Sonntag, 2. August 2026

Tag 24 - Feinster Schwefel

Das Wetter und unser gestriges fleißiges "Abarbeiten" der Sehenswürdigkeiten hier in der Gegend bedeuten für den heutigen Tag vor allem eins: Faulenzen. Dicke Wolken hängen am Himmel und es nieselt hin und wieder. Zum Glück haben wir alle wichtigen Naturwunder in der Umgebung nun schon gesehen. Wir schlafen aus, frühstücken in aller Ruhe und begrüßen unseren ersten (und einzigen) Besucher in der aktuellen Unterkunft: Einer der beiden Hofhunde hat sich vor dem Wetter auf unsere überdachte Veranda gerettet. Da sitzt er nun schwanzwedelnd vor der Tür und möchte uns ganz offensichtlich begrüßen.

Sophia mit ihrer nach wie vor bestehenden Angst vor Hunden will davon natürlich nichts wissen, aber ich öffne dem kleinen Frechdachs gern die Tür und lasse mir die Hände abschlecken. Er freut sich sehr über ein paar Streicheleinheiten.

Bei Buchung dieser Unterkunft vor einem Jahr war eigentlich angedacht, hier einen Reitausflug zu machen. Die Vermieter hatten das in der Buchungsbestätigung angeboten und mitgeteilt, man könne das ganz spontan vor Ort buchen. Auf Nachfrage gestern bei dem (mutmaßlichen) Sohn der Vermieter, der uns so hektisch unsere Unterkunft präsentiert hatte, wirkte das dann alles nicht mehr so unkompliziert. Wir sollten heute so früh wie möglich Bescheid sagen, besser noch uns schon gestern Abend festlegen - immerhin müssten sie dann erst noch die Pferde holen - und überhaupt machte es den Eindruck, als wäre das nicht etwa ein Angebot von Vermieterseite, sondern als würden sie uns nur widerwillig einen Gefallen tun. Schön, dann behalten wir unser Geld lieber und erinnern uns stattdessen an den schönen Ausritt in der zweiten Urlaubswoche.

Dieses Alternativprogramm ist somit gestrichen, sodass ich den freien Vormittag nutzen kann, um in Ruhe zu duschen. Man wird hier ja stets und ständig darauf hingewiesen, dass das warme Wasser leicht schweflig riechen kann, was uns bislang nur in einer Unterkunft minimal aufgefallen war. Aber das warme Wasser hier ist eine ganz andere Nummer. Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich tatsächlich in einer Dusche und nicht etwa in der Dampfwolke einer blubbernden Schwefelquelle stehe. Nach dem Verlassen der Dusche habe ich das Gefühl, gerade durch ein schweflig-dampfendes Geothermalgebiet gegangen zu sein und nun dringend duschen zu müssen. Nachdem auch Christoph in den "Genuss" dieser Erfrischung gekommen ist, müssen wir erstmal durchlüften. Ich bin mir nicht sicher, ob wir jetzt wirklich besser riechen als vorher.

Gegen 13:00 Uhr brechen wir zu einem kleinen Ausflug auf. Auf dem Plan: Kultur. Wer uns kennt, weiß, dass das eigentlich fast immer schief geht. Aber heute haben wir mal Glück und es ist halbwegs interessant. Wir schauen uns Glaumbær an, einen alten Torfhof, der noch bis 1947 bewohnt war und seitdem als Museum erhalten wird.


Nachdem Sophia ihre Enttäuschung darüber überwunden hat, dass sie nicht auf die grasbewachsenen Dächer klettern darf, ist sie kurze Zeit später im Schuppen schon wieder Feuer und Flamme, als sie alte Reitutensilien entdeckt. Sofort wird mir genau erklärt, wie man damals auf dem Damensattel gesessen hat. Auch so gibt es einiges zu entdecken und wir staunen vor allem, wie klein die alten Betten sind.

