserem Besuch an den Laki-Kratern nichts mehr im Wege.

Am dortigen Parkplatz angekommen, kommt der diensthabende Ranger zu uns gelaufen, während wir unsere Rucksäcke packen. Er grüßt freundlich und teilt uns mit, dass wir unser Wasser vor Ort auffüllen können. "Icelanders don't buy bottled water, our water is all save", sagt er beim Blick auf die Wasserflaschen in unserem Kofferraum. Er entfernt sich wieder und wir brauchen noch ein paar Minuten, bevor wir startklar für die kleine Wanderung sind. Gerade wollen wir uns in entgegengesetzter Richtung zum Trailhead begeben, da winkt er uns wieder zu sich. Er erklärt, dass er allen Besuchern eine persönliche Einweisung gibt. Also zeigt er uns auf der Karte, wo die Wanderwege verlaufen, welche Aussichtspunkte seiner Meinung nach am besten sind, wo wir Toiletten finden etc. Die meisten Sachen wussten wir schon, aber so konnten wir wenigstens noch die Fragen klären, die wir uns trotz Recherche nicht selbst beantworten konnten: Die weiterführende Straße ist offiziell keine Einbahnstraße, sollte aber bestenfalls als solche genutzt werden, und die dort noch zu überquerende Furt sollte für einen Dacia Duster aktuell kein Problem sein. Na wunderbar! Wir sind ja sonst eher kein Fan davon, wenn wir ungefragt angesprochen werden, aber der Typ war wirklich nett und geht in seiner Aufgabe voll auf. Nun aber ab zur Wanderung, natürlich wieder erstmal bergauf. Nach unserem Marsch auf den Schweinehügel am Abend zuvor sind meine Beine irgendwie kraftlos, aber allzu steil und lang ist der Aufstieg heute zum Glück nicht und so stehen wir recht schnell oben auf dem Hügel mit Ausblick auf die Laki-Krater in beide Richtungen.

Die geringe Chance auf Sonnenschein am frühen Vormittag war wohl doch zu gering, denn zumindest wir bekommen sie nicht zu Gesicht. Die 25 Kilometer lange Kraterreihe, die bei einem heftigen Ausbruch im 18. Jahrhundert entstand und über 100 Vulkankrater umfasst, sieht aber trotzdem cool aus. Wir folgen dem Wanderweg weiter, immer umgeben von der bemoosten Vulkanlandschaft, bis wir schließlich wieder am Auto stehen.


Da wir uns nach Auskunft des Rangers nun zutrauen, den Loop noch bis zum Ende zu fahren, machen wir zunächst Halt beim Tjarnargígur-Krater, der mit Wasser gefüllt ist. Nur ein kurzer Spaziergang vom Parkplatz aus und schon hat man einen wunderschönen Blick auf den tollen Krater und kann die absolute Ruhe genießen, die hier herrscht.


Es folgt kurz darauf die letzte unbekannte Furt, von der wir uns nicht sicher waren, ob sie für uns machbar ist. Trotz der Versicherung des netten Rangers wird zunächst alles intensiv begutachtet, bevor auch wir sie für machbar befinden und problemlos durchqueren.


