Samstag, 13. Juni 2015

Tag 13 - Der Hüter des Waldes

Die Lehren, die wir aus der letzten Zeltnacht zogen: Prüfe erstens, ob der Untergrund gerade ist, bevor du dein Zelt aufstellst, und wenn du zweitens im Nachhinein feststellst, dass der Untergrund schräg nach vorn abfällt, dann lege den Kopf nach oben, nicht die Füße! Nachdem wir Erstens nicht beachtet haben und ich Christoph nicht davon überzeugen konnte, dass man lieber mit dem Kopf oben schläft, hatten wir zunächst eine sehr unruhige Nacht. Nach einigen Stunden ständigen Hin- und Herwälzens musste auch Christoph einsehen, dass der Kopf nach oben gehört, sodass wir wenigstens in den letzten Stunden noch ein bisschen schlafen konnten. Zwar hatten wir uns den Wecker gestellt, um uns den Sonnenaufgang ansehen zu können, aber mit dieser ständigen Zeitumstellung wegen des Gependels zwischen Arizona und Utah haben wir uns da wohl ein bisschen vertan, sodass die Sonne eine Stunde zu früh aufging bzw. der Wecker eine Stunde zu spät klingelte. Der aufmerksame Urlauber (also ich) wird natürlich von der aufgehenden Sonne geweckt und kann so den unaufmerksamen Urlauber (also Christoph) noch schnell aufscheuchen, damit er ein paar Fotos macht.


Nach einer weiteren Stunde Schlaf, Zeltabbau und Bagelfrühstück konnte der Tag beginnen. Heute haben wir uns mal auf völliges Neuland begeben und sind in den Canyon de Chelly gefahren. Ein hübscher kleiner Abstecher, bei dem wir sogar die meiste Zeit angenehmes Wetter hatten und die schönen Ausblicke von den angepeilten Vistas aus genießen konnten.



Von da aus ging es weiter in Richtung Petrified Forest. Hier verließ uns leider das gute Wetter wieder, sodass wir am ersten Vista erstmal unsere fast schon übliche halbe Stunde Pause einlegen mussten, um ein Gewitter abzuwarten. Leider wollte sich die Sonne danach nicht mehr so recht blicken lassen, sodass die Fotos nicht ganz so farbig geraten sind - allerdings vermittelt der dunkle Himmel auch eine ganz besondere Atmosphäre.



Auf dem kurzen Weg durch den Crystal Forest, wo man an jeder Ecke die versteinerten Baumstämme bewundern kann, trafen wir dann mal wieder auf amerikanische Touristen, die sich derart dreist und respektlos verhielten, dass uns die Worte fehlten - und die Petze in uns geweckt wurde. Dass man vielleicht mal ein Hinweisschild ignoriert und ein Stück vom vorgeschriebenen Weg abweicht, um ein wirklich gutes Foto zu machen, unseretwegen. Die Kinder dieser Familie ignorierten jedoch grundsätzlich sämtliche Wege, rannten querfeldein, krabbelten Lehmhügel hinauf und rutschten wieder hinunter, wobei sie regelmäßig die bunte obere Schicht abkratzten, warfen mit Steinen um sich und klauten - natürlich - mehrfach Stücke des versteinerten Holzes. Und wenn mal keine kleinen Holzstücke aufzufinden waren, wurde mit einem Stein munter auf die bunten, versteinerten Baumstämme geschlagen in der Hoffnung, dass ein tolles Stück abplatzt. Papa fand daran nichts Schlimmes und steckte die Stücke munter ein, während Mama fleißig Fotos machte, wie ihre Kinder über den empfindlichen Untergrund stapften. Tatsächlich verhielten sich diese Leute so dreist und respektlos, dass wir ihnen wirklich ein Parkverbot oder wenigstens eine Strafe gegönnt hätten. Also schnell hier und da ein paar Beweisfotos gemacht (von den Kindern, vom Vater, vom Nummernschild des Autos...).