Lange halten wir uns aber tatsächlich nicht auf, bevor wir im angrenzenden Café unbedingt noch die angepriesenen warmen Zimtschnecken probieren müssen - sehr lecker. Christoph ist nur mit der Gestaltung der Räumlichkeiten unzufrieden. Es scheint, als stammten die zusammengewürfelten antiken Möbel ebenfalls aus dem alten Torfhof, alles ist sehr eng und neben den hauptsächlich verkauften Süßspeisen werden auch kleine Fischgerichte serviert, was zusammengenommen eine äußerst eigentümliche Geruchskombination ergibt.

Nun steht eigentlich nur noch ein schneller Einkauf an, aber auf dem Weg dorthin kommen wir nochmal an einem schönen Strand vorbei, dessen Besuch wir heute zu Christophs großer Freude nicht abgeneigt sind. Hier zeigt sich das Wetter sogar nochmal von seiner besseren Seite und wir spazieren, suchen Muscheln (finden aber nur tote Meeresbewohner) und machen Steinweitwurf.




Anschließend wird noch schnell eingekauft und dann geht es zurück in unsere Holzhütte zum Nudeln kochen, essen, lesen und ähnlichem Zeitvertreib. Ach ja, und natürlich Lüften - bei Rückkehr in die Unterkunft riecht es nämlich so, als wäre diese auf einer Schwefelquelle erbaut worden.

Samstag, 1. August 2026

Tag 23 - Aber ist das noch Island?

Nach einem sättigenden Frühstück und dem abermaligen Verstauen unseres Inventars fahren wir gegen 9:00 Uhr in Richtung Westen los.

Erster Halt heute: Die Ketubjörg Cliffs. Überraschenderweise ist bei unserer Ankunft niemand sonst vor Ort und so soll es auch tatsächlich bleiben bis wir wieder gehen. Noch merkwürdiger allerdings: Es weht für isländische Verhältnisse sehr wenig Wind. Die glückliche Fügung dankbar annehmend verweilen wir ausnahmsweise etwas länger sitzend und genießen die Aussicht auf die beiden Wasserfälle, die hier in den Atlantik stürzen.



Weil sich die Küste als schick und vor allem einsam herausstellt, entschließen wir uns, anstelle der kürzeren Inlandspassage am Meer entlang zu fahren. Unterwegs stellt Sophia verblüfft fest, dass sie kein Menschenaffe, sondern ein Affenmensch sein müsse, was ich (nur) für sie bestätige. Lisa, ebenfalls darauf beharrend, ein "normaler" Mensch zu sein, stopft sich unterdessen die letzte Zimtschnecke rein.

Nach der Hälfte der Fahrtstrecke erreichen wir einen von Basaltsäulen eingerahmten Leuchtturm, schauen ein wenig zum Meer und machen ein paar Fotos. Scheinbar ist hier einfach alles aus Basalt. Wichtiger noch: Vor Ort gibt es auch ein gut gepflegtes Toilettenhäuschen (nicht im Bild).


Anschließend geht es weiter Richtung Bergárfoss, der bei Google trotz schöner Fotos schlecht bewertet ist, weil die Hälfte der Rezensenten meint, man komme wegen diesem und jenem nicht zum Trailhead. Tatsächlich kommt man ohne Weiteres hin. Man muss halt mehrere Gatter öffnen und wieder schließen; gleichwohl ist der Feldweg  ausweislich der Beschilderung eine öffentliche und keine private Straße. Einen wütend blickenden Isländer haben wir diesmal auch nicht gesehen.

Der Trail zum Bergárfoss ist nicht immer gut erkennbar, allerdings auch one-way nur eineinhalb Kilometer lang. Dann sitzen wir auch schon einsam davor, der Himmel klart auf und abermals weht kein störender Wind. Was ist heute nur los mit dem Wetter? Ist das wirklich noch Island?

