Freitag, 7. April 2017

Tag 10 - Don't worry, be Hopi!

Wir hatten heute einen ganzen Tag Zeit, um uns in Flagstaff und Umgebung umzuschauen. Diese Zeit haben wir vollends ausgenutzt und alles erledigt, was unter der Rubrik "Kann man machen, falls man Zeit hat" in unserem Reiseplan stand. Allerdings waren es alles eher Kleinigkeiten und keine großen Wanderungen, sodass unser Tagesablauf in etwa so aussah: Längere Autofahrt, anhalten, aussteigen, gucken, fotografieren, filmen, wieder einsteigen, weiter zur nächsten Sehenswürdigkeit. Alles in allem sogar anstrengender, als hätten wir eine lange Wanderung gemacht.

Los ging es heute Morgen von Flagstaff aus nach Winslow, wo wir eigentlich nur das berühmte Route-66-Zeichen auf einer Kreuzung fotografieren wollten. Gesagt, getan. Hinter dem berühmten "Standin' on the corner" steckt wohl eine Geschichte im Zusammenhang mit einem Song der Eagles. Aber ganz so weit ging unser Interesse dann doch nicht, uns reichte das Foto.


Weiter ging es auf unserem Weg nach Norden ins Indianergebiet. Zunächst schauten wir uns den Little Painted Desert County Park an. Dieser wird ausweislich einiger Hinweisschilder von Indianern betrieben und instandgehalten. Das sieht man aber auch: Das Eingangsschild wurde abgerissen, die Wege sind voller Schlaglöcher, der Weg in den Canyon ist nicht mehr begehbar und überall liegt ein bisschen Müll. Das Schild an dem Toilettenhäuschen, das verkündete, dass dieses wegen Reparaturarbeiten derzeit außer Betrieb ist, war ebenfalls verwittert und hing dort offensichtlich schon länger. Aber deswegen waren wir ja auch nicht gekommen, die bunten Lehmhügel sahen auf jeden Fall klasse aus.


Nächster Halt: Blue Canyon im Gebiet der Hopi-Indianer. Im Internet war nicht zweifelsfrei herauszufinden, ob die Indianer dort überhaupt Touristen auf ihrem Land dulden und wenn ja, ob man vielleicht nur mit geführten Touren oder zumindest mit Permit dahin darf. Die Geschichten reichten von freiem Zugang bis hin zur wilden Flucht vor wütenden Einheimischen. Also an einem Restaurant, das als kulturelles Zentrum angepriesen war, vorsichtshalber nochmal nachgefragt. Die Damen am Einlass wussten noch nicht einmal, wovon wir überhaupt reden, und der zu Hilfe gerufene Kellner schien auch etwas überrascht von unserer Frage und meinte, ein Permit sei nicht notwendig und die Dirtroad müsste auch kürzlich begradigt worden sein. Also nichts wie hin! Die Anfahrt war easy, die 15 Meilen lange Dirtroad bis auf eine Washdurchquerung am Ende in bestem Zustand. Und die lange Anfahrt hat sich gelohnt, auch wenn der Himmel leider langsam immer bedeckter wurde.



Auf dem Rückweg entdeckten wir einen Radiosender mit indianischer Musik. Nach einigen typischen "Ahjajajaja, Ohjojojoho"-Klängen erkannten wir plötzlich eine bekannte Melodie: "Don't worry, be happy!" Aber der singende Hopi-Indianer hat ganz clever umgedichtet: "Don't worry, be Hopi!" Das ist also offenbar die indianische Lebenseinstellung. Wir mussten schon ziemlich lachen!

Einige Meilen Dirtroad, Highway und wieder Dirtroad später stehen wir am Coalmine Canyon. Zwar ist die Sonne inzwischen fast vollständig hinter den Wolken verschwunden, aber der Canyon strahlt auch so noch in den tollsten Farben.



Inzwischen wieder in westlicher Richtung unterwegs, machen wir kurz vor Tuba City noch einen Abstecher zum Balanced Rock. Wir wissen noch nicht einmal, was uns dort genau erwartet, der Hinweis erscheint einfach auf unserer Karte. Wahrscheinlich wurde der Punkt zusammen mit einem anderen Trail in unserer App gespeichert, als wir die GPS-Daten heruntergeladen haben, um die ganzen unbekannten Naturschauplätze irgendwo im Hinterland überhaupt zu finden. Ich war natürlich skeptisch, kannten wir weder den Weg noch das Ziel. Ich sah nur, dass ich schon wieder eine recht sandige Dirtroad befahren sollte... Aber wir tasteten uns vorsichtig vorwärts und der Weg war auch nicht weit bis zum eingezeichneten Parkplatz. Dort waren aber nur umgestürzte Steine zu sehen. Na toll, den ganzen Weg umsonst gefahren, der Balanced Rock ist schon lange umgefallen! Aber da war ich wohl etwas voreilig, einen kleinen Hügel hinunter fanden wir ihn doch noch.