Kurz vor Ende des Trails kam uns eine Rangerin entgegen, bei der wir die Leute dann wirklich verpetzt haben. Was genau dabei rausgekommen ist, wissen wir leider nicht, aber unsere nochmalige Nachfrage einige Minuten später am Parkausgang ergab zumindest, dass aufgrund unseres Hinweises jemand von der Parkaufsicht vor Ort war und mit den Leuten gesprochen hat. Damit hatten wir zumindest erstmal das angenehme Gefühl, eine gute Tat vollbracht zu haben, und Christoph hat sich für diese detektivische Meisterleistung zum Schutz einer guten Sache eigentlich einen Orden als Hüter des Waldes verdient. ;-)



Tag 12 - Auf Abwegen

3. Gastbeitrag:

Heute sind wir trotz aller vorangegangener akribischer Planung meinerseits nicht im Cathedral Valley, sondern bei seinem berühmteren großen Bruder Monument Valley gelandet. Schuld daran waren die zahlreichen Regenfälle der letzten Woche, die die ursprünglich anvisierten Straßen unpassierbar gemacht haben.

Also alles umgeplant und 260 Meilen quer durch den Glen Canyon nach Süden gerauscht. Sehr schöne Fahrtstrecke, wenig Verkehr. Leider kaum Radiosender und unsere Wahnsinns-CD-Collection von WalMart bestehend aus "Best of Michael Jackson Songs bevor seine bekannten Lieder rauskamen", "30 Hits der 80er, von denen sie bestimmt noch nie gehört haben" und "That's what I call Disney 3" (sprich: der Ausschuss, der auf "That's what I call Disney 1 & 2" keinen Platz hatte) können wir auch nicht mehr hören, ohne uns vom Canyonrand stürzen zu wollen.

Der Zwischenstop im Natural Bridges National Monument war dann auch nicht allzu toll, da es zum einen total bewölkt war und zum anderen die Brücken nach den Highlights der vergangenen Tage auch im Übrigen visuell leider etwas abgestunken haben. Sorry, 1. National Monument Utahs. Fotos davon folgen nicht.

Kurz vor dem abenteuerlichen Moki Dugway, der hinab in die Gegend des Monument Valley führt, haben wir dann noch eine trockene Dirtroad gefunden, natürlich sofort befahren und sind am Muley Point gelandet, von dem man bereits die ersten Ausläufer unseres Tagesziels sehen kann. Toll hier!


Danach noch zum Goosenecks State Park - auch nicht schlecht.

Im Monument Valley angekommen, sind wir sodann direkt zum Kassenhäuschen gefahren, an dem die gierigen Indianer den armen Touristen nun 20$ statt vormals 10$ aus dem Kreuze leiern. Nationalpark-Park-Pass interessiert keinen - ist ja ein "Tribal Park". Der Eingangshäuschen-Indianer "Langer Atem" war dafür aber erstaunlich freundlich und hat wohl aufgrund unseres verdreckten Jeeps auch gar nicht erst versucht uns eine der geführten Touren aufzuschwatzen - war wohl offensichtlich, dass wir den Park-Loop eh selbst fahren werden. Nachdem "Langer Atem" dann 5 Minuten lang alle möglichen Fahrtstrecken durchs Tal ausschweifend erläutert hatte, wurde es Lisa scheinbar zu dumm, denn sie fuhr mitten in dessen Wortschwall einfach weiter, während "Langer Atem" noch irgendetwas hinterherrief. Lisa meinte nur zu mir, es sei alles gesagt. So macht man sich wohl keine Freunde.

Unser am Vortag reservierter und erst jüngst eröffneter Campground war nur eine Meile weiter links zu finden. Erst waren wir etwas enttäuscht, da es keine Feuerstelle gab und wir daher abermals darum betrogen wurden, unsere exklusiven "Smor-Stix" auszuprobieren, doch der Blick vom Zelt entschädigt für vieles (unser Zelt ist unten links im Bild).


Der Campground heißt halt nicht ohne Grund "The View".

Nachdem wir unsere Site bezogen hatten, sind wir noch zum Campground-Host "Klimpernde Münze" gegangen, haben unsere 20 Dollar Camping-Gebühr für 2 Quadratmeter Sand bezahlt und nach dem WiFi-Passwort gefragt. Als "Klimpernde Münze" zu erklären begann, dass der WiFi-Empfang immer besser werde, je näher man zum Host-Haus komme, war mir schon klar, dass das freie WiFi nur dann zu empfangen ist, wenn man auf dem Schoß von "Klimpernde Münze" sitzt. War auch so. Also nix WiFi im Zelt. Sanitäre Einrichtungen waren aber klasse.

Danach sind wir noch den Loop Drive abgefahren. War holprig, aber nicht gefährlich. Sogar ein Wohnmobil hats gepackt.



Schließlich von unserem Zelt aus den Sonnenuntergang betrachtet - ein Traum!


