Zunächst kurzer Zwischenstopp am Black Sand Beach, an dem sich mal wieder jede Menge Touristen tummeln. Wenn man sich ein bisschen von den charakteristischen Basaltsäulen entfernt, kann man jedoch einen halbwegs ungestörten Strandspaziergang machen.
Als nächstes stehen mal wieder Wasserfälle auf dem Plan. Die Einfahrt zum sehr touristischen Skógafoss lassen wir erstmal links liegen und fahren ein paar hundert Meter weiter zum Parkplatz vor dem Kvernufoss. Auf dem kurzen Spaziergang zum Wasserfall fällt uns wieder auf, was wir schon in den vergangenen Tagen häufiger beobachtet haben: Alle anderen Touristen gucken hier immer sehr griesgrämig und sprechen auch kaum miteinander. Daran, dass man sich hier gegenseitig nicht grüßt, wie wir es sonst von Wanderungen in Nordamerika kennen, haben wir uns ja inzwischen gewöhnt. Aber warum gucken die alle so unglücklich? Liegt es am Wetter? An der nordischen Mentalität? Sind sie enttäuscht von den jeweiligen Zielen? Wir werden das weiter beobachten, aber bestimmt 95 Prozent der uns entgegen kommenden Wanderer haben ganz offensichtlich keinen Spaß an ihrem Ausflug.
Wir allerdings schon, weswegen wir (wenn auch nur kurz) den Kvernufoss bestaunen.
Der Vollständigkeit halber statten wir auch dem Skógafoss noch einen Besuch ab, aber der ist nicht ganz nach unserem Geschmack - einfach zu viele Menschen.
Wir brauchen wohl doch wieder Ziele abseits der Hauptstraßen. Also geht es weiter in Richtung einer Dirtroad, an der weitere Wasserfälle auf uns warten. Kurz vor Ende des Asphalts begegnet uns allerdings mal ein ganz neues Hindernis: Pferde an und auf der Fahrbahn. Etwa 10 Reiter schicken sich an, schätzungsweise 40 freilaufende Islandpferde zur nächsten Weide (so zumindest unsere Vermutung) zu treiben. Leider läuft ein Teil links und ein Teil rechts der Fahrbahn. Mittendrin statt nur dabei natürlich Spirit, der dumme Mustang: Immer kurz bevor alle Pferde auf einer Seite sind, schert er aus und rennt wieder auf die andere Seite der Straße.
Kaum haben wir dieses Hindernis hinter uns gelassen, fällt Christoph ein, dass wir vielleicht im weiteren Verlauf einen Fluss durchqueren müssen. Zunächst nehme ich an, dass er von der Wanderung spricht, aber kurze Zeit später wird mir klar, dass er damit eine Flussdurchfahrt meint. Darauf war ich mental heute noch gar nicht eingestellt. An der ersten Stelle haben wir das Glück, dass uns direkt ein Fahrzeug entgegen kommt und wir so schauen können, wie tief es ist. Sieht machbar aus. Also nochmal kurz die Basics wiederholt (4x4, erster Gang, gleichmäßig Gas geben, nicht anhalten) und auf geht's! Klappt zum Glück problemlos. Die zweite Flussquerung ist mir dann für den ersten Tag allerdings zu heikel, sodass wir einen Wasserfall auslassen und uns stattdessen ein Stück die Straße zurück zum Nauthúsafoss begeben. Hier am Parkplatz bieten sich uns unglaubliche Bilder: Der Nebel hat sich verzogen und tatsächlich lässt sich die Sonne blicken! Damit haben wir heute gar nicht mehr gerechnet und genießen den kurzen Weg zum Eingang der Nauthúsagil-Schlucht, an deren Ende sich der Wasserfall versteckt. Der Weg dahin macht richtig Spaß: Von Stein zu Stein und von einem Ufer zum anderen hüpfen wir durch die Schlucht und versuchen, trockenen Fußes deren Ende zu erreichen. Zwischenzeitlich müssen wir sogar an Ketten die Felswände hinaufklettern.
Schlussendlich schaffen wir es alle bis zum Wasserfall, auch wenn nur zwei von uns noch komplett trockene Füße haben.
Ein gelungenes Abenteuer! Auch auf dem Rückweg zum Auto begleitet uns noch die Sonne.
Wie besonders das ist, wird uns erst so richtig klar, als wir kurze Zeit später wieder von der Dirtroad auf die Hauptstraße abbiegen und uns erneut dichter Nebel und Nieselregen begrüßen. Wasser hatten wir heute also in fast allen erdenklichen Formen - von Regen und Nebel über das Meer und Flüsse bis hin zu Wasserfällen. Ab morgen dann bitte auch mehr von der Sonne!
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