Freitag, 9. September 2022

Tag 7 - Pupsnudel und der königliche Pullerbaum

2. Gastbeitrag:

Wenige Minuten nach um 6 schlage ich die Augen auf. Obwohl ich fest damit gerechnet hatte, kann ich das liebliche Rattern des nachbarlichen Generators nicht vernehmen. Kurz macht sich bei mir die Hoffnung breit, einen ruhigen Morgen in der Natur verbringen zu können. Doch nur 15 Minuten später, am gedeckten Frühstückstisch sitzend, geht es auch schon wieder los: Rattatatatatat. Auf den Knatter-König mit seiner stolz gehissten USA-Flagge (O-Ton Sophia: "Rabe-Socke-Flagge") ist einfach Verlass. Als ich dann den Müll wegbringe, schreit mir seine anmutige Begleiterin, ihre Nase am Fliegengitter ihres Wohnmobils plattdrückend, noch den wertvollen Hinweis hinterher, dass das Wasser doch gleich gegenüber sei, was ich nur leicht irritiert unter Hochhalten meines Abfallbeutels nickend quittieren kann. Offenbar wirkt es auf die einheimische Bevölkerung befremdlich, das Trinkwasser nicht in Mülltüten zu transportieren.

Sodann geht es auf zum Trailhead. Die Chance, die Wanderung heute mit Sophia zu schaffen, hatte ich zuvor auf etwa 40 Prozent prognostiziert. Über 500 Höhenmeter auf 13 Kilometer Länge galt es zu überwinden. Bestmarke bisher waren 8 km im Harz mit einer Steigung von vielleicht 100 Höhenmetern. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt... Der Beginn gestaltet sich leider etwas holprig. Während ich mit den bereits am Vortag gepackten Rucksäcken darauf warte, dass wir endlich losgehen können, vertrödeln meine Damen im Wohnmobil eine schier endlose Zeitspanne mit offenbar äußerst wichtigem Weiberkram wie die ausgiebige Pflege des Haupthaars oder die Veranstaltung einer mehrstündigen Podiumsdiskussion zum Thema "Kopfbedeckungen und wie man die Richtige auswählt". Nachdem all' diese zentralen Fragen doch noch geklärt werden konnten und ich meine mittlerweile eingeschlafenen Beine die ersten Meter auf den Wanderweg schleppen darf, fällt Lisa auf einmal ein, dass sie angesichts vorbenannter Problemflut ganz vergessen hat, ihre Wanderschuhe anzuziehen. Es ist zum Auswachsen. Also flitzt sie zurück zum Wohnmobil. Langsam mit Sophia weitergehend erwarte ich schon, dass Lisa bei ihrer Rückkehr wohl ohne Hose auftauchen wird, aber nein: Offenbar ist nun alles an Ort und Stelle. Sophia ermahnt Lisa nur noch einmal, sie möge sich doch angewöhnen, in Zukunft aufmerksamer zu sein und kontert Lisas Erwiderung, wonach sie ja auch nach Sophias Sachen schauen müsse, mit dem starken Argument, dass das bei Kindern eben so sei; dann geht es endlich los.

Die ersten Kilometer laufen sich wunderbar. Der Weg ist abwechslungsreich; überall gibt es Stellen zum balancieren und hopsen. Außerdem stellt sich heraus, dass ich meine ekelhaften Zimt-Müsliriegel doch nicht wegwerfen muss, weil sie Sophia vorzüglich munden. Kurz vor dem ersten See lässt Sophias Elan dann nach, was ich aber durch eine halbstündige Geschichte über die "Mäuseliese" ausgleichen kann. Damit wäre die erste Hälfte des Wegs geschafft - die Dollar Lakes und der Lamoille Lake liegen hinter uns.

Sollen wir es wirklich noch hoch zum Liberty Pass wagen? Wir entscheiden uns dafür und kämpfen uns unter Anwendung all' unserer spielerzieherischer Kompetenz vorwärts. Mal darf ich als wunderschöner Schmetterling mit Sophia um die Wette fliegen, dann als "König Weißbarth" mit meiner kindlichen Gattin "Elisabeth" unsere aufsässige Tochter mit dem wohlklingenden Namen "Pupsnudel" maßregeln. Nach langer Kraxelei in schier endlosen Serpentinen und einer letzten Rast am "königlichen Pullerbaum" ist es dann endlich geschafft: Sophia erreicht den Liberty Pass - Wahnsinn!