Donnerstag, 11. Juni 2015

Tag 11 - Schlammschlacht

Nach dem Regen der letzten Tage wollten wir nichtsdestotrotz heute unser Glück auf der Hole in the Rock Road versuchen. Der erste Teil der Dirtroad war wirklich einfach, doch nach wenigen Meilen mussten wir das erste Mal stoppen: Der viele Regen hatte an dieser Stelle einen Teil der Straße weggerissen. Vor uns standen schon einige Autos und die Leute versuchten, mit einer kleinen Schaufel und ihren Händen einen Übergang zu schaffen. Auf der anderen Seite stand ebenfalls ein Auto, das in unsere Richtung wollte - laut Auskunft der Leute vor Ort hatten die Insassen dieses Wagens die vergangenen vier Tage in der Wildnis verbracht, weil sie es nicht rechtzeitig vor den Gewittern zurück auf die asphaltierten Straßen geschafft hatten. Wir befürchteten schon, dass unser Ausflug an dieser Stelle ein schnelles Ende finden würde, doch nach nur etwa 10 Minuten kam ein Bagger, der das Loch mit Sand auffüllte, sodass wir alle weiterfahren konnten.


Wie wir erst später im Visitor Center erfuhren, wurde die Straße von dem Baggerfahrer eigentlich geschlossen, sodass niemand mehr hätte weiterfahren dürfen - das hat er vor Ort aber niemandem gesagt. Also machten wir uns - zunächst in einer Kolonne mit allen anderen, die dort gewartet hatten - weiter auf den Weg und kamen wohlbehalten am Devil's Garden an. Dort hatten wir wunderschönes Wetter und das kleine grüne Tal mit seinen bunten Steinformationen war wirklich schön anzusehen.




Nach etwa einer halben Stunde machten wir uns wieder auf den Weg, um der Hole in the Rock Road für weitere Highlights zu folgen. Die Straße war eigentlich großteils in einem guten Zustand, nur gab es in regelmäßigen Abständen große Matschgruben, die immer tiefer wurden und damit immer schwerer zu passieren waren. So dauerte es dann auch nicht lange, bis wir an der nächsten Stelle anhalten mussten. Wieder standen vor uns schon einige Autos und warteten. Also wieder aussteigen und schauen was los ist. Dieses Mal hatte sich ein PickUp in einem wirklich tiefen Matschloch festgefahren. Dass der Fahrer überhaupt noch ein- und aussteigen konnte, war schon fast ein Wunder, so tief steckte er im Schlamm. Die Umstehenden versuchten, ihn aus der Schlammpfütze zu ziehen, hatten aber keine Chance. Nach einigem Überlegen entschieden wir uns - zusammen mit einer Kolonne weiterer Wagen - unser Glück nicht weiter zu strapazieren und umzukehren. Wie sich herausstellte, war das mal wieder die richtige Entscheidung. Wir haben diese Stelle als erste verlassen und es gerade noch vor Beginn des nächsten Gewitterschauers wieder auf die asphaltierte Straße geschafft. Je mehr Autos durch die Schlammgruben fuhren, desto schwerer war es, das Auto beim Durchfahren auf Kurs zu halten und diese zu durchqueren, ohne stecken zu bleiben oder seitlich vom Weg zu rutschen. So waren wir wirklich froh, als wir wieder auf der "richtigen" Straße ankamen - wer weiß, ob alle anderen nach uns es noch ohne größere Probleme geschafft haben. Unserem Auto war nach diesem Ausflug allerdings nicht mehr anzusehen, welche Farbe es ursprünglich hatte.



Nach dieser Aufregung brauchten wir erstmal eine kurze Pause. Der spätere Besuch im Visitor Center bestätigte dann unsere Befürchtungen: sämtliche Dirtroads in der Umgebung sind nicht passierbar. (Die gute Frau vom Visitor Center war regelrecht schockiert, als wir ihr sagten, dass wir am Morgen noch auf der Hole in the Rock Road unterwegs waren.) Was nun? Eben wegen der Dirtroads sind wir schließlich hier und nur deswegen haben wir einen SUV mit Vierradantrieb gemietet. Da hilft nur eins: neue Routenplanung. Also verbrachten wir den Rest des Nachmittags damit, unseren Urlaub für die nächsten Wochen ein wenig umzugestalten. Neue Routen suchen, Motelreservierungen stornieren und neue Unterkünfte buchen. So haben wir hoffentlich eine Chance, doch noch das ein oder andere Highlight an den Dirtroads zu sehen, wenn sich nächste Woche die Regenfront verzogen hat und die Straßen repariert worden sind. Den Rest des Abends haben wir dann zum Wäsche waschen genutzt, sodass es morgen gut vorbereitet weiter gehen kann.