Von Tuba City aus ging es wieder nach Süden, um unser gefahrenes Viereck bis zurück nach Flagstaff zu komplettieren. Die auf dem Weg gelegenen National Monuments Wupatki und Sunset Crater nahmen wir natürlich noch mit. Insbesondere das Wupatki NM hat sich aber nicht wirklich gelohnt, es gab nur eine Handvoll Ruinen zu sehen (die uns ja sowieso nicht besonders interessieren), dafür fuhr man aber meilenweit mit stark reduzierter Geschwindigkeit durch den Park. Es gab ansonsten nichts zu sehen - keine Touristen, keine besondere Vegetation, keine Tiere und eben fast keine Ruinen. Naja, der Vollständigkeit halber haben wir drei oder vier Fotos gemacht und sind zum Sunset Crater NM weitergefahren. Ist eben ein großer grauer Hügel aus Lava. Kann man mal gesehen haben und die Blümchen davor waren ganz niedlich.


Endlich wieder in Flagstaff angekommen, waren wir überraschend müde, so anstrengend kam uns der Tag gar nicht vor. Noch schnell ein besonders leckeres Abendessen, ein kurzer Einkauf und dann endlich Entspannen im Motelzimmer. Morgen ist Ausschlafen angesagt! Mal sehen, ob das was wird...

Donnerstag, 6. April 2017

Tag 9 - Der verflixte neunte Tag

Vorab noch eine kleine Anekdote zu Christophs Gastbeiträgen. Wenn ich meine Beiträge verfasse und Christoph sie vor dem Veröffentlichen liest, entlockt ihm das allenfalls ein amüsiertes Schmunzeln. Wenn er dagegen wie gestern Abend selbst schreibt, sitzt er neben mir, tippt eifrig auf dem iPad und fängt plötzlich aus vollem Hals an zu lachen. Auf die Frage, ob er da gerade tatsächlich noch während des Schreibens über seinen eigenen Beitrag lacht, bekomme ich zur Antwort: "Klar, ist genau mein Humor!" So sitzt er also da, lacht über sich selbst, und ich sitze daneben und lache darüber, dass er sich selbst so lustig findet...

Aber nun zum heutigen Tag oder vielleicht erstmal zu unserer letzten Übernachtung im Hotel in Prescott. Ja, ausnahmsweise war es mal ein Hotel, obwohl wir ja sonst meist in Motels, Lodges, Inns oder wie auch immer sich die Unterkünfte gerade nennen übernachten. Der Vorteil eines Hotels? Wie wir feststellen mussten, gibt es - zumindest für uns - keinen. Im Motel hat man immer ausreichend Parkplätze direkt vor der Tür, meist wurden die Gebäude vor nicht allzu langer Zeit renoviert, die Tür öffnet man ganz leicht mit einer Karte, beim kostenlosen Frühstück gibt es ein Selbstbedienungsbuffet und ansonsten wird man in Ruhe gelassen und kümmert sich um alles selbst, wann und wie man will. Unsere Erfahrungen im Hotel letzte Nacht: Unbewachtes öffentliches Parkhaus in einer dunklen Seitengasse, ein sehr altes Gebäude, bei dem die Türschlösser klemmen und der Fahrstuhl natürlich gerade dann nicht funktioniert, wenn wir unseren Koffer in die dritte Etage schleppen müssen, Frühstück im zugehörigen Restaurant mit vorgegebenem Menü, bei dem wir für die Getränke extra bezahlen müssen, weil wir keinen Kaffee trinken und das Leitungswasser wieder mal ungenießbar ist, und selbst für ein paar Eiswürfel muss man die Dame an der Rezeption fragen, damit sie einem irgendwo im Hinterzimmer der Rezeption einen Beutel füllt. Fazit: Muss nicht sein!

Jedenfalls waren wir froh, als wir heute Morgen unseren Donald II. (der inzwischen auch - in Anlehnung an unseren Bumblebee - Trumplebee genannt wird) wohlbehalten im Parkhaus wiederfanden. Da es gestern so schön war, wir den Aufenthalt aber verdauungsbedingt nicht so ganz genießen konnten, machten wir nochmal einen Abstecher zum Watson Lake. Um 8 Uhr morgens waren wir fast allein und konnten das Glitzern der Morgensonne auf dem Wasser nochmal in aller Ruhe genießen.


Weiter ging es nach Sedona. Naja, ein sehr touristisches, völlig überfülltes Städtchen. Aber wir waren ja auch nicht unbedingt wegen der Stadt, sondern wegen den umliegenden Naturschauplätzen gekommen. Hauptsächlich hatten wir eine kleine Wanderung zur Devil's Bridge geplant, die aber leider ausfallen musste. Die Dirtroad, die uns die letzten Meilen bis zum Start der Wanderung bringen sollte, war nämlich in derart schlechtem Zustand, dass wir sie nicht befahren konnten bzw. wollten. Zwar gab es am Beginn der Dirtroad auch einen (überfüllten) Parkplatz, doch dadurch wäre die Wanderung zu lang geworden und hätte unseren restlichen Tagesplan völlig durcheinander gebracht. Zudem hätten wir dann einen Großteil des Weges auf der Dirtroad entlang wandern müssen, zusammen mit vielen anderen Touristen, die ebenfalls von diesem Parkplatz aus starteten, und zusätzlich regelmäßig überholt von den Jeeps der ansässigen Touranbieter, die einen für viel Geld bis fast ans Ziel fahren. Das schien uns nicht besonders verlockend. Also schnell weg dort und noch einen kurzen Abstecher zur Chapel of the Holy Cross, die recht imposant auf einem Felsen steht. Wir haben aber nur ein Foto geschossen und sind dann schnell wieder vor den Touristenmassen geflüchtet.


Auf zum nächsten Programmpunkt, der Crescent Moon Picnic Area oder auch der Crescent Moon Ranch. Diese war gar nicht so leicht zu finden, zwischenzeitlich standen wir schon wieder in einer Sackgasse auf einer Dirtroad und kamen nicht weiter. Irgendwie ist heute nicht unser Tag. Fast wie bei unserer Wanderung zu den Wahweep Hodoos vor zwei Jahren, als auch irgendwie alles schief ging. War das nicht auch am neunten Tag? Tatsächlich! Fester Vorsatz für die nächste längere Reise: An Tag 9 planen wir am besten gar nichts, da klappt sowieso nichts...

Aber wir haben unseren Zielort am Ende doch noch gefunden. 10 Dollar Eintritt, obwohl wir uns nicht sicher waren, ob wir nun wirklich am richtigen Ort sind. Aber Christoph wollte unbedingt dieses eine Foto machen, das er gesehen hat, auf dem sich die Berge im Wasser spiegeln. Also versuchen wir es. Auto geparkt und losgewandert, zuerst auf asphaltierten Wegen, später quer durch den Wald. Die Felsformation war da, der Fluss auch. Aber wo zur Hölle ist der Punkt, von dem aus dieses Foto geschossen wurde? Vielleicht müssen wir auf die andere Seite des Flusses? An einer Stelle bot es sich an, da waren auch schon Leute durch den Fluss gewatet. Christoph ging vor. Nein, das ist leider nicht die Stelle, aber schön ist es trotzdem, also hinterher. So haben wir da bestimmt eine halbe Stunde auf den warmen Steinen im Fluss verbracht und den Ausblick genossen.


Aber ein bisschen Enttäuschung blieb, dass wir den Fotospot nicht gefunden haben. Plötzlich ein aufgeregter Aufschrei hinter mir: "Das ist es, ich hab's gefunden!" Nur zwei Meter weiter klappte es plötzlich mit der Spiegelung. Wir hatten also die ganze Zeit knapp daneben gesessen und es irgendwie nicht gecheckt. Besser spät als nie. Alle Umstehenden haben es auch nicht gemerkt, selbst dann nicht, als wir dort so viel fotografiert haben.


Leider hatten wir das Stativ nicht dabei, aber so ein Pärchenfoto muss eigentlich schon sein. Also erstmal zurück zum Auto und ein kleines Picknick mit Cornflakes und Donuts, während um uns herum überall gegrillt wird. Dann samt Stativ nochmal zurück und in Geduld üben. Eine Gruppe älterer Damen rennt die ganze Zeit im Weg rum, weil es scheinbar nichts Interessanteres gibt, als Steine aus genau diesem Fluss an genau diesem Punkt zu sammeln, auf den wir unsere Kamera ausgerichtet haben. Als die Damen fast weg waren, kommt eine indische Familie mit fünf Kindern, die ebenfalls den Fluss überqueren wollen. Papa geht erst einmal testweise durch den Fluss, geht zurück, holt Kind Nummer 1, bringt es sicher zur anderen Seite, geht zurück zu Kind 2 und so weiter, bis letztendlich alle Kinder und auch die Mama es mit Papas Unterstützung geschafft haben und auf dem Weg aus unserem Fotoausschnitt noch mit Stöcken das Wasser aufwirbeln, in dem wir die Spiegelung einfangen wollen. Aaaaaargh! Irgendwann haben wir es aber noch geschafft...