Nun geht es auf der rumpeligen Dirtroad zurück in Richtung Straße, denn wir haben noch einiges vor: Die Fahrt bis zur nächsten Unterkunft wird etwa drei Stunden in Anspruch nehmen, hinzu kommen mehrere kleine Zwischenziele und essen wollen wir eigentlich auch noch. Sollte aber alles passen, wir müssen nur erstmal zur Tankstelle, denn Dustin meckert schon wieder. Gleicher Reifen, wieder merklich zu wenig Luft. So kann das nicht weiter gehen. Christoph ruft beim Autovermieter Lotus an und fragt, was zu tun ist. Wir sollen ein Foto schicken und unseren Standort mitteilen, dann vermitteln sie uns einen Mechaniker. Wir fahren also weiter und per E-Mail wird nebenbei geklärt, dass es in der Nähe unserer heutigen Unterkunft einen Mechaniker gibt, der uns erwartet. Wir düsen also, so schnell es die isländischen Straßen erlauben, in Richtung Höfn. Unterwegs verdichten sich die Wolken weiter und es fängt an zu nieseln. Als wir den Diamond Beach und den gegenüberliegenden Gletschersee passieren, auf dem große Eisschollen treiben, die schon von der Straße aus beeindruckend aussehen, ist das Wetter so ungemütlich, dass wir uns entgegen unseres eigentlichen Planes entscheiden, vorbei zu fahren. Schade, denn ich hätte sie mir wirklich gern aus der Nähe angesehen. Während ich noch darüber sinniere, ob das wohl die richtige Entscheidung war, macht es plötzlich "Klonk!" und dann "Flatsch-flatsch-flatsch-flatsch-flatsch". Wir schauen uns an und wissen sofort: Das war's mit unserem Reifen! Wir halten am Straßenrand, sind uns aber schon sicher, welcher Anblick uns erwartet...

Mist! Wieder Anruf bei Lotus mit erwartbarem, aber dennoch ernüchterndem Ergebnis: Ersatzreifen ist im Kofferraum, der Mechaniker wartet in Höfn. Auch das noch... Mitten auf der Ringstraße, die Autos rasen mit 90 km/h vorbei, kein Standstreifen, keine andere Haltemöglichkeit. Aber gut, es nützt nichts. Immerhin finden wir ein Warndreieck im Kofferraum und ich erinnere mich genau, dass wir das in der Fahrschule alle einmal zusammenbauen mussten. Also, ich erinnere mich an das "dass", nicht an das "wie". Irgendwie steht das Ding aber am Ende auf der Straße. Weiter also: Kind in sicherer Entfernung auf dem Feld parken, Kofferraum ausräumen (zur Erinnerung: Wir wechseln gerade die Unterkunft, das Auto ist also voll!), Wagenheber und Ersatzrad rausholen und los geht's. Hat man zu Hause natürlich schon mal gemacht, aber mit Mietwagen in einem anderen Land mit fremdem Werkzeug ist man erstmal verunsichert. Christoph meistert es aber wie ein Profi, während ich die herannahenden Autos beobachte und mich mit zwei Frauen aus Israel unterhalte, die angehalten und ihre Hilfe angeboten haben, die wir dann aber nicht benötigen. Es dauert auch gar nicht lange, dann ist es geschafft und wir verstauen das kaputte Rad und unseren gesamten Krempel wieder im Auto.

Entgegen der Ankündigung von Lotus handelt es sich allerdings doch um ein Notrad, sodass wir nicht umhin kommen, den Mechaniker noch in Anspruch zu nehmen, der ja eh auf uns wartet. So langsam rennt uns aber auch die Zeit davon, denn Check-in in der neuen Unterkunft ist nur bis 21:00 Uhr. Um 20:00 Uhr kommen wir endlich in Höfn an, wo wir ein paar Runden um die Werkstatthalle schleichen, doch es ist keiner da. Christoph ruft die von Lotus übermittelte Nummer an und der Mechaniker meint, er komme gleich. Während Sophia zur Ablenkung an Bauzäunen herumklettert, kommen wenige Minuten später zwei Autos auf den Hof gefahren. Wir freuen uns schon, doch die beiden beachten uns gar nicht und entladen stattdessen ihren Pickup. Okay, sollen wir sie jetzt ansprechen? Immerhin stehen sie hier an der Werkstatt und verräumen irgendwelche Reifen. Aber wir haben doch gerade telefoniert, die würden doch auf uns zukommen, oder? Kurze Zeit später klärt sich alles und ein weiteres Fahrzeug mit "unserem" Mechaniker fährt auf den Hof. Es gibt ein paar Verständigungsschwierigkeiten mit dem kaum Englisch sprechenden Isländer und er sieht auch gar nicht begeistert aus - verständlich, Freitagabend um 20:15 Uhr. Wieder räumen wir unser Auto aus und er nimmt den kaputten Reifen in Augenschein.

