Schon der Name unseres heutigen Zielareals dürfte ob seines epischen Klangbilds selbst J. R. R. Tolkien vor Ehrfurcht verstummen lassen. Tja Alter, geh' mir nach Hause mit Mordor, Númenor und Moria; jetzt kommt...
Badadabammmmmmmm!
Okay, okay, eigentlich handelt es sich dabei nur um einen erloschenen Vulkan in der Nähe unserer Wanderung, aber wie cool klingt das denn? Entsprechend versehen wir während unseres Ausflugs heute auch beständig neue Kleingebiete mit monumentalen Begrifflichkeiten. So befindet sich etwa gleich am Anfang das legendäre Pullerloch von Krakatindur™!
Aber genug davon.
Nicht Krakatindur, sondern der/die/das Rauðufossakvísl ist unser heutiges Ziel, ein Bachlauf mit eigentümlich roter Farbgebung aufgrund seines hohen Eisengehalts. Vielversprechend starten wir die Wanderung im isländischen Hochland ganz allein und bei schönem Sonnenschein. Angekündigt war ein solches Wetter nicht, umso zufriedener sind wir aber.
Dank meiner gestern perfektionierten Stocktechnik überwinden wir die ersten Kilometer wie im Fluge und finden uns schon bald am Rauðufossar wieder - einem recht hohen Wasserfall auf rotem Grund. Schick.
Dann geht es weiter nach oben, denn wir wollen heute das sagenumwobene Geheimnis der blutroten Flüsse von Krakatindur™ lüften. Entsprechend folgen wir dem Bachlauf über Stock und Stein und Schnee und Eis. Auch ein breiter Zufluss muss gekreuzt werden, was dank eleganter Sprungtechnik trockenen Fußes gelingt. Mit der Zeit wird der Wind immer stärker, aber auch der Strom immer roter. Zum Ende hin reihen sich mehrere Wasserfälle aneinander und da ist dann auch der Ursprung allen rotwässrigen Seins, das Rote Auge von Krakatindur™!
Ja gut, das Ding heißt nur Rauðauga, aber es ist tatsächlich die Quelle des/der Rauðufossakvísl und sieht wirklich super aus! Zeit für ein Päuschen bei Brot und Müsliriegel. Aber nur kurz; hier stürmt es doch schon wieder recht unangenehm. Daher brechen wir bald wieder auf und ich klappere mit meinen Stöcken wieder Richtung Trailhead. Erstmals auf dem Rückweg treffen wir auch andere Wanderer, die jedoch nicht so ein Wetterglück wie wir haben. Der Himmel verdunkelt sich nämlich zusehends. Also legen wir einen Zahn zu, um unser Fahrzeug möglichst trocken zu erreichen. Zwischenzeitlich gilt es zu raten, was Sophia mit einem Weihnachtsfilm namens "Die Goppel Moppels" nur meinen könnte (Es war "Die Muppets Weihnachtsgeschichte").
Kaum in den Dacia eingestiegen beginnt es auch tatsächlich zu regnen. Und das natürlich umso heftiger je näher wir unserer Unterkunft kommen, die offenbar im langjährigen Epizentrum des isländischen Mistwetters liegt. Aber egal - heute haben wir es doch tatsächlich geschafft, die kurze Schönwetterphase optimal auszunutzen. Und in unserer warmen Unterkunft kann es uns herzlich egal sein, dass draußen einmal mehr kein menschenwürdiges Leben mehr möglich ist.
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