Noch ein kurzer Spaziergang zum Abschluss, empfohlen von einer nach Rauch und Alkohol riechenden jugendlichen Amerikanerin mit mehreren Piercings und einer Platzwunde im Gesicht (wohl nicht so überraschend, dass die Wanderung nicht so berauschend war), und weiter nach Flagstaff. Stressfrei im Motel eingecheckt und sogar noch Wäsche gewaschen, weil es sich gerade anbot. Alles in allem doch noch ein schöner Tag.

Mittwoch, 5. April 2017

Tag 8 - Hit & Run

2. Gastbeitrag:

Morgens bereits halb 6 aufgewacht und aus dem Zelt gekrochen. Etwas frisch ist es, aber vor allem schön ruhig, da sonst niemand wach ist. So kann ich ganz für mich die Morgendämmerung genießen. 20 Minuten später schält sich Lisa aus dem Zelt und wir packen unser Zeug zusammen. Bei Sonnenaufgang mach' ich noch ein paar Fotos bevor wir frühstücken.



Dann zu den Waschräumen gepilgert und unterwegs eine verrückte ältere Dame getroffen, die Blätter zupft und zwischen ihren Fingern zerreibt. Als sie uns bemerkt, nuschelt sie peinlich berührt etwas davon, dass das doch nicht die Pflanze war, die sie sucht. Ich wollte lieber nicht wissen, was sich die Hobby-Kräuterkundlerin von einem Wüstenstrauch erhofft hat und quittierte daher mit einem schlichten "ok". Omi wollte aber nicht weiter pflücken und da sie in die gleiche Richtung aufbrach wie wir, gingen wir nunmehr zu dritt weiter. Natürlich schweigend. Peinlich.

Bei der Morgenwäsche war ich etwas schneller als Lisa und musste daher vor den Frauenwaschräumen warten. Plötzlich kommt die Rangerette vorbei und startet einen Smalltalk-Versuch mit dem locker-flockigen Satz "Du glaubst nicht, wie viel Klopapier wir hier in dem Park verbrauchen!" In meinem Kopf rattert es. Was kannst du hierauf adäquat antworten. Vielleicht "Doch, doch, hier wird bestimmt richtig viel geschissen!" oder doch lieber "Nein, wie viele Rollen sind es denn genau?". Während ich so grübele kommt aus der Frauentoilette eine Dame heraus, die scheinbar mitgehört hat und antwortet "Ich denke mal nicht wenig!" Beide Frauen lachen und unterhalten sich nun miteinander über dies und das. Ich stehe etwas blöd daneben, habe aber wenigstens auch nichts falsches gesagt. Schließlich kommt Lisa und wir brechen auf.

Als erstes steht heute der Apache Trail auf dem Programm. 40 Meilen Kakteen und Berge, die Hälfte davon asphaltiert. War eine sehr schöne Strecke, nur die Strommasten nerven, die schlauerweise stets dort stehen, wo es sich lohnt hinzuschauen.


Auf halber Strecke hätte uns übrigens fast einer dieser gruseligen Hinterwäldler-Pickup-Fahrer angefahren, der natürlich die Innenkurve auch dann nehmen muss, wenn er damit auf der Gegenfahrbahn ist und nicht sehen kann, dass wir ihm entgegenkommen. Wäre blöd gewesen, weil wir a) auf solchen Straßen nicht versichert sind, b) Hinterwäldler meist auch keine Versicherung haben und c) letztere überdem dazu neigen, Touristen, die ihnen im Backcountry begegnen, mit ihrem Pickup anzufahren, sie dann in ihre einsame Hütte zu verschleppen und sie dort grausam zu richten. Das hätte uns ganz schön den Tag verhagelt.

Dann zum Tonto Natural Bridge State Park, wo uns das klassische Bauarbeiterquartett einer Straßenstrichmalmaschine (keine Ahnung, wie die Dinger heißen) erwartete. Einer werkelt irgendwas und drei stehen gelangweilt daneben und quatschen. Fast wie in Deutschland. Der Park selbst ist recht schick und hat einen schön natürlich gehaltenen Trail, von dem aus man die Steinbrücke unterwandern kann. Der Ranger dort hat sich allerdings den Beinamen "Dr. Nuschel" redlich verdient. Auch gemeinsam konnten wir nicht herausfinden, ob der Fluss viel Wasser führt oder wir auf der Wanderung viel Wasser mitnehmen sollen. Sicher war nur: Irgendwas mit "viel Wasser".


