Montag, 3. August 2026

Tag 25 - Loslassen

Heute heißt es früh aufstehen, weil wir an unserem vorletzten "richtigen" Urlaubstag noch einmal sehr viel vorhaben. Die ganze Halbinsel Snæfellsnes harrt unserer Besichtigung. Also schrillt um 5:30 Uhr der Wecker; ein Ereignis auf das ich bereits seit 5:15 Uhr warte. Überraschenderweise erheben sich auch Lisa und Sophia ohne größere Motivationsbemühungen und so drehen wir nach mittlerweile routinierter Packprozedur Punkt 7:00 Uhr den Wagenschlüssel um.

Eine ziemlich langweilige Fahrt liegt vor uns - etwa dreieinhalb Stunden sind es bis zur Halbinsel. Dazwischen liegen eher wenig aufregende Landschaften und nach geglückter Rettung des Gefangenen von Askaban hält auch Harry Potter vorerst die Klappe, weil die Geschichte ab Teil 4 wohl etwas zu düster für Sophia werden dürfte. Stattdessen hören wir jetzt die aktuellere "Flüsterwald"- Reihe, die mich als alten weißen Mann noch nicht so wirklich überzeugen kann. Früher war halt alles besser! Zur Abwechslung läuft zwischendurch immer wieder mein Mega-Mix aus Rock und Ballermann, um den Wünschen aller Mitreisenden gerecht zu werden.

Gegen 10:30 Uhr erreichen wir das Visitor Center von Snæfellsnes. Keine Minute zu früh, denn die öffentlichen Toiletten werden dringend benötigt. Es gibt hier ja leider kaum welche.

Anschließend dann 11:00 Uhr unser erster Halt am Selvallafoss - der letzte Wasserfall dieses Urlaubs, hinter den man bei Bedarf schlüpfen kann. Für einen Aufwand von fünf Gehminuten sieht er schon ganz schnucklig aus.


Anschließend geht es weiter zum Microsoft-Bildschirmschoner-geprägten Leitmotiv Islands, dem Kirkjufell. Hier klärt sich nun endlich, warum wir bisher in Island so wenige Asiaten gesehen haben. Die sind einfach alle hier! Munter purzeln sie aus ihren Wagen sowie den im Hafen des Städtchens Grundarfjörður geparkten Kreuzfahrtschiffen und schreiten prozessionsartig zum Aussichtspunkt. Wirklich fotogen ist der Hügel witterungsbedingt aber derzeit leider nicht. Dabei war doch ganztägig klarer Himmel angekündigt...

Nächster Stop: Svöðufoss, den meine bereits wasserfallgesättigten Mitreisenden frecherweise nur "Ödufoss" nennen. Unverschämt! Eigentlich sieht er ziemlich cool aus... Nur der lang versprochene blaue Himmel könnte sich nun schon mal zeigen. 


Danach geht es zum Skarðsvík Beach, der ausnahmsweise nicht aus schwarzem, sondern aus gelb-weiß-schwarz-gesprenkeltem Sand besteht. Natürlich muss ich auf Sophias Befehl hin wieder irgendwelche unsinnigen Wettkämpfe bestreiten, diesmal unter anderem in den Disziplinen "Finger-in-den-Sand-bohren", "Muscheln-füllen" und "Epileptisch-vor-den-anderen-Touristen-Rumzappeln". Freilich enden fast alle der von Sophia ersonnenen Spiele mit meiner schmachvollen Disqualifikation aufgrund einer nachträglichen Regeländerung, denn: "So spielt man das doch nicht, Papa!" Zum Glück fängt Lisa bald an zu frösteln, sodass wir wieder zurück zum Auto müssen.


Nun geht es von der Nord- an die Südküste der Halbinsel. Kaum passieren wir die dazwischen liegende Gebirgskette, finden wir sie doch noch: Hier drüben hat sich die Sonne die ganze Zeit versteckt! Zeit für ein schönes Foto von Dustin, damit wir wenigstens ein cooles von ihm haben.


Anschließend fahren wir weiter zum Djúpalónssandur, einem äußerst schicken Strand aus abgerundeten Steinen, garniert mit Teilen eines Schiffwracks und ansprechenden Felsformationen. Ein Geheimnis ist das freilich nicht, sodass sich an jeder Ecke zig Touristen scharen.



Wir flüchten uns daher durch ein Schlackefeld zur lediglich eineinhalb Wanderkilometer entfernten Dritvík cove, die das identische Setting ganz ohne Touristen bietet. Eine Bucht nur für uns während sich gleich nebenan die anderen Besucher stapeln - super! Ich stromere über die abgerundeten Steine und mache Fotos aus allen Richtungen, während Lisa und Sophia an der Lagune rumlümmeln.


Noch ein Suchbild - wo sind die beiden denn?


Als nächstes soll es eigentlich zu den 
Lóndrangar Cliffs und danach zu einem recht bekannten Felsbogen zwischen Arnarstapi und Hellnar gehen, aber irgendwie haben wir da nicht mehr so wirklich Bock drauf. Die Bucht war doch schon ein tolles Besichtigungsfinale. Warum also jetzt nochmal in die Touristenströme werfen, nur um zu zwei lediglich mäßig spannenden Aussichtspunkten zu gelangen? Also lassen wir einfach mal los und steuern stattdessen einen weiteren Strand an.

Offenbar weiß der Schöpfer unsere frisch ersonnene Laissez-faire-Doktrin zu schätzen, denn sogleich entsendet er einen weiteren Polarfuchs, der diesmal auch so lange posiert, dass wir ihn aus dem Auto heraus ablichten können.


Dann erreichen wir auch schon den Strand, flanieren zum Ufer und machen es uns - soweit möglich - gemütlich. Der Kontrast aus schwarzer Schlacke, gelbem Sand, blauem Meer und grünen Hügeln sieht schon toll aus; das Ganze erinnert mich irgendwie an Hawaii. Leider ist es hier aber nicht so kuschelig-warm wie dort, sondern eher fröstlig-frisch, sodass wir nach fünfzehn Minuten spielen und toben dann auch wieder gehen.


Am Parkplatz schieße ich nur noch schnell ein schickes Symbolfoto.


Zu guter Letzt halten wir noch am Robbenstrand Ytri Tunga und löhnen dafür etwa neun Euro, die sich jedoch mal überhaupt gar nicht gelohnt haben. Auf einer Sandbank im Meer liegen drei traurige Robben; über 100 Meter entfernt harrt ein großer Pulk Touristen, die mehr oder minder erfolgreich versuchen zu erkennen, was dort nun wohl Spannendes geschehen mag. Spoiler: Gar nix. Na gut, ab und an nickt die eine Robbe ein ganz kleines bisschen. Das haben wir nun wirklich schon mehrfach deutlich spektakulärer und aus nächster Nähe gesehen - und dazu noch umsonst. Entsprechend ziehen wir schnell wieder Leine.

Dann steht für heute eigentlich nichts mehr auf dem Plan, allerdings ist es auch schon 18:30 Uhr. Also fahren wir noch schnell zum letzten Mal in diesem Urlaub ein paar Kleinigkeiten einkaufen und dann in unsere neue Unterkunft. Diese erweist sich als supertoll. Hammerausblick, schöne Einrichtung und zwei so artige Hunde, dass sogar Sophia sich traut, allein mit ihnen zu spielen.




Und als wäre das nicht genug, erleben wir auch noch witterungstechnisch die schönste Abendstimmung des ganzen Urlaubs. Hatten wir zuvor überhaupt auch nur einen einzigen Sonnenuntergang auf Island gesehen? Einen solchen wie den hier jedenfalls nicht!

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