Sein vernichtendes Urteil: "No good!" Er macht sich auf die Suche nach einem neuen Reifen, was sich offenbar zunächst schwierig gestaltet, aber irgendwann wird er fündig und zwanzig Minuten später haben wir wieder vier passable Reifen am Fahrzeug und ein Notrad im Kofferraum. Nachdem wir mit Händen und Füßen geklärt haben, dass wir weder etwas bezahlen noch eine Unterschrift leisten müssen, fahren wir die letzten 15 Minuten zur neuen Unterkunft, wo wir uns für unsere späte Ankunft entschuldigen. Die Räumlichkeiten sehen super aus! Schade, dass wir nur eine Nacht hier bleiben.


Nach der ganzen Aufregung gibt es noch eine schnelle Portion Nudeln für alle, bevor wir völlig erschöpft in unsere Betten fallen.

Freitag, 24. Juli 2026

Tag 15 - Vom Grund zum Gipfel

Nach dem gestern eher dürftigen Tagesprogramm soll es heute endlich wieder richtig losgehen. Witterungsbedingt steigen wir zwar nicht vor 10:20 Uhr in unser Auto; geplant ist aber auch, erst zwischen 21:00 Uhr und 22:00 Uhr zurück zu kommen. So langsam gewöhnen wir uns daran, den konkreten Tagesablauf in die allmächtigen Hände der kurzfristigen Wetterprognose zu legen. Ansonsten liegen keine Restriktionen mehr vor - auch Sophias Fuß ist nur noch leicht geschwollen und daher normbelastbar.

Zunächst geht es über eine Stunde Dirtroad und einige harmlose Furten zum Rauðibotn. Nachdem das nun schon der vierte "Raudi" der Reise ist, wissen auch meine Mitreisenden sogleich, dass uns wohl wieder etwas Rotes erwarten könnte und so ist es tatsächlich auch (Rauðibotn = roter Grund). Bevor wir loslaufen, beobachten wir indes von der Parkfläche aus noch einige Jeep-Fahrer, die die eigentlich derzeit gesperrte Hólmsá zu queren versuchen - wohl eher nichts für unseren nunmehr "Dustin" getauften Dacia Duster mit 35 Zentimeter Wattiefe.


Der anschließende Weg durch grüne Hügel ist überraschend kurzweilig und idyllisch. Planmäßig bricht schon bald die Sonne durch die Wolkendecke. Außer uns ist niemand vor Ort.



Schon bald kraxeln wir den trichterförmigen Rauðibotn an der rechten Seite empor. Das ist zwar etwas anstrengend, aber überaus lohnend. Von oben genießen wir einen großartigen Blick auf die Caldera.


Nach Umrundung des Kraterrands kraxeln wir noch etwas ungelenk querfeldein den Hügel auf der anderen Seite herab und machen eine Pause an einem schicken Gletschersee, durch den die Hólmsá fließt.



Für den zweiten Programmpunkt am heutigen Tag müssen wir zurück zu dem See, der vorgestern in dichtem Nebel lag. Die Landschaft dort - soweit erkennbar - hat mich neugierig gemacht und nun müsste auch die Witterung passen. Also düsen wir zwei Stunden lang über Fels, Geröll und zahllose Furten und finden uns gegen 17:30 Uhr am Trailhead zum Sveinstindur (= Burschengipfel) wieder. Oder wie Lisa ihn nennt: den "Schweinehügel". Die Wanderung hier ist nicht lang, aber sehr steil. Auf unter zwei Kilometern Länge one-way geht es über 400 Höhenmeter hinauf - und anschließend natürlich wieder herunter. Ich bin selbst etwas erstaunt, wie hoch die Bergkuppe über uns thront. Aber angehen wollen wir es natürlich trotzdem. Drum werden erneut die Wanderschuhe geschnürt und los geht es. Schritt um Schritt kämpfen wir uns bei immer besser werdenden Aussichten die Hänge hinauf.