Und nur wenige hundert Meter dahinter erwartet uns auch schon das Ziel dieser ganzen Anstrengung: der malerisch schön gelegene, wenn auch äußerst windige Liberty Lake. Sieht der klasse aus!


Nach ausgiebigem Genuss des Panoramas und zahllosen Fotos machen wir uns wieder auf den Weg. Irgendwie muss das Kind ja auch wieder hier runter! Abermals gelingt es uns durch ausgiebiges Rollenspiel, sporadisch unterbrochen vom Reimspiel, keine Langeweile aufkommen zu lassen und schon bald sind wir wieder beim Lamoille Lake. Hier möchte Sophia unbedingt ihre Füße in den eiskalten See tauchen, wogegen wir nichts einzuwenden haben. In der Zwischenzeit kämpfe ich mit einem Streifenhörnchen um unsere letzten Vorräte.



Den letzten Teil des Weges ist Sophia dann so sehr in ihrer Fantasiewelt gefangen, dass es genügt, wenn wir ab und zu eine unverfängliche Nachfrage stellen oder ein erstauntes "Ach wirklich?" von uns geben, während sie irgendeine völlig hanebüchene Geschichte von Blumen, Schmetterlingen, Prinzessinnen und (aktuelles Topthema!) dem Tod naher Anverwandter und der damit verbundenen Grabpflege erzählt.



Wieder am Wohnmobil angekommen, versuchen wir Sophia für ihre unfassbare Leistung zu loben, aber irgendwie interessiert sie sich nicht wirklich dafür. Ihre Geschichte ist ihr viel wichtiger. Ein großes Eis isst sie zur Belohnung natürlich trotzdem gern und reflektiert beim Verzehr dann auch, dass sie "immer schön mitgelaufen" ist.

Da es erst 16:00 Uhr ist, entscheiden wir uns dafür, noch 100 Meilen zum nächsten Campground zu fahren, wo wir gegen 18:00 Uhr ankommen. Schön hier, aber abermals auch ziemlich windig.

Tag 6 - Junior Rangerin on Tour

Wieder einmal frage ich mich heute Morgen, warum Christoph schon im Morgengrauen hier rumtigert. Ich möchte wirklich gern mal wissen, warum es zu Hause fast unmöglich ist, ihn morgens um 7 zu wecken, während er hier um 5 aus dem Bett hüpft und eine Runde über den Campingplatz spaziert... Jedenfalls lassen wir es heute ruhig angehen, denn außer einer langen Autofahrt steht nicht viel auf dem Programm. Sophia hinterfragt beim Frühstück, warum wir diesen schönen Campingplatz denn verlassen müssen, sie möchte gern hierbleiben. Da wir ähnliche Fragen ("Warum können wir nicht im Wohnmobil bleiben und den ganzen Tag malen und vorlesen?") schon ein paar Mal diskutiert haben, kennt sie die Antwort schon und gibt sie auch gleich selbst zum Besten: "Aber wenn wir im Urlaub immer nur das Gleiche machen wie sonst, dann könnten wir ja auch zu Hause bleiben, stimmt's, Mama? Wir wollen ja ganz viel Neues erleben und entdecken!" Dem ist nichts hinzuzufügen. 

Bevor es aber losgehen kann, fahren wir zum ersten Mal (in diesem Urlaub) an die Dumpstation, um unseren Schwarzwasser- und Grauwassertank zu leeren. Sophia schaut sich alles genau an und ist von dem ganzen Vorgang fasziniert. Bei allen folgenden Toilettengängen an diesem Tag erzählt sie uns fröhlich, was nun mit ihren Ausscheidungen passiert. Tja, gehört eben auch dazu.

Direkt im Anschluss halten wir nochmal am Visitor Center, damit Sophia endlich Junior Rangerin werden kann. Wir überreichen der netten Dame am Tresen unser ausgefülltes Heft, in dem Sophia einige Aufgaben lösen musste. Inhalte waren eher allgemeine Sachen, z. B. was man in einem Nationalpark tun darf und was verboten ist, aber auch Informationen und Aufgaben zu spezifischen Dingen aus dem hiesigen Nationalpark, insbesondere zu den heimischen Pflanzen und Tieren. Das Heft wird jedenfalls in Augenschein genommen und Sophia für ihre Malkünste gelobt, es gibt noch ein paar ergänzende Fragen zu den Sonderaufgaben (in unserem Fall Höhlentour und Gespräch mit einer Rangerin) und dann darf Sophia endlich den Schwur der Junior Ranger aufsagen. Eigentlich soll sie ihn nachsprechen, aber sie traut sich nur, es uns ins Ohr zu flüstern. Die Parkmitarbeiterin ist trotzdem zufrieden - vor allem, als Sophia den zweiten Teil des Schwurs richtig ergänzt, bevor sie ihn überhaupt vorgesagt hat. So bekommt sie ganz feierlich einen schönen Holzanstecker und ist nun offiziell Junior Park Ranger des Great Basin Nationalparks!

Im Anschluss begeben wir uns auf die lange Fahrt in Richtung Ruby Mountains. Landschaftlich wird hier unterwegs nicht allzu viel geboten. Das Spannendste ist noch eine Baustelle, an der ein armer Mitarbeiter in der prallen Mittagssonne steht und sich an ein Stopschild klammert.

Die Straße geht schnurgerade weiter und man sieht etwa 3 Meilen weit nichts. Keine Baustelle, keine Bauarbeiter, keine Fahrzeuge, nichts. Wir warten jedenfalls eine Ewigkeit, bis aus der Gegenrichtung das Pilot Car kommt. Typisch für amerikanische Baustellen: Hier gibt es keine Ampeln, sondern ein Führerfahrzeug, das immer von einer Seite der Baustelle zur anderen fährt, dort die wartenden Fahrzeuge abholt und sie sicher zum anderen Ende der Baustelle bringt. Ob sich das gegenüber der deutschen Variante mit Absperrungen und Ampeln wirklich lohnt, ist fraglich, aber auf jeden Fall tut uns der Kerl leid, der dort nur mit einer Wasserflasche bewaffnet seinen Dienst in der Hitze leistet.

Mittags legen wir einen kurzen Stopp in Ely ein. Zur Vorstellung: Wir bewältigen in zwei Tagen eine Strecke, die etwa so lang ist wie eine Durchquerung Deutschlands von Nord nach Süd, und die größte (und beinahe einzige) Stadt, die wir auf der gesamten Strecke passieren, ist in etwa so groß wie Dahlen. Für uns aber vollkommen ausreichend, wir stocken unsere Vorräte auf und schaffen es sogar ausnahmsweise, dass Sophia ihr Mittagessen gern aufisst und nicht nur widerwillig kostet (Hähnchensterne mit Pommes). Leider ist das Hähnchen auf meinem Burger dafür nicht ganz durchgebraten, aber man kann eben nicht alles haben...

Weiter geht es in Richtung Ruby Mountains und Christoph stellt die scheinbar unverfängliche Frage, ob wir die Interstate für eine Abkürzung verlassen wollen. Ich gebe zu Bedenken, dass wir dieses Jahr mit einem Wohnmobil unterwegs sind, sodass ich zweispurige, geteerte Straßen bevorzuge. Er meint, das müsste schon passen. Natürlich kommt es, wie es kommen musste, und wir stehen kurz vor dem Ziel vor einer 20 Meilen langen Schotterstraße, die wir nicht befahren dürfen und auch nicht befahren wollen. Kurzes Augenrollen und "Ich hab's dir doch gleich gesagt!", dann folgen wir doch weiter der größeren Straße und die Ersparnis an Meilen und Zeit durch die vermeintliche Abkürzung löst sich in Luft auf. (Christoph besteht an dieser Stelle darauf, dass es insgesamt trotzdem noch eine Abkürzung war. Okay, vielleicht haben wir drei Meilen gespart...)

Irgendwann kommen wir aber doch am favorisierten Campingplatz an, den man leider nicht vorab reservieren kann. Es sind zum Glück noch drei Plätze frei und nach kurzem Lagecheck entscheiden wir uns für die Nummer 5, weil sie schön gelegen und lang genug für unser Wohnmobil ist.