Als letztes dann zum Watson Lake in Prescott, der in der Abendsonne strahlte. Sogar Schwäne waren da. Absolut traumhaft. Leider hatte ich mir aber ebenso wie Lisa beim Abendessen bei Denny's den Magen verdorben, sodass ich immer nur ein paar Schnappschüsse machen konnte, bevor ich wieder zum 15 Minuten entfernten Klo hechten durfte. Romantisch Sonnenuntergang angucken geht anders. Trotz dieser "Hit & Run"-Taktik sind zum Glück ein paar passable Bilder entstanden.




Tag 7 - Klops auf Stöcken

Nach dem üblichen Motelfrühstück (heute leider ohne Cornflakes, weil uns die Auswahl zu gesund war) und einem kurzen Zwischenstopp an der Tankstelle machten wir uns heute Morgen auf den Weg in die Superstition Wilderness im Tonto National Forest. Die Fahrt war zum größten Teil recht unspektakulär, aber gegen Ende ging es dann doch noch einige Meilen auf einer Dirtroad weiter, damit es nicht zu langweilig wird. Am Peralta-Trailhead angekommen, rüsteten wir uns für unsere erste richtige Wanderung in diesem Urlaub. Zwar waren es insgesamt nur etwa 8 km, aber immerhin galt es 350 Höhenmeter zu überwinden. Wir starteten also ca. gegen 10:30 Uhr bei herrlichem Sonnenschein und etwas über 20 Grad - und die Wanderung hat uns von den ersten Schritten an begeistert. Der Weg war herrlich angelegt: Der Untergrund wechselte zwischen Schotter, größeren Steinen, über die man klettern musste, und hin und wieder auch festgetretener Erde. So kletterten wir durch einen Canyon eine Schneise zwischen zwei Bergen hinauf, umgeben von vielen blühenden Pflanzen, grünen Büschen umd Bäumen und auch wieder vielen Saguaros.




Wir erklommen in aller Ruhe den Berg und genossen einfach nur die wundervolle Umgebung. Oben angekommen suchten wir uns ein windstilles Plätzchen für einen Snack und bestaunten die Weavers Needle und den Ausblick ins Tal.



Langsam machten wir uns auf den Rückweg. Hatten sich unsere Begegnungen mit anderen Wanderern bis dahin zum Glück in Grenzen gehalten, so schloss sich uns auf dem Rückweg ein besonders penetrantes Exemplar an. Die von Christoph ob ihrer tatsächlich sehr unüblichen Figur liebevoll als "Klops auf Stöcken" betitelte Dame machte sich just in dem Moment allein auf den Rückweg, als wir an ihr vorbei gingen. So folgte sie uns die ersten Meter auf Schritt und Tritt, lief weder schneller, sodass wir sie hätten vorbeilassen können, noch langsamer, um den Abstand zu vergrößern. Also entschieden wir uns kurze Zeit später, einen Zwischenstopp einzulegen, um sie vorbei zu lassen. Noch in Ruhe ein paar Fotos gemacht, damit sie genug Vorsprung hat.


Nun konnten wir also ungestört unseren Rückweg fortsetzen - zumindest für vielleicht zehn Minuten. Da tauchte sie plötzlich wieder auf, saß da auf einem Stein und band sich die Schuhe zu. Hm, blöd, dann gehen wir eben vor. Doch noch während wir an ihr vorbei liefen, sprang sie wieder auf, nur um sich direkt an unsere Fersen zu heften und hinter uns über das Geröll zu stakseln. Warum macht man denn so etwas? Wenn man nicht alleine wandern will, dann sucht man sich eben jemanden, der einen begleitet, aber nervt nicht fremde Leute. Interesse an einem Gespräch hatte sie offensichtlich auch nicht, immerhin trug sie die ganze Zeit Kopfhörer. Naja, irgendwann in den nächsten Minuten sind wir sie losgeworden, wahrscheinlich sind wir unbewusst etwas schneller gelaufen. Dann hatten wir wieder unsere Ruhe und konnten auch den Rückweg genießen. Erste Wanderung ohne Blessuren überstanden und die Superstition Mountains können wir definitiv empfehlen!

Nach einem kurzen Stopp zum Mittagessen und einem kleinen Einkauf in einem Donutladen (12 Donuts, weil es keine kleineren Packungen gab), wollten wir uns noch die Geisterstadt Goldfield anschauen. Wir waren schätzungsweise 10 Minuten dort, An- und Abfahrt eingerechnet. Naja, war eben nicht so interessant. Also ab auf den Campingplatz im Lost Dutchman State Park, den wir schon vorgebucht hatten. Wir haben einen tollen Platz mit Blick auf eine interessante Felsformation, Lagerfeuer samt Marshmallows gab es auch schon und nun bleibt uns nur noch, aus dem Zelt den Sternenhimmel zu beobachten... Perfekter Abschluss eines wundervollen Tages!

Montag, 3. April 2017

Tag 6 - Die Wüste lebt

Da wir unserem ursprünglichen Reiseplan nach den Umplanungen wegen dem Unwetter in den ersten Tagen noch immer einen Tag voraus sind, stand heute schon der Saguaro National Park auf dem Plan. Inzwischen sind wir weit genug im Süden angekommen, dass es endlich schön warm ist - heute haben wir zum ersten Mal die Marke von 80 Grad Fahrenheit (ca. 27 Grad Celsius) geknackt. Dazu hatten wir den ganzen Tag blauen Himmel und strahlenden Sonnenschein.

Nach einem kurzen Frühstück mit sehr begrenzter Auswahl im Motel machten wir uns also fröhlich auf den Weg in Richtung Tucson. Unterwegs entschieden wir uns spontan gegen einen Abstecher in die Westernstadt Tombstone, den wir uns je nach Lust und Laune offen gehalten hatten. Natur erschien uns einfach verlockender. Eine gute Entscheidung, wie sich herausstellte, denn der Saguaro NP vermochte durchaus, uns zu begeistern, sodass jede Minute dort gut investiert war.

Wir starteten im östlichen Teil des Parks, der unseren Recherchen zufolge der weniger besuchte, weil auch weniger spektakuläre sein sollte. Doch schon der Weg dahin stimmte uns zuversichtlich, konnten wir doch nach den eher kargen Landschaften Colorados und New Mexicos nun schon am Wegesrand jede Menge grüner Pflanzen, Büsche, Kakteen und Bäume entdecken. Und das Beste daran: Einige davon blühten tatsächlich bereits in bunten Farben! So waren auch die Fahrt durch den Park und eine kleine Wanderung überaus lohnenswert. Insbesondere die großen, teilweise wild verzweigten Saguaros, die über 150 Jahre alt werden können, aber auch die vielen anderen blühenden Kakteen waren herrlich anzusehen.




Gegen Mittag fuhren wir weiter zum Arizona-Sonora Desert Museum. Ja, richtig gelesen, wir waren tatsächlich freiwillig in einem Museum! Allerdings war es weniger ein Museum als vielmehr eine Mischung aus beschildertem Nationalpark und Zoo. Also jede Menge Erklärungen, wie welche Pflanze aussieht, wächst, blüht und altert und zwischendurch alle möglichen Tierwesen, die sich hier in der Wüste so rumtreiben, von Berglöwen über Kojoten und Dickhornschafe bis hin zu Schlangen, Kröten, Kolibris und Fledermäusen. Alles in allem wirklich interessant - dass wir als Museumsmuffel trotz der mittäglichen Hitze und zahlreichen Besuchern nahezu alle Gärten, Gehege und Häuser besichtigt haben, sagt wohl schon alles. Nicht ganz unschuldig daran waren sicherlich auch die lustigen Infotafeln, auf denen immer eine Frage stand und man dann z. B. aus drei Antwortmöglichkeiten wählen musste. Im Raten sind wir allerdings grottenschlecht, bei drei Antwortmöglichkeiten wählt jeder von uns eine und meist wäre dann die dritte richtig gewesen...

Zu guter letzt fuhren wir dann am Nachmittag noch in den Westteil des Saguaro NP. Hier gab es zwar nicht ganz so viele blühende Pflanzen, dafür aber umso mehr und vor allem umso größere Saguaros.


Der Park war wirklich super und verdient definitiv einen Platz ganz weit oben auf unserer Liste der schönsten Nationalparks! Zum Abschluss haben wir auf dem Weg ins Motel für unser Abendessen mal wieder etwas Neues ausprobiert und in der Cheesecake Factory gegessen. Ein riesiger Laden und so ganz anders, als man ihn sich als fleißiger "The Big Bang Theory"-Gucker vorgestellt hat. Aber verdammt lecker!

Zur Belustigung aller, die bis zum Ende dieses Beitrags gelesen haben, noch ein witziges Foto von uns: Wir imitieren einen Saguaro...


Sonntag, 2. April 2017

Tag 5 - Chihuahua

Nachdem wir am Morgen tatsächlich vom Heulen der Kojoten geweckt wurden, gab es erstmal ein entspanntes Frühstück auf dem Campingplatz, auch wenn es ziemlich frisch war. Aber mit dickem Pullover und Jacke konnten wir die Ruhe und Einsamkeit nochmal genießen.


Dann hieß es wieder mal ab auf die Straße und auf zum nächsten Nationalpark. Wenigstens begleitete uns heute schon seit dem frühen Morgen strahlender Sonnenschein. Gepaart mit unserer grandiosen musikalischen Untermalung (Disneysongs, die größten Hits der Beatles und der Beach Boys sowie die eingängigen Melodien der lokalen Countryradiosender) hatten wir eine schöne Fahrt - zumindest bis zu dem Punkt, an dem wir feststellten, dass die vom Navi gewählte Route uns für die letzten 30 Meilen über eine uns unbekannte Dirtroad führte. Hm, da standen wir nun, vor einer Abzweigung, an der aus der bisher gut befahrbaren Schotterpiste eine dieser unebenen Sand- und Steinpisten einschließlich stacheliger Gestrüppumrandung und der obligatorischen Washdurchquerungen wurde. Und nun? Es gab auch eine Alternativroute auf asphaltierten Straßen, die allerdings einen Umweg von etwa 40 Meilen bedeutete. Nach kurzem Hin und Her entschieden wir uns tatsächlich für die sicherere, wenn auch ungleich längere Variante. Zeit hatten wir ja und Dirtroads befahren wir in den nächsten Wochen sicherlich auch noch zur Genüge.

Am späten Vormittag kamen wir im Chiricahua National Monument an. Das Chiricahua NM - oder eben auch Chihuahua, wie diejenigen von uns den Naturpark nennen, die sich den Namen einfach nicht merken können - sieht ein bisschen aus wie eine Mischung aus Bryce Canyon und Elbsandsteingebirge. Es gibt also diese hohen Säulen, die von der Farbe her aber eher gräulich aussehen und meist mit Moos bewachsen sind. Nach einem ersten schönen Rundblick über das Gebiet nahmen wir den bekanntesten Wanderweg, der uns hinunter in den Canyon führte. Eine herrliche Wanderung, zumindest nachdem wir auf der ersten Meile das übliche ältere Pärchen mit Wanderstöcken und die junge Familie mit genervten Eltern und schreienden Kindern hinter uns gelassen hatten. Die Wanderung führte auf recht steinigem Terrain (schön anzusehen, aber schwierig zu laufen) relativ steil bergab und offenbarte schöne Ausblicke auf die umliegenden Berge und einzelne Steinformationen.



Da wir es langsam angehen lassen wollten und uns ein wenig vor dem noch bevorstehenden Aufstieg graute, entschieden wir uns dagegen, die Wanderung noch weiter in die Tiefen des Canyons fortzusetzen und beließen es bei der kürzeren Runde. Der Aufstieg war allerdings gut machbar und wir waren viel schneller wieder oben als erwartet. So blieb noch Zeit, einen schönen Aussichtspunkt zu suchen und das Stativ für ein gemeinsames Foto aufzustellen.


Anschließend fuhren wir zurück nach Willcox und bezogen unser Motel, wobei wir unser Zimmer nochmal umtauschten, weil beim ersten Zimmer die Eiswürfelmaschine im Nebenraum stand und bei den dünnen Wänden hier - man könnte meinen, sie seien aus Pappe - der Lärm der Maschine nahezu ungedämpft in unser Zimmer kam. Also ein neues Zimmer, Obergeschoss statt Erdgeschoss, Fenster in Richtung der Wohnhäuser hinter dem Haus statt zur Straße und den Bahnschienen davor. Geht doch! Noch schnell essen fahren und einkaufen. Ein Glück, dass man hier problemlos Sonntag Abend noch einkaufen kann, im Urlaub verlieren wir gern mal den Überblick über den aktuellen Wochentag.