Gegen Ende klettert man eher unter Einsatz seiner Hände als dass man wandert. Lisa scheint das ob der zusätzlichen Anstrengung eher weniger zuzusagen. Aber der fantastische Blick vom Berggipfel in alle Richtungen ist die Mühe allemal wert, zumal die rasch wechselnde Bewölkung eine tolle Lichtstimmung zaubert.




Und noch zwei Aunahmen im heute wiederentdeckten Panorama-Format:


Allzu lange aufhalten können wir uns am Gipfel leider nicht. Zum einen schließt sich schon bald die Wolkendecke. Zum anderen wollen wir ja auch noch nach Hause. Also machen wir uns nach fünfzehn Minuten vorsichtig an den Abstieg und erreichen gegen 20:00 Uhr relativ unbeschadet den treuen Dustin. Nur Sophia ist zweimal gestürzt, hat sich aber jeweils nicht wirklich etwas getan.

Nun "bloß noch" zurück zum Feriendomizil. Eineinhalb holprige Stunden dauert es, bis wir unsere Unterkunft in der Ferne erspähen können. Dort angekommen wird eilig der angefangene Rührkuchen verdrückt, geduscht und Zähne geputzt. Anschließend fallen wir sehr müde in unsere Betten.

Tag 14 - Dummikub

Die Wettervorhersage hat es versprochen und so kommt es auch: Heute regnet es! Und zwar nicht nur hier an unserer Unterkunft, sondern auch an allen im Umkreis befindlichen bzw. mit vertretbarem Aufwand erreichbaren Sehenswürdigkeiten. Aus diesem Grund haben wir uns bereits in den letzten Tagen darauf eingestellt, unser Ferienhäuschen am heutigen Tage nicht zu verlassen. Das bedeutet natürlich erstmal ausschlafen und in aller Ruhe frühstücken. Derweil peitscht der Wind den Regen gegen unsere Fenster. Da muss ich mir doch gleich erstmal einen Tee kochen und mich mit meinem Buch ins Bett verkrümeln. Meine beiden Mitreisenden tun es mir gleich und so vergeht der Vormittag in friedvoller Stille. Als uns das irgendwann zu langweilig wird, finden wir uns in der Küche zusammen und kochen zunächst ein kleines Mittagessen (nach all' der Anstrengung!), bevor wir die Gesellschaftsspiele auspacken. Nach einigen Runden Wizard Junior kommt natürlich das unvermeidliche Rummikub an die Reihe. Hier gilt es für mich, die Schmach einer der Vorabende wieder auszugleichen: Nachdem ich zwei Spiele in Folge verloren hatte, wurde mir der zweifelhafte Titel des "Dummikub" verliehen. Seitdem wird darum gestritten, wann man diesen Titel eigentlich erhält und vor allem, wie man ihn wieder los wird. Nach mehreren Runden ist mir klar, dass hier gar nichts klar ist, denn die Regeln werden nach Lust und Laune und vor allem nach dem aktuellen Spielstand meiner Mitstreiter immer wieder angepasst, sodass ich den Titel am Ende des Abends noch immer innehabe. Aber sei es drum. Jedenfalls werden im Anschluss noch Häuser und Dominoreihen aus den Spielsteinen gebaut.

Tja, ich wünschte, ich könnte noch mehr berichten, aber mehr gibt es schlichtweg nicht zu erzählen. Tatsächlich haben wir es am Ende des Tages geschafft, dass keiner von uns das Haus verlassen hat. Ganz so kann ich das dann doch nicht auf mir sitzen lassen und nutze daher eine Regenlücke, um wenigstens noch den Inhalt unseres überquellenden Mülleimers nach draußen zu bringen. Zum Beweis ein Foto, geschossen abends um 22:35 Uhr:

Immerhin habe ich es nun dank meines Spaziergangs zur Mülltonne auf sagenhafte 700 Schritte an diesem Tag gebracht - das muss für heute reichen!

Mittwoch, 22. Juli 2026

Tag 13 - Furt um Furt

Eine neue Schlechtwetterfront nähert sich; entsprechend eingeschränkt ist auch das Tagesprogramm. Zumindest aber ein kleines Fleckchen Island ohne Regen und Sturm finde ich, das heute unser Ziel sein soll - den Ófærufoss.