Mittwoch, 10. Juni 2015

Tag 10 - Partly sunny

Wir hatten gestern, trotz allem, noch einen gemütlichen Abend. Zwar hat es natürlich geregnet, als wir an unserem Campingplatz ankamen, sodass wir wieder einmal noch einige Zeit im Auto saßen und in unseren Büchern lasen, bevor wir zwischen zwei Regenschauern schnell das Zelt aufbauen konnten. Auch danach hat es weiter geregnet, sodass auch das geplante Lagerfeuer mit Marshmallows leider ausfallen musste. Der Tisch an unserem Zeltplatz war aber überdacht, sodass wir dort, dem Regen trotzend, in aller Ruhe unser Bagelabendessen verzehren konnten, bevor wir uns in unsere Schlafsäcke gekuschelt haben.

Heute morgen klingelte um 5 Uhr der Wecker, denn wir hatten noch einmal Tickets für die Coyote Buttes North und wollten dieses Mal das Umland der Wave erkunden. Eigentlich. Denn tatsächlich regnete es, als wir aufwachten (wie auch schon den Großteil der Nacht). Also haben wir den Wecker ausgemacht und uns für's Ausschlafen entschieden. Als wir um 7 aufgestanden sind, regnete es noch immer. Der Wetterbericht hatte uns versprochen, dass es gegen 7 Uhr nochmal kurz regnet und anschließend aufklart, "partly sunny" sollte es sein. Na gut, dann frühstücken wir eben erstmal und sehen dann weiter. Der Himmel blieb jedoch bedeckt, und zwar nicht nur partly, sondern komplett. Wir wollten dem Wetter aber noch eine Chance geben, verzogen uns daher mit unseren Büchern in unser Zelt, machten es uns dort nochmal gemütlich und warteten bis um 10. Von partly sunny war da aber immer noch nichts zu sehen. Der Wetterbericht ist hier genau so zuverlässig wie in Deutschland.

Also kleine Planänderung, Sachen packen und auf dem Weg Richtung Escalante durch den Bryce Canyon gefahren. Nach weiteren Regenschauern lichteten sich die Wolken hier nach dem Mittag tatsächlich ein wenig, sodass wir immer mal wieder einige Sunspots einfangen konnten.



Anschließend fuhren wir - natürlich begleitet von einigen Regenschauern - nach Escalante. Unterwegs war am Paria River eindrucksvoll zu sehen, was der viele Regen in der sonst so trockenen Jahreszeit anrichtet. Der Fluss war eine einzige Schlammlawine. Normalerweise ist der Fluss im Juni vermutlich nur ein kleines Rinnsal.


In Escalante haben wir unser Motel bezogen, in dem wir tatsächlich mal zwei Nächte in Folge bleiben. Abendessen gab es hier auch noch, währenddessen hat es natürlich geregnet. Danach konnten wir trockenen Fußes in unser Zimmer zurückkehren, jetzt regnet es aber wieder. Wenn man bedenkt, dass es in dieser Gegend normalerweise im Juni 0 (in Worten: NULL) Regentage gibt, ist das wirklich kaum zu glauben. Bislang hat uns der Regen aber nicht geschadet, die großen Highlights haben wir alle erreicht, unser Zelt war immer trocken und wenn es wirklich darauf ankam, schien bislang immer die Sonne. Hoffen wir, dass das so bleibt.


Dienstag, 9. Juni 2015

Tag 9 - Einmal Hölle und zurück

Nachdem wir bislang in unserem Urlaub immer Glück mit allem hatten, ist heute einer dieser Tage, an denen (fast) alles schiefgeht. Kurz nach 5 Uhr sind wir aufgestanden, denn wir wollten die Wanderung zu den Wahweap Hoodoos möglichst früh beginnen, um vor der größten Mittagshitze zurück zu sein und noch duschen zu können, bevor wir um 11 auschecken müssen. Also gab es nur das übliche kleine Bagelfrühstück und los ging es.