Tag 4 - Schnee, Nebel, Sand und Wind

Samstagmorgen, kurz nach 4 Uhr. Es ist dunkel, es ist kalt und es schneit. Vor einem Motel in einer amerikanischen Kleinstadt irgendwo in Colorado packen zwei deutsche Touristen ihr Auto ein, befreien die Scheiben von Schnee und Eis und fahren in die Dunkelheit davon. 4 Uhr morgens? An einem Samstag im Urlaub? Bei dem Wetter? Warum?
Na weil wir eben manchmal ein bisschen verrückt sind... Wir wollten zum White Sands National Monument, aber der weiße Sand kommt natürlich nur bei Sonnenschein richtig zur Geltung. Der Vergleich mehrerer Wetterseiten am Vorabend ergab für Samstag in etwa folgendes Bild: starke Bewölkung am Morgen, Chance auf Sonne etwa zwischen 10 und 12 Uhr, anschließend bedeckter Himmel. Bei mindestens 6 Stunden Fahrzeit blieben uns also nicht allzu viele Alternativen, wenn wir die Dünen im Sonnenschein sehen wollten. Daher packten wir in aller Frühe unsere Sachen und machten uns auf den Weg. Die Fahrt wurde dann doch sehr anstrengend. Die Ausläufer des Schneesturms der letzten Nacht begleiteten uns noch eine ganze Weile, sodass wir uns meilenweit über verschneite und teilweise auch sehr glatte Straßen kämpfen mussten.


Irgendwann ließ aber dann doch zum Glück der Schneefall nach und auch die Straßen waren einige Meilen später endlich wieder frei von Schnee und Eis. Dann wird der Rest der Fahrt ja ein bisschen entspannter, dachten wir uns und beobachteten zufrieden die allmähliche Dämmerung und den Sonnenaufgang. Tja, leider hatten wir falsch gedacht und fanden uns einige Zeit später in einem dichten Nebel mit Sichtweiten von 50 bis 100 Metern wieder, durch den wir fast zwei Stunden weiter fuhren. Als der Nebel endlich nachließ und uns zwischen den Wolken sogar hier und da vorsichtig die Sonne anlachte, waren wir wirklich erleichtert, ich als Fahrerin aber zugegeben auch ziemlich fertig.

Gegen Mittag kamen wir schließlich wohlbehalten im White Sands NM an. Nur die Sonne wollte sich nicht so richtig zeigen, hing immer hinter einem Schleier aus Wolken und Dunst, sodass unsere ersten Fotos nicht ganz überzeugen konnten. Der Park sah aber auch so schon atemberaubend aus, sodass wir gern spontan dort zelten wollten. Also zurück ins Visitor Center, wo die Rangerin einem Pärchen vor uns gerade erklärte, dass leider alle Zeltplätze bereits belegt seien. So ein Mist! Also entschlossen wir uns, die Aussicht noch ein bisschen zu genießen, bevor wir weiter fahren, und siehe da: Sonne! Da strahlte sie endlich vom Himmel und ließ die weißen Dünen erleuchten. Wir konnten uns gar nicht satt sehen und machten Fotos und Videos ohne Ende.




Zwischendurch blieb natürlich auch noch Zeit, barfuß über die Dünen zu spazieren und in dem weichen Sand zu entspannen. Das Wetter war herrlich, die Sonne strahlte (entgegen der Vorhersagen) bis zum Nachmittag weiter. Ein herrlicher Ausflug!

Irgendwann mussten wir aber weiter, hatten wir doch noch eine zweistündige Fahrt bis zum City of Rocks State Park vor uns, wo wir unser Zelt aufschlagen wollten. Eine Handvoll Plätze war noch frei und wir entschieden uns für Zeltplatz Nummer 1 - eine doofe Entscheidung, wie sich wenig später herausstellte. Die Nachwirkungen des Sturms der letzten Nacht waren immer noch spürbar, es war nach wie vor sehr windig. Dummerweise war unser Zeltplatz nur von zwei Seiten windgeschützt und der Boden zu fest, um das Zelt mit Heringen sicher zu befestigen. Natürlich wurde uns das alles erst so richtig klar, nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten. So konnte das Zelt aber auch nicht stehen bleiben... Also noch eine Runde um den Zeltplatz gedreht und einen besseren Standort gesucht. Und weil wir keine Lust hatten, das Zelt nochmal ab- und wieder aufzubauen, haben wir es einfach im aufgebauten Zustand quer über den Campingplatz getragen, was wegen des starken Windes ein recht heikles Unterfangen war und bestimmt absolut dämlich aussah. Das war uns dann aber auch egal, immerhin schafften wir es so gerade noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit, unsere Schlafplätze einzurichten. Und nach der ersten Nacht im Zelt bei ca. 3 Grad haben wir nun auch Gewissheit, dass unsere erworbenen Schlafsäcke warm genug sind. Nur das Aufstehen am nächsten Morgen fällt bei diesen Temperaturen ein bisschen schwer...