Und als Breitbild-Poster:


Als letztes Ziel lockt sodann der/die/das Hvítserkur, ein markanter Doppelfelsbogen an der nordwestlichen Küste Islands. Eigentlich möchte ich meine Damen hinab zum schwarzen Strand führen, an dem sich auch Robben aufhalten sollen, aber beide verlautbaren übereinstimmend zu frösteln, kündigen mir (schon zum zweiten Mal in diesem Urlaub!) ihre Gefolgschaft auf und staksen zurück Richtung Auto. Wirklich schwierig mit diesen zwei Warmwettertouristen und Naturbanausen. Dabei weht nicht mal wirklich viel Wind - hier fährt sogar jemand mit einem Einrad rum!


So führe ich sie stattdessen in ein nahegelegenes Lokal, wo wir Hähnchensalat und frittierten Kabeljau verdrücken. Apropos Restaurants: Es heißt ja, die USA hätten keinerlei Esskultur. Island schlägt das aber wirklich noch um Längen! Fast alle Restaurants sind an Tankstellen angegliedert und haben Dönerbudencharakter. Vorne eine Theke mit Getränkedosen und Schokoriegeln, auf einer Seite ein Durchgang zu einem kleinen Lebensmittelladen, auf der anderen Seite stehen lieblos platziert ein paar Tische. Bezahlt (und häufig auch bestellt) wird an der Theke. Das ist das typisch isländische Lokal - zumindest dann, wenn man nur etwa 100,00 bis 120,00 Euro zur Beköstigung von zwei Erwachsenen und einem Kind bezahlen möchte! Italiener würden wohl verhungern, deswegen trifft man sie hier auch nicht...

Schlussendlich fahren wir noch zu unserer Unterkunft, die wir kurz nach 20:00 Uhr erreichen. Ein ungefähr vierzehn Jahre alter Junge versucht uns einzuweisen, verhält sich aber derart aufgedreht und hektisch, dass ich mich frage, ob er harte Drogen konsumiert oder nur ganz eilig zu einem Computerspiel zurückkehren möchte. Die Hütte jedenfalls ist ziemlich schick, aber etwas eng. Bald schon gelingt es mir aber, mich so auf dem Klo zu platzieren, dass ich mir keine Brandwunden mehr am daneben entlanglaufenden Heizungsrohr zuziehe.

Tag 22 - Gegen den Strom

Wie so oft richtet sich unser Tagesablauf strikt am Wetter aus. Das bedeutet heute: Erstmal ausschlafen und den Vormittag in Ruhe in unserer Unterkunft verbringen. Was sonst von den meisten Beteiligten gern angenommen wird, gestaltet sich heute ungewohnt zäh, sodass wir froh sind, als wir gegen 13:30 Uhr endlich aufbrechen können. Der morgendliche Nebel samt Regen hat sich verzogen und der Himmel hellt sich nach und nach auf.

Christoph verspricht uns einen vollgepackten Nachmittag ohne längere Wanderungen und mit steigendem Attraktivitätsgrad. Wir sind gespannt und starten nach kurzem Einkauf am Lavafeld Dimmuborgir. Auf dem Parkplatz stehen mehrere große Reisebusse und der Weg ist zum größten Teil asphaltiert. Der kleine Rundgang führt uns durch ein Feld aus bizarren Gesteinsformationen umgeben von Büschen und Sträuchern. Man kann gut nachvollziehen, warum laut isländischer Mythologie hier Elfen und Trolle leben sollen. Nach einem Blick auf das Felsentor und die Kirche geht es auch schon zurück zum Parkplatz.


Wir passieren unterwegs mehrere Gruppen aus besagten Reisebussen und schnappen Gesprächsfetzen auf. Eine Reiseleiterin erklärt den deutschen Touristen, dass es damals, als sie zum ersten Mal hier war, vor Ort noch nichts gegeben habe, da seien noch nicht einmal Wege zwischen den Formationen angelegt gewesen. Und ich denke ein wenig wehmütig, wie schön das gewesen sein muss, die eigentümliche Gegend auf eigene Faust zu erkunden, ohne Asphalt, Wegweiser und Café am Eingang. Ein älteres deutsches Paar stellt unterdessen auf dem Rückweg zum Bus fest, dass dies für heute der letzte geplante Ausstieg war. Christoph kippt beinahe aus seinen Schuhen: Es ist noch nicht mal 15:00 Uhr, endlich kommt die Sonne raus und die Bustouristen machen Feierabend? Zum Glück sind wir da ein wenig flexibler.