Nach der sehr kurzen Fahrt zum Trailhead begegneten uns bereits die ersten Hindernisse, das Auto mussten wir früher stehen lassen als gedacht, um riesige Matschgruben zu umgehen mussten wir über Stacheldrahtzäune klettern. Bislang dachten wir uns noch nichts dabei. Christoph hatte mir eine sehr entspannte Wanderung durch ein Flussbett versprochen. Was wir uns aufgrund der Regenfälle in den vergangenen Tagen schon hätten denken können: Der Wash war natürlich nicht trocken, sondern unheimlich schlammig. So wurde die Wanderung anstrengender als gedacht, immer wieder durch den Matsch, am Rande des Washs entlang durch viel zu hohes Gestrüpp, die Sonne war schon heißer als erwartet, immer wieder mussten wir nach dem Weg suchen, der vermutlich zu großen Teilen einfach weggespült worden war, denn der Wash war stellenweise dreimal so breit wie er hätte sein sollen... Aber was soll's, das schaffen wir schon, immerhin haben wir ein lohnendes Ziel vor uns.

An den Wahweap Hoodoos angekommen, gab es erstmal einen Apfel zur Stärkung und während wir da so standen, merkten wir, dass uns Unmengen von Fliegen umschwirrten. Sehr nervig, einige davon bissen oder flogen einem ins Ohr. Still stehen zu bleiben war fast unmöglich, also schnell weiter und Fotos und Videos quasi im Gehen gemacht. Der Weg zu der zweiten und dritten Hoodooformation war vermutlich auch weggespült, also mussten wir wieder durch den Wash. Nur leider wurden die Gräser und Büsche zwischen uns und den Hoodoos immer höher, sodass es fast unmöglich war, vom Wash zurück an den Rand der Bergkette zu kommen. Letztendlich mussten wir aufgeben, bevor wir den besten Hoodoo überhaupt gesehen hatten, denn uns lief die Zeit davon und unsere Beine waren auch so schon zerkratzt, ohne uns durch die letzten Büsche geschlagen zu haben. Auch die Sonne war übrigens dann die meiste Zeit hinter Wolken verschwunden, sodass wir kaum schöne Fotos von den sonnenbeschienenen Hoodoos machen konnten.



Also machten wir uns notgedrungen auf den Rückweg, der nicht einfacher war als der Hinweg. Müde und enttäuscht kämpften wir uns abwechselnd durch Büsche und Schlamm. Aufgrund der vielen kleinen Umwege war die Wanderung am Ende anstelle der geplanten 14 km dann doch 17 km lang, obwohl wir nicht mal bis zu den letzten Hoodoos gegangen sind. Auf dem Rückweg schien dann natürlich die Sonne auch wieder ohne Unterlass.

Endlich wieder auf dem Weg angekommen, dachten wir, dass der letzte Kilometer bis zum Auto ein Kinderspiel wäre - bis wir merkten, dass wir von einem riesigen Schwarm Mücken oder Schnaken oder ähnlichem stechenden, blutsaugenden Getier umflogen und vor allem verfolgt wurden. Unsere verzweifelten Versuche, sie durch kurze Sprints abzuhängen, scheiterten kläglich. Endlich am Auto angekommen, waren wir völlig am Ende, die Beine zerkratzt und zerstochen, Christoph mit einer Blase am Fuß und ich mit schlammbeschmierten Händen, weil ich natürlich auf dem letzten Meter aus dem Wash heraus noch in den Matsch gestürzt bin. Wir wollten nur noch schnell ins Motel, duschen und Koffer einpacken, was wir gerade noch bis um 11 geschafft haben.

Inzwischen war der Himmel wieder bedeckt, sodass unser eigentlich noch geplanter Besuch im Upper und Lower Antelope Canyon wohl ausfallen muss. Dann machen wir uns eben einen gemütlichen Nachmittag, dachten wir uns und sind Essen gefahren. Gerade hatten wir uns einigermaßen erholt und konnten schon fast wieder über unseren Horrortrip lachen, als mir das Unglaubliche auffiel: Mein Verlobungsring war nicht mehr an meinem Finger. Aaaaaaahhhh! Also ließ ich Christoph mit seiner Pizza sitzen und bin die 15 Meilen zurück zum Motel gerast - die hatten gerade erst angefangen zu putzen und der Ring lag glücklicherweise noch genau da, wo ich ihn vermutet hatte. Gerade nochmal gut gegangen. Jetzt musste ich nur noch den Weg zurückschaffen - mit einem fast völlig leeren Tank, den ich unterwegs nicht füllen konnte, da ich mein Portemonnaie natürlich bei Christoph gelassen hatte. Es hat aber gerade noch so gereicht, dass ich Christoph am Restaurant einsammeln und nebenan auf die Tankstelle rollen konnte.