Da der Weg dorthin trotz der etwas aufwendigeren Anfahrt nicht tagesfüllend ist, nutze ich den frühen Vormittag dafür, zusammen mit Sophia eine Choreografie für ihren neuen Lieblingsquatschsong "Weil er so gut klebt, weil er so gut klebt - das ist der Klebekääääse." zu ersinnen und einzustudieren. Am Ende entsteht irgendetwas zwischen "Aramsamsam" und "4.-Klasse-Cheerdancing zum Fremdschämen". Sophia ist hellauf begeistert.

Gegen 10:30 Uhr geht es dann die F208 nach Norden, was trotz Hochlandstraßenstatus auch wunderbar funktioniert. Nach etwa fünfzig Minuten erreichen wir das einzige relevante Hindernis - eine mittelhohe Furt. Auch ein anderer Dacia steht schon am Straßenrand und wartet auf einen Vorturner. Behände hüpfen wir aus der Fahrerkabine und untersuchen fachkundig die Wassertiefe. Nach eingehender Inspektion resümieren wir: Machbar. Kaum gehen wir zurück zum Auto, düst ein Ranger mit erhobenem Daumen aus der Gegenrichtung durch die Furt. Ob er nun etwaige Bedenken zur Durchführbarkeit zerstreuen oder uns nur ein Lob für die gründliche Diagnose aussprechen will, bleibt zwar ungeklärt; gleichwohl fühlen wir uns bestätigt. Langsam und gleichmäßig zuckeln wir uns durch den Fluss und kommen wohlbehalten am anderen Ufer wieder an.

Nur wenige Kilometer dahinter halten wir am Parkplatz zum Ófærufoss und starten die nur knapp fünf Kilometer lange Wanderung zum Wasserfall. Aber nicht allein. Direkt neben uns - nein eigentlich eher mitten in uns - startet Familie "Superklett", die parasitärste Gruppierung, die uns jemals auf einer Wanderung behelligt hat. Schon zu Beginn wartet der vierköpfige und achtbeinige Hiking-Alptraum nur darauf, dass wir sie passieren, um sich genau in dem Moment zwischen uns zu drängeln. Kaum bleiben wir stehen, um ihnen Vorsprung zu lassen, tun sie nach zehn Sekunden selbiges, warten und starten dann wieder, wenn wir sie erreicht haben. Und das mehrfach! Gehen wir stattdessen zügig voran, um sie hinter uns zu lassen, beginnt die Familie plötzlich mit unerklärlichen animalischen Lauten (!) zu rennen und kommt erst kurz vor einem Tritt in unsere Fersen wieder zum Stehen! Was zur Hölle ist nur falsch mit diesen Leuten? Kurz vor dem Ziel können wir sie dankenswerterweise an einer anderen Gruppe "abstreifen", die sie fortan belästigen. Bei Rückkehr zum Parkplatz haben sie sich aber irgendwie wieder an uns rangewanzt.


Achja, der Wasserfall. Der hat trotz bedecktem Himmel ziemlich gut ausgesehen.



Tja, was jetzt? Noch ist es erst 13:30 Uhr. Also schlage ich vor, der F208 weiter zu folgen und dann auf die F235 abzubiegen. An deren Ende soll ein ziemlich schicker und riesiger See kommen. Ob die Straßen für unseren Dacia machbar sind, ließ sich im Internet nicht wirklich ergründen, aber etwas Besseres fällt mir für heute auch nicht ein.