Weiter geht es zum nächsten Vulkangebiet. Wir werfen einen kurzen Blick in den Vitikrater mit seinem auffällig blauen See.

Wenige Meter zurück halten wir am Parkplatz für einen vier Kilometer kurzen Rundweg durch das Leirhnjúkur Lavafeld. Wieder einmal bläst uns ein ziemlich starker Wind entgegen und wir laufen leider inmitten mehrerer anderer Wanderergruppen, die alle etwa zur gleichen Zeit am Parkplatz gestartet sind. Nach wenigen hundert Metern schlagen wir daher zwei Fliegen mit einer Klappe, als wir uns entscheiden, den Rundweg entgegen dem Uhrzeigersinn zu gehen. Der Wind kommt nun immerhin von der Seite und die entgegen kommenden Touristen kreuzen jeweils nur kurz unseren Weg - schon besser! Während wir versuchen, "Stadt, Land, Fluss" im Kopf zu spielen, durchstreifen wir das Lavafeld, das ein ziemlich unwirkliches Bild abgibt. Auf der einen Seite langgezogene, schwarze Schlackeströme, auf der anderen Seite teils begrünte Hügel und bräunliche Berge, aus denen hin und wieder heißer, schweflig-riechender Dampf dringt.



Zum Höhepunkt des Tages machen wir uns nun noch auf den Weg zum Aldeyjarfoss. Hierzu geht es über eine lange, aber sehr gut befahrbare Schotterstraße und zum Schluss durch zwei Gatter und entlang einer nicht mehr ganz so schnell, aber zumindest einfach befahrbaren Dirtroad. Das Ergebnis der "schwierigen" Anfahrt zeigt sich dann sofort am Parkplatz: Nur ein weiteres Auto ist vor Ort! Die Sonne scheint auch - da kann ja nichts mehr schief gehen, oder? Leider muss man in Island aber immer mit Wind rechnen und davon gibt es am Wasserfall mal wieder mehr als uns lieb ist. Sophia möchte am liebsten sofort wieder umdrehen und im Auto warten. Wir quälen uns die paar hundert Meter bis zum Wasserfall und sind gleichermaßen entzückt und enttäuscht: Der Wasserfall mit den zu beiden Seiten aufragenden Basaltsäulen sieht einfach genial aus!



Aber der Wind... Der Wind pfeift dermaßen über die Hügel, dass man sich genau überlegen muss, wo man sich für ein szenisches Foto platziert - bloß nicht zu nah am Rand, denn man weiß nie mit Sicherheit, ob man der nächsten Böe standhalten kann. An eine gemütliche Pause und wirkliches Innehalten und Genießen ist schon gar nicht zu denken. Daher bleibt es bei einem sehr kurzen Verweilen, bevor wir uns zurück zum Auto kämpfen. Uns fällt dieses Mal besonders auf, wie wir uns alle erst wieder entspannen, als wir im stillen Wagen sitzen. Der starke Wind löst durch den permanenten Lärm und das ständige Dagegenhaltenmüssen eine richtige Stressreaktion in uns aus. Sehr schade, es sah so toll aus, aber wie so oft in Island braucht man einiges an Wetterglück (oder stahlharte Nerven), um den Ausblick in aller Ruhe genießen zu können.

Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft halten wir noch kurz am Goðafoss, einem bekannten Touristenhotspot, an dem um diese Uhrzeit wie erhofft nicht mehr viel los ist.

Somit haben wir den sonnigen Nachmittag und Abend ausgiebig genutzt und kehren zufrieden in unsere Unterkunft zurück. Wobei, eine Sache gibt es noch zu tun: Die beiden Fohlen auf der Koppel vor dem Haus müssen selbstverständlich beim abendlichen Toben beobachtet werden - da sind sogar Kälte und Wind plötzlich Nebensache.