Wie so oft richtet sich unser Tagesablauf strikt am Wetter aus. Das bedeutet heute: Erstmal ausschlafen und den Vormittag in Ruhe in unserer Unterkunft verbringen. Was sonst von den meisten Beteiligten gern angenommen wird, gestaltet sich heute ungewohnt zäh, sodass wir froh sind, als wir gegen 13:30 Uhr endlich aufbrechen können. Der morgendliche Nebel samt Regen hat sich verzogen und der Himmel hellt sich nach und nach auf.
Christoph verspricht uns einen vollgepackten Nachmittag ohne längere Wanderungen und mit steigendem Attraktivitätsgrad. Wir sind gespannt und starten nach kurzem Einkauf am Lavafeld Dimmuborgir. Auf dem Parkplatz stehen mehrere große Reisebusse und der Weg ist zum größten Teil asphaltiert. Der kleine Rundgang führt uns durch ein Feld aus bizarren Gesteinsformationen umgeben von Büschen und Sträuchern. Man kann gut nachvollziehen, warum laut isländischer Mythologie hier Elfen und Trolle leben sollen. Nach einem Blick auf das Felsentor und die Kirche geht es auch schon zurück zum Parkplatz.
Wir passieren unterwegs mehrere Gruppen aus besagten Reisebussen und schnappen Gesprächsfetzen auf. Eine Reiseleiterin erklärt den deutschen Touristen, dass es damals, als sie zum ersten Mal hier war, vor Ort noch nichts gegeben habe, da seien noch nicht einmal Wege zwischen den Formationen angelegt gewesen. Und ich denke ein wenig wehmütig, wie schön das gewesen sein muss, die eigentümliche Gegend auf eigene Faust zu erkunden, ohne Asphalt, Wegweiser und Café am Eingang. Ein älteres deutsches Paar stellt unterdessen auf dem Rückweg zum Bus fest, dass dies für heute der letzte geplante Ausstieg war. Christoph kippt beinahe aus seinen Schuhen: Es ist noch nicht mal 15:00 Uhr, endlich kommt die Sonne raus und die Bustouristen machen Feierabend? Zum Glück sind wir da ein wenig flexibler.
Weiter geht es zum nächsten Vulkangebiet. Wir werfen einen kurzen Blick in den Vitikrater mit seinem auffällig blauen See.
Wenige Meter zurück halten wir am Parkplatz für einen vier Kilometer kurzen Rundweg durch das Leirhnjúkur Lavafeld. Wieder einmal bläst uns ein ziemlich starker Wind entgegen und wir laufen leider inmitten mehrerer anderer Wanderergruppen, die alle etwa zur gleichen Zeit am Parkplatz gestartet sind. Nach wenigen hundert Metern schlagen wir daher zwei Fliegen mit einer Klappe, als wir uns entscheiden, den Rundweg entgegen dem Uhrzeigersinn zu gehen. Der Wind kommt nun immerhin von der Seite und die entgegen kommenden Touristen kreuzen jeweils nur kurz unseren Weg - schon besser! Während wir versuchen, "Stadt, Land, Fluss" im Kopf zu spielen, durchstreifen wir das Lavafeld, das ein ziemlich unwirkliches Bild abgibt. Auf der einen Seite langgezogene, schwarze Schlackeströme, auf der anderen Seite teils begrünte Hügel und bräunliche Berge, aus denen hin und wieder heißer, schweflig-riechender Dampf dringt.
Zum Höhepunkt des Tages machen wir uns nun noch auf den Weg zum Aldeyjarfoss. Hierzu geht es über eine lange, aber sehr gut befahrbare Schotterstraße und zum Schluss durch zwei Gatter und entlang einer nicht mehr ganz so schnell, aber zumindest einfach befahrbaren Dirtroad. Das Ergebnis der "schwierigen" Anfahrt zeigt sich dann sofort am Parkplatz: Nur ein weiteres Auto ist vor Ort! Die Sonne scheint auch - da kann ja nichts mehr schief gehen, oder? Leider muss man in Island aber immer mit Wind rechnen und davon gibt es am Wasserfall mal wieder mehr als uns lieb ist. Sophia möchte am liebsten sofort wieder umdrehen und im Auto warten. Wir quälen uns die paar hundert Meter bis zum Wasserfall und sind gleichermaßen entzückt und enttäuscht: Der Wasserfall mit den zu beiden Seiten aufragenden Basaltsäulen sieht einfach genial aus!
Aber der Wind... Der Wind pfeift dermaßen über die Hügel, dass man sich genau überlegen muss, wo man sich für ein szenisches Foto platziert - bloß nicht zu nah am Rand, denn man weiß nie mit Sicherheit, ob man der nächsten Böe standhalten kann. An eine gemütliche Pause und wirkliches Innehalten und Genießen ist schon gar nicht zu denken. Daher bleibt es bei einem sehr kurzen Verweilen, bevor wir uns zurück zum Auto kämpfen. Uns fällt dieses Mal besonders auf, wie wir uns alle erst wieder entspannen, als wir im stillen Wagen sitzen. Der starke Wind löst durch den permanenten Lärm und das ständige Dagegenhaltenmüssen eine richtige Stressreaktion in uns aus. Sehr schade, es sah so toll aus, aber wie so oft in Island braucht man einiges an Wetterglück (oder stahlharte Nerven), um den Ausblick in aller Ruhe genießen zu können.
Auf dem Rückweg zu unserer Unterkunft halten wir noch kurz am Goðafoss, einem bekannten Touristenhotspot, an dem um diese Uhrzeit wie erhofft nicht mehr viel los ist.
Somit haben wir den sonnigen Nachmittag und Abend ausgiebig genutzt und kehren zufrieden in unsere Unterkunft zurück. Wobei, eine Sache gibt es noch zu tun: Die beiden Fohlen auf der Koppel vor dem Haus müssen selbstverständlich beim abendlichen Toben beobachtet werden - da sind sogar Kälte und Wind plötzlich Nebensache.
Wunderbare Bilder und zwei total süße Fohlen.
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