Nach etwa fünf Minuten erreichen wir eine Furt, die sich als etwa so tief wie die vor dem Trailhead herausstellt. Wir inspizieren, reflektieren und passieren. Nach einer weiteren Minute das selbe Spiel. Und wieder. Und dann wieder. Und schon wieder. Lisa wirkt zunehmend genervter von dem Rein- und Rausgehopse. Ich bemühe mich um Aufmunterung und Schadensbegrenzung. Nach einer zweistelligen Zahl von Flussquerungen geht es dann endlich in höheres Gelände; der Fluss rückt in die Ferne. Bei schönem Wetter muss es hier toll aussehen, denke ich leicht wehmütig. Menschenleere schwarze Einöde, gesäumt von grünen Hügeln. Leider aber haben wir kein gutes Wetter, sondern rasch zunehmenden Nebel, der erst die Hügelspitzen und bald schon alles verschluckt. Vom gewaltigen See, den wir nach einer Stunde erreichen, sieht man dann eigentlich gar nichts.


Tja, das hat sich jetzt nicht so richtig gelohnt. Andererseits sind wir nun professionelle Furtfahrer geworden und das gehört in Island ja auch irgendwie dazu.

Wir düsen zurück und erreichen gegen 17:00 Uhr wieder die asphaltierte Hauptstraße. Jetzt wird noch fix eingekauft und dann verbarrikadieren wir uns in unserer Bude. Morgen soll ein dickes Regen- und Sturmband durch das Land ziehen. Deswegen wird es besichtigungstechnisch wahrscheinlich erst übermorgen weitergehen...

Tag 12 - Dünnes Eis

Nachdem gestern über den Tag verteilt doch einige Schritte und Kilometer zusammen gekommen sind, die Sophia trotz des angeschlagenen Fußes klaglos überwunden hat, beschließen wir am Frühstückstisch einstimmig, dass wir es heute mit einer mittleren Wanderung bei überschaubarem Höhenprofil probieren. Schon allein in der Hoffnung, auf weniger Menschen zu treffen...

Der Skaftafellsjökull soll es also sein, ein Gletscher, für dessen Besichtigung man etwa 300 Höhenmeter überwinden muss. Am Startpunkt der Wanderung befindet sich zu unserer Überraschung nicht nur ein großer Parkplatz, sondern auch ein riesiger Campingplatz. Mit "weniger Menschen" wird es also schon mal nichts, obwohl der Parkplatz selbst gegen 9:00 Uhr erst halb gefüllt ist. Ein Großteil der zu diesem Zeitpunkt belegten Stellflächen wird dabei tatsächlich von Urlaubern mit Wohnmobilen oder Fahrzeugen mit Dachzelten okkupiert, die ganz offensichtlich hier übernachtet haben. Ein Schotterplatz wäre jetzt nicht unbedingt meine erste Wahl für eine naturnahe Campingnacht, aber jeder, wie er mag. Unser Weg zum Wanderweg führt uns dann unmittelbar über den angrenzenden Campingplatz, der uns wieder einmal eindrücklich vor Augen führt, warum wir keine Lust haben, außerhalb Nordamerikas mit dem Wohnmobil zu verreisen: Zwei große Wiesen, auf denen kreuz und quer Zelte stehen, dazwischen ein Schotterstreifen, auf dem dicht an dicht die Autos der Camper abgestellt sind. Keine Chance auf ein bisschen Privatsphäre, keine privaten Sitzmöglichkeiten, überall spielende Kinder und der allgemeine Lärm, der unweigerlich entsteht, wenn sich viele Menschen auf relativ kleinem Raum begegnen. Auf der angrenzenden großen Wiese für Wohnmobile und -anhänger das gleiche Bild: Kreuz und quer stehen die Fahrzeuge, teilweise dicht beieinander. Für manch' einen mag das der Traum eines Urlaubs sein: Viele fremde Menschen kennenlernen und nie allein sein. Für uns ist das leider nichts.

Aber wir sind ja auch nicht zum Campen, sondern zum Wandern hier. Also lassen wir den Campingplatz so zügig wie möglich hinter uns und starten den sanften Aufstieg zum Aussichtspunkt. Anfangs treffen wir noch zwei kleinere und eine große Wandergruppe, die wir ob unseres eher gemächlichen Tempos passieren lassen, aber dann haben wir unsere Ruhe. Der Weg führt am Hügel entlang über Erde, Holzplanken und Steine nach oben, die Sonne lacht und das Wetter ist wirklich mild heute - super!

