Wie im Urlaub leider üblich, verlässt Christoph am frühen Morgen das Bett und tigert durch unser Ferienhaus. Meine Versuche, ihn zu ignorieren und einfach weiter zu schlafen, gebe ich schließlich genervt auf, als ich ihn das Haus verlassen höre. Was hat er denn nur vor um 06:30 Uhr? Nun siegt bei mir doch die Neugier und ich verlasse mein Bett und finde ihn - im Hot Tub auf unserer Terrasse!
Draußen ist es ganz schön kalt und ich habe eigentlich gar keine Lust auf ein heißes Bad am frühen Morgen. Aber irgendwie gehört das ja auf Island quasi zum guten Ton, oder? Also überwinde ich mich dann doch und muss zugeben: Es ist eigentlich ein ganz angenehmer Start in den Tag, trotz des düsteren Wetters.
Weiter geht es zum Faxafoss mit gleichem Spiel: Vergleichsweise kurze Autofahrt, kleiner Spaziergang, sehr wenige Menschen.
Gut, so langsam haben wir uns eingegroovt und könnten wenigstens ein bisschen Bewegung vertragen. Daher nächstes Ziel: Der Strokkur Geysir. Leider wie erwartet viele Menschen. Ganze Busladungen werden hier ausgekippt. Aber sei es drum, wir schauen uns trotzdem die heißen Quellen und den Geysir an, der zuverlässig alle paar Minuten ausbricht. Nichts, was einen vom Hocker haut, wenn man schon im Yellowstone National Park war, aber eine ungewöhnlich anmutende Erscheinung in der ansonsten sehr grünen Umgebung. Die Miniwanderung auf einen Aussichtspunkt hinter dem Geysir macht aufgrund der zum Glück noch reich blühenden Lupinen und des vereinzelt aufklarenden Himmels jedenfalls Freude.
Weiter geht es zum recht bekannten Gullfoss, dem wir in Folge der Menschenmassen nur einen kurzen Blick von oben zuwerfen und uns die "Wanderung" auf überfüllten Wegen näher heran sparen.
Jetzt haben wir aber langsam genug von diesen Zielen, bei denen man nur kurz aus dem Auto springt und einen schnellen Blick darauf wirft. Die Wettervorhersage meint, es bestehe die geringe Chance, dass in den kommenden Stunden im Bergland vereinzelt die Sonne zu sehen sein könnte. Also Aussicht auf eine längere Fahrt auf Dirtroads (hier: F-Straßen), weniger Menschen und ein lohnendes Ziel mit Wanderung bei besserem Wetter? Da sind wir sofort dabei!
Also geht es über Schotterpisten nach Hveradalir, einem Geothermalgebiet im Kerlingarfjöll-Gebirge. Die Fahrt verläuft reibungslos, aber beim Verlassen des Autos bemerken wir sofort: Hier ist es windig. Und kalt. Wir kramen erstmal alle wind- und wetterfesten Klamotten zusammen, die wir dabei haben, und mummeln uns in mehrere Schichten ein. Gemütlich ist es immer noch nicht, aber zumindest erträglich. Zunächst geht es viele Stufen bergab in die braun-gelben Hügel. Wir sind anfangs so mit dem ungemütlichen Wetter beschäftigt, dass wir den Anblick gar nicht genießen können. Und es wird nicht besser: Wir gehen in Richtung Aussichtspunkt natürlich bergauf und der lehmige Untergrund ist enorm schlammig. Trotz der provisorischen Stufen sind unsere Schuhe bereits nach kurzer Zeit durch den hartnäckig daran haftenden Matsch mindestens doppelt so schwer wie üblich und wenn man auf den Stufen zu lange innehält, kommt man nicht mehr vom Fleck, weil der Lehm einen richtiggehend einsaugt. Dazu Kälte und Wind. Kurz gesagt: Es macht nur mäßig viel Spaß.
Sophia verkündet zwischenzeitlich, dass sie Island hasst und nach Hause möchte, aber die meiste Zeit müssen wir dann doch lachen über diesen Einstand in Sachen Wanderungen auf Island. Wenigstens hat man von oben eine schöne Aussicht und ganz vereinzelt kommt tatsächlich mal die Sonne raus.
Zurück am Auto stellen sich uns zwei Fragen: Warum zur Hölle habe ich mir in den vergangenen Tagen den Stress gemacht und sämtliche zu packende Kleidungsstücke nochmal gewaschen, wenn diese doch direkt nach der ersten Wanderung aussehen, als hätten wir uns im Schlamm gewälzt? Und gibt es hier überhaupt so etwas wie gutes Wetter? Zumindest auf die zweite Frage werden wir sicherlich in den kommenden 3,5 Wochen eine Antwort finden - und ich hoffe inständig, dass diese "Ja!" lautet...
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