Leider lässt unser Nachbar seit unserer Ankunft seinen Generator laufen und das Tuckern nervt ein wenig, aber den wird er schon jeden Moment ausschalten. Immerhin sind draußen angenehme 20 Grad, Tendenz sinkend. Also Klimaanlage oder Heizung sollten aktuell kein Thema sein und wozu braucht man das Ding sonst? Leider hören wir den Lärm immer noch, als wir unser Abendessen draußen genießen (wollen) und auch bei unserem abendlichen Spaziergang über den Campingplatz ist es das einzige störende Geräusch, das wir vernehmen. Selbst als wir nach 21 Uhr einschlafen, läuft das Ding unbeirrt weiter (erlaubt ist eine Nutzung bis 22 Uhr). Der Sinn und Zweck des Ganzen bleibt uns ein Rätsel. Aber möglicherweise schauen ja seine beiden Hunde im Wohnanhänger fern, während er mit seiner Frau draußen bei Lärm und Benzingeruch den Abend genießen will. 

Tag 5 - Von Rangern umzingelt

Unser Tag beginnt wie üblich mit dem Sonnenaufgang und der Frage, ob wir draußen frühstücken können. Da unser Campingplatz auf einer Höhe von etwa 2.700 Metern liegt, ist es nachts gut abgekühlt. Fürs Freiluftfrühstück reicht's trotzdem, auch wenn für Sophia eine lange Hose und zwei Jacken erforderlich sind. Sie beschwert sich allerdings nicht - im Gegenteil, sie will unbedingt draußen essen und spätestens mit dem ersten Löffel Pebbles ist sowieso alles andere egal.


Heute steht eine längere Wanderung auf dem Plan und wir sind etwas nervös. Nicht wegen der Wanderung an sich, sondern weil wir den Weg zum Trailhead eigentlich gar nicht befahren dürfen. Wir wussten das bereits vorher und auch hier vor Ort wird nochmal auf großen Schildern eindringlich darauf hingewiesen: Die Straße darf von Fahrzeugen mit einer Länge von über 24 Fuß nicht befahren werden. Unser Wohnmobil misst irgendwas zwischen 26 und 29 Fuß. Aber etwas anderes haben wir hier nicht geplant und uns die Strecke auch vorher auf Videos angeschaut; die Fahrt an sich dürfte kein Problem sein. Wir hoffen nur, auf keinen Ranger zu treffen...

So starten wir wie üblich recht früh und sind froh, dass der Campgroundhost hier immer "off duty" und ihm offensichtlich alles egal ist. Also schnell unerlaubter Weise nach rechts auf die Bergstraße abgebogen und schon schrauben wir uns langsam die Serpentinen nach oben. Es dauert gar nicht lange, da entdecke ich im Seitenspiegel einen weißen Pick-Up hinter uns. Christophs Frage, ob es ein Ranger ist, kann ich zunächst nicht beantworten, aber so viel Pech kann man doch wohl kaum haben, oder? Und doch, bei der Fahrt um die nächste Kurve erkenne ich einige ziemlich offiziell aussehende Zeichen an der Fahrzeugseite... Mist! Aber wer weiß, vielleicht ist es nur ein Versorgungsfahrzeug oder so. Der kleine Hoffnungsschimmer erlischt, als er seine Warnleuchten anwirft und trotz Überholverbot an uns vorbeirauscht. Doppelmist! Christoph sucht fieberhaft nach Ausreden und ich bin voll und ganz mit der Frage beschäftigt, wie ich mich als Fahrer nun wohl zu verhalten habe, wenn er uns gleich anhält. Doch zunächst ist unsere Aufregung umsonst, er schaltet seine Lichter aus und fährt einfach weiter. Ja klar, wie soll er uns auf dieser engen, kaum einsehbaren Straße auch anhalten? Und wenden können wir hier sowieso nicht. Er wird wohl oben am Parkplatz auf uns warten. Fluchend, nervös und weiterhin nach einer Lösung suchend fahren wir langsam weiter. Als der erste Parkplatz in Sicht kommt, sehen wir schon sein Auto da stehen. Mist! Mist! Mist! Im Schritttempo und vor Nervosität zitternd nähern wir uns dem Parkplatz. Im Näherkommen erkennen wir, dass er da steht und sich mit einem anderen Mann unterhält. Als der Ranger uns entdeckt, winkt er freundlich und widmet sich dann wieder seinem Gespräch. Wir sind völlig verdutzt und es dauert einen Moment, bis ich das Gaspedal wiederfinde, sodass wir schnell zu unserem Parkplatz fahren und ohne weitere Verzögerungen zu unserer Wanderung aufbrechen können.