Oben angekommen haben wir einen schönen Ausblick auf den Gletscher. Eine Infotafel berichtet über seinen erwartungsgemäßen Rückgang in den vergangenen Jahren. Auf die Frage, ob Sophia überhaupt weiß, was ein Gletscher ist, wiederholt sie, was wir ihr vor einiger Zeit darüber erzählt haben: Es handelt sich um einen dicken Eispanzer, der über einen Kilometer hoch werden kann! Na gut, das wird hier wohl eher nicht (mehr) zutreffen. Wir genießen trotzdem eine verdiente Pause und beobachten nebenbei, wie sich ein anderes Paar bereit macht für eine Fotosession: Der Mann bringt sich ein Stück weiter oben mit seiner Spiegelreflexkamera in Stellung, während die Frau vor dem Gletscher einen passenden Spot aussucht, sich vorteilhaft positioniert und ... mit einem Gesicht wie drei Tage Regenwetter in Richtung Kamera guckt. Zunächst denken wir, es war vielleicht nur ein Testschuss, aber sie bleibt beharrlich bei diesem Gesichtsausdruck - egal, ob sie deprimiert in die Kamera oder bedrückt in Richtung Gletscher schaut. Wohl das Fotoshooting für den Deprikalender 2027 mit dem Motto: Man kann auch an unglaublich schönen Orten traurig sein! Da gefallen uns unsere Varianten aber besser:


Der Rückweg führt uns nun über die Hügelkette, wo der Wind mal wieder kräftig bläst, aber daran haben wir uns ja inzwischen gewöhnt. Wir starten unterwegs noch dem Svartivoss einen kurzen Besuch ab, an dessen Fuß sich jedoch ein Großteil der Bewohner des Campingplatzes tummelt. Familien picknicken, Kinder klettern über die Steine bis an den Wasserfall heran, um sich abzukühlen, was mir persönlich bei 18 Grad Lufttemperatur allerdings zu kalt wäre. Zum Glück schaffe ich es trotzdem, ein Foto ohne fremde Menschen zu machen, denn der Wasserfall selbst mit den Basaltsäulen drumherum macht wirklich etwas her.

Von hier aus nehmen wir den kürzesten Weg zurück zum Parkplatz, was wir schon nach kurzer Zeit bereuen, denn es ist logischerweise auch der kürzeste Weg vom Campingplatz zum Wasserfall. Unzählige Menschen sind in beide Richtungen unterwegs, als Reisegruppen, als Familien, mit Hunden und mit Kinderwagen. Zumindest gibt uns das die Gelegenheit, die Urlauber hier mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und es macht den Eindruck, dass es sich dabei hauptsächlich um isländische Familien handelt, die hier ihren Sommerurlaub verbringen. Das sollen sie gern tun, aber uns ist das trotzdem zu viel und wir sind froh, als wir im Auto wieder unsere Ruhe haben und nur noch das Hörbuch von Harry Potter (und der eine oder andere Kommentar der Mitreisenden) an unsere Ohren dringt.

Da es etwas zu früh ist, um uns schon wieder in unser Ferienhaus zu begeben, entscheiden wir uns noch für eine etwas längere Dirtroad-Fahrt, um ein paar Flussdurchquerungen für meine Statistik zu sammeln und außerdem wartet am Ende ein hoffentlich schöner Wasserfall. Die Furten überwinden wir ohne Probleme, aber bei Ankunft am Aussichtspunkt auf den Fagrifoss erwartet uns wieder mal der typisch isländische Wind. Sturm trifft es hier wohl besser, denn man hat Angst, dass einem beim Fotografieren das Handy aus der Hand gepustet wird.

So halten wir uns keine zehn Minuten am Aussichtspunkt auf, bevor wir schon wieder zurück fahren. Ist aber gar nicht schlimm: Die Strecke ist schön, wir haben ein spannendes Hörspiel, nette Gesellschaft und Gummibärchen im Auto. Mehr braucht es nicht.