Dienstag, 14. Juli 2026

Tag 4 - Running up that hill

Heute steht uns der erste Unterkunftswechsel bevor. Also erstmal all' unsere Habseligkeiten zusammensuchen und gleichermaßen platzsparend und gut sortiert verstauen. Wir überlegen kurz, ob wir abwarten sollen, bis der alles durchdringende Nieselregen nachlässt, um alles trocken ins Auto zu bekommen, verwerfen diese Idee aufgrund ihrer Aussichtslosigkeit aber schnell wieder und stürzen uns frohgemut in das typisch isländische Wetter aus Wind und Regen - wir sind eben schon voll angepasst an die hiesigen Verhältnisse.

Wobei, ehrlicherweise können wir uns längere Wanderungen bei dieser Witterung noch immer schlecht vorstellen, weswegen wir heute mal wieder ein paar Umwege in Kauf nehmen. Gegen Mittag steigen wir nach längerer Fahrt aus unserem Gefährt, um uns am Sigöldugljúfur Canyon ein wenig die Beine zu vertreten. Das türkisfarbene Wasser bildet einen tollen Kontrast zu dem dunklen Gestein. Die vielen Wasserfälle und die moosbewachsenen Hänge komplettieren das Bild einer sehr lebendigen Schlucht inmitten der Einöde. Nur die Sonne fehlt leider.


Nach einem entspannten Spaziergang am Canyonrand entlang machen wir einen Zwischenstopp an der gestern bereits besuchten Tankstelle, um uns im angeschlossenen Restaurant ein Mittagessen zu gönnen. Wenig überraschend trauen wir uns nicht an typisch isländische Speisen heran, sondern bleiben bei den altbewährten Pommes - wahlweise nur mit Ketchup oder mit Burger dazu.

Als nächster Halt auf dem Rückweg steht mit dem Háifoss mal wieder ein Wasserfall auf dem Programm. Leider zeichnet sich schon auf dem Weg dahin ab, dass die versprochene Wetterbesserung hier wohl nicht eintreten wird. Was umso ärgerlicher ist, da auf dem Hinweg am Vormittag hier ein ganz klein wenig Sonnenschein zu erahnen war - allerdings war für den Nachmittag noch weiter aufklarender Himmel vorausgesagt, was sich nun leider als Fehlinformation herausstellt. Vor Ort begrüßen uns der altbekannte Nieselregen und vor allem starker Wind. Da der Wasserfall selbst und vor allem der Wanderweg dahin einen guten Eindruck machen, belassen wir es bei einer kurzen Fotosession vom Aussichtspunkt aus und heben uns die vielversprechende Wanderung für einen anderen Tag auf.

Was nun? Wir müssen improvisieren und nach intensiver Befragung aller Wettervorhersagen und Regenradare und Abwägung aller noch offenen Ziele in der Region entscheiden wir uns für eine längere Fahrt auf einer Dirtroad zu einem bunten Vulkankrater. Nachdem wir inzwischen schon einige Zeit im Auto unterwegs waren und Sophias Musikmix (Taylor Swift, zwei vereinzelte Lieder von Shakira und noch viel mehr Taylor Swift) so langsam nicht mehr hören können, übernimmt Christoph die Aufgabe des DJs und so düsen wir zu den mystischen Klängen von Kate Bushs "Running up that hill" durch die wieder karger werdende Umgebung, die am ehesten an eine Mondlandschaft erinnert - sehr passend. Die Dirtroad überrascht uns kurz vor dem anvisierten Parkplatz mit einer sehr rauen Streckenführung, sodass wir uns entscheiden, das Auto sicherheitshalber einige hundert Meter früher abzustellen. Tatsächlich scheint hier im Bergland aber mal die Sonne und wir machen uns an die Besteigung des Rauðaskál-Kraters.


Jeder, der schon mal so einen sandigen Krater hinaufgeklettert ist, weiß, wie anstrengend das sein kann. Christoph hatte uns für heute eigentlich Erholung versprochen, aber diese rückt gerade in weite Ferne. Aber wer den Ausblick will, der muss eben nach oben. Meine Taktik dieses Mal: Konzentriert auf den Boden schauen und einen Fuß vor den anderen setzen, bis man einmal "Running up that hill" im Kopf durchgesungen hat, dann Pause machen und wieder von vorn. Nach relativ kurzer Zeit sind wir alle oben und könnten den tollen Ausblick genießen... Aber halt, da ist er ja wieder: der orkanartige Wind, der hier auf jedem Berggipfel pfeift und vor allem Sophia die Laune vermiest. Also suchen wir uns einige hundert Meter weiter ein windgeschütztes Plätzchen hinter Felsen - zwar kein besonderer Ausblick, aber dafür ein glücklich seinen Müsliriegel verzehrendes Kind. Anschließend dürfen Christoph und ich kurz zum Kraterrand gehen, um ein paar Fotos zu machen, bevor wir die Flucht vor dem Wind antreten.



Froh über diesen gelungenen Tagesausklang fahren wir zu unserer neuen Unterkunft für die kommenden sieben Nächte, die sich als voller Erfolg entpuppt. Für Sophia das Größte: Es gibt ein Schlafzimmer mit Doppelstockbett (unten Doppelbett, oben Einzelbett), sodass sie über uns schlafen kann. Ob wir das auch so praktisch finden, muss sich erst noch zeigen...

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen