Sophia mit ihrer nach wie vor bestehenden Angst vor Hunden will davon natürlich nichts wissen, aber ich öffne dem kleinen Frechdachs gern die Tür und lasse mir die Hände abschlecken. Er freut sich sehr über ein paar Streicheleinheiten.
Bei Buchung dieser Unterkunft vor einem Jahr war eigentlich angedacht, hier einen Reitausflug zu machen. Die Vermieter hatten das in der Buchungsbestätigung angeboten und mitgeteilt, man könne das ganz spontan vor Ort buchen. Auf Nachfrage gestern bei dem (mutmaßlichen) Sohn der Vermieter, der uns so hektisch unsere Unterkunft präsentiert hatte, wirkte das dann alles nicht mehr so unkompliziert. Wir sollten heute so früh wie möglich Bescheid sagen, besser noch uns schon gestern Abend festlegen - immerhin müssten sie dann erst noch die Pferde holen - und überhaupt machte es den Eindruck, als wäre das nicht etwa ein Angebot von Vermieterseite, sondern als würden sie uns nur widerwillig einen Gefallen tun. Schön, dann behalten wir unser Geld lieber und erinnern uns stattdessen an den schönen Ausritt in der zweiten Urlaubswoche.
Dieses Alternativprogramm ist somit gestrichen, sodass ich den freien Vormittag nutzen kann, um in Ruhe zu duschen. Man wird hier ja stets und ständig darauf hingewiesen, dass das warme Wasser leicht schweflig riechen kann, was uns bislang nur in einer Unterkunft minimal aufgefallen war. Aber das warme Wasser hier ist eine ganz andere Nummer. Immer wieder muss ich mich selbst daran erinnern, dass ich tatsächlich in einer Dusche und nicht etwa in der Dampfwolke einer blubbernden Schwefelquelle stehe. Nach dem Verlassen der Dusche habe ich das Gefühl, gerade durch ein schweflig-dampfendes Geothermalgebiet gegangen zu sein und nun dringend duschen zu müssen. Nachdem auch Christoph in den "Genuss" dieser Erfrischung gekommen ist, müssen wir erstmal durchlüften. Ich bin mir nicht sicher, ob wir jetzt wirklich besser riechen als vorher.
Gegen 13:00 Uhr brechen wir zu einem kleinen Ausflug auf. Auf dem Plan: Kultur. Wer uns kennt, weiß, dass das eigentlich fast immer schief geht. Aber heute haben wir mal Glück und es ist halbwegs interessant. Wir schauen uns Glaumbær an, einen alten Torfhof, der noch bis 1947 bewohnt war und seitdem als Museum erhalten wird.
Nachdem Sophia ihre Enttäuschung darüber überwunden hat, dass sie nicht auf die grasbewachsenen Dächer klettern darf, ist sie kurze Zeit später im Schuppen schon wieder Feuer und Flamme, als sie alte Reitutensilien entdeckt. Sofort wird mir genau erklärt, wie man damals auf dem Damensattel gesessen hat. Auch so gibt es einiges zu entdecken und wir staunen vor allem, wie klein die alten Betten sind.
Lange halten wir uns aber tatsächlich nicht auf, bevor wir im angrenzenden Café unbedingt noch die angepriesenen warmen Zimtschnecken probieren müssen - sehr lecker. Christoph ist nur mit der Gestaltung der Räumlichkeiten unzufrieden. Es scheint, als stammten die zusammengewürfelten antiken Möbel ebenfalls aus dem alten Torfhof, alles ist sehr eng und neben den hauptsächlich verkauften Süßspeisen werden auch kleine Fischgerichte serviert, was zusammengenommen eine äußerst eigentümliche Geruchskombination ergibt.
Nun steht eigentlich nur noch ein schneller Einkauf an, aber auf dem Weg dorthin kommen wir nochmal an einem schönen Strand vorbei, dessen Besuch wir heute zu Christophs großer Freude nicht abgeneigt sind. Hier zeigt sich das Wetter sogar nochmal von seiner besseren Seite und wir spazieren, suchen Muscheln (finden aber nur tote Meeresbewohner) und machen Steinweitwurf.
Anschließend wird noch schnell eingekauft und dann geht es zurück in unsere Holzhütte zum Nudeln kochen, essen, lesen und ähnlichem Zeitvertreib. Ach ja, und natürlich Lüften - bei Rückkehr in die Unterkunft riecht es nämlich so, als wäre diese auf einer Schwefelquelle erbaut worden.