Nun reicht es aber wirklich mit der Aufregung für heute! Wir fahren jetzt auf unseren Campground und machen uns einen gemütlichen Abend mit Marshmallows am Lagerfeuer...


Montag, 8. Juni 2015

Tag 8 - Vom anderen Ufer

Heute haben wir eine kurzfristige Planänderung vorgenommen und uns auf den Weg zum Grand Canyon National Park gemacht. Ursprünglich wollten wir heute zu den White Domes wandern, jedoch schien uns eine längere Wanderung aufgrund von Muskelkater und Sonnenbrand nicht unbedingt verlockend, zudem hatten wir ähnliche Formationen wie bei den White Domes in den vergangenen drei Tagen schon zur Genüge bestaunen können. Also fuhren wir zum stark frequentierten Grand Canyon, dieses Mal jedoch zum North Rim, da wir den Canyon von dieser Seite bislang noch nicht gesehen hatten. Das Wetter zeigte sich von seiner besten Seite und auch der nördliche Teil des Canyons ist durchaus sehenswert, teilweise sogar schöner als der beliebtere südliche Teil.




Allerdings wimmelt es auch am North Rim nur so von Touristen - meist stark übergewichtige Urlauber, die sich mit Wasser bewaffnet und schwer keuchend den endlos langen (= 1 Kilometer), schwer passierbaren (= asphaltiert und eben) Weg von ihrem Auto zum Vista schleppen. Naja, uns kamen die kurzen "Wanderungen" heute jedenfalls sehr entgegen und so hatten wir einen entspannten Ausflug, der Haut und Muskeln schonte.

Gegen Nachmittag fuhren wir dann zurück nach Big Water, um unser Motel zu beziehen. Da wir noch Zeit hatten, begaben wir uns anschließend noch auf den kurzen Weg zum Lake Powell, um noch ein Stündchen die Abendsonne am Strand zu genießen und das ein oder andere Körperteil in dem doch recht kalten See abzukühlen. Dann fuhren wir kurz vor Sonnenuntergang noch schnell die paar Meilen bis zum Horse Shoe Bend, um noch einige schöne Fotos zu machen



Alles in allem ein entspannter Tag, den wir aber bis zum letzten Sonnenstrahl ausgenutzt haben.



Tag 7 - Rothäute

2. Gastbeitrag:

Heute früh um 7 aufgestanden und nach dem üblichen 1-Bagel-pro-Person-Frühstück eine Meile weiter zum Wirepass-Trailhead gefahren. Dort dann Permit an den Rucksack gehängt und schnell los gelaufen, um nicht Dr. Rauschebart, der sich ebenfalls gerade fertig machte, die ganze Zeit neben uns zu haben. Nach einer halben Stunde Wanderung ist es immer noch um 7, da der Weg die Utah-Arizona-Staatsgrenze kreuzt und wir dadurch eine Stunde gewinnen.

Nach einer weiteren drei Viertel Stunde kommen wir dann auch schon an der berühmten Felsformation an, die in zahlreichen Gasträumen South Utahs zu bewundern ist. Aufgrund der zahlreichen Gewitter der vergangenen Tage sind auch schöne Pools vorhanden.




In den Pools schwimmt übrigens eine ganze Menge ekliges Urzeit-Gekröse rum.


Danach sind wir noch den Top Rock hochgeklettert um uns den Melody Arch (nicht im Bild) und das Window Richtung Teepees anzuschauen.


Dort haben wir dann ein kleines Picknick gemacht. Klein trifft es im Übrigen ganz gut, da wir pro Person nur einen Apfel und einen Müsliriegel dabei hatten. Keine Ahnung warum. Einfach irgendwie vergessen, was ordentliches einzupacken. Aus Ermangelung weiterer Vorräte sind wir dann auch kurz nach 12 zum Rückweg aufgebrochen um zwei Stunden später völlig verbrannt wieder am Trailhead anzukommen. Unterwegs treffen wir natürlich wieder die unvermeidlichen chinesischen Touristen, die auf der Suche nach der Wave planlos in der Wildnis rumstromern.

Zum Abschluss zur Belustigung noch mein mehr als kläglicher Versuch ein schönes Sprungfoto hinzukriegen. Sport war noch nie meine Stärke.