Großes Ziel der heutigen Wanderung: die ältesten Bäume der Welt. Auf einem herrlichen Bergwanderweg geht es reichlich 2km bergauf, bis wir die ersten Bristlecone Pines (Grannenkiefern) erspähen. Die Exemplare hier sind bis zu 4.000 Jahre alt!

Oben bei den alten Kiefern machen wir eine längere Pause und treffen dort auf eine Rangerin, die sogar ein bisschen Deutsch spricht. Sie amüsiert sich ein wenig über Sophia, die bei bester Laune allerlei Quatsch von sich gibt, bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Auf dem Weg nach oben gab es gegen Ende bei Sophia ein kleines Motivationstief, aber nun ist sie wieder voll dabei, sodass wir uns entscheiden, die Wanderung noch um einen Rundweg zu verlängern, auf dem wir zwei Bergseen bestaunen können. Spätestens, als wir ihr sagen, dass der zweite See Stella Lake heißt, ist Sophia Feuer und Flamme - immerhin heißt ihr Puppe Stella (wenn sie nicht gerade Bella, Sina, Rapunzel oder noch anders heißt). Als wir am Abzweig in Richtung Seen eine Pause machen, kommt wieder die Rangerin an uns vorbei. Wieder ein kurzer Smalltalk und sie geht ihrer Wege. Als wir unsere Wanderung schließlich in Richtung Seen fortsetzen, treffen wir sie schon wieder - dieses Mal isst sie gerade ihr Lunch und wir gehen vorbei. Wir haben bereits alle Belanglosigkeiten ausgetauscht, sodass wir uns mit einem freundlichen (inzwischen eher peinlich berührten) Nicken und einem kurzen Gruß begnügen. Jetzt aber wirklich genug Ranger für heute!

Der Weg zum Theresa Lake ist nicht weit und auch wenn er offensichtlich weniger Wasser führt als üblich, ist er hübsch anzusehen und Sophia kühlt sich ein wenig die Füße ab. Beim Stella Lake ist es aber eindeutig noch schöner, sodass wir hier noch einige Zeit verweilen.

Auf dem Rückweg präsentiert unsere Tochter uns ihr neues Lieblingsspiel: Wir denken uns Quatsch aus! Von Steinen, die sich in Pudding verwandeln, über in die Wolken ragende Nadeln mit Mützen oben dran bis hin zu verrückten Tieren ist alles dabei. Ich bin froh, als Christoph und Sophia nach einiger Zeit dazu übergehen, sich selbst Lieder auszudenken und diese abwechselnd zum Besten zu geben. Dabei ist es erstaunlich, wie gut sie inzwischen schon Reime in die Lieder einbauen kann. Aber am lustigsten ist, dass sie als Füllwörter gern einfach ein "jaja" an das Ende eines Verses hängt, wenn ihr nichts anderes einfällt. Das geht dann in etwa so: "Mitten auf dem Tisch steht ein bunter Blumenstrauß, jaja - sie stehen in einer Vase mit Wasser, jaja..."

Zurück am Campingplatz sind wir sehr froh, dass es mit dieser schönen Wanderung doch noch geklappt hat und Sophia ist zu Recht stolz auf sich, dass sie so gut mitgewandert ist. Wir füllen noch die letzten Seiten in ihrem Junior-Ranger-Heft, spielen, rätseln und genießen den letzten Abend auf diesem sehr schönen Campingplatz. 

Dienstag, 6. September 2022

Tag 4 - In Schieflage

1. Gastbeitrag:

Wie bisher jeden Morgen wache ich viel zu früh auf und verbringe die erste Stunde des Tages damit, aus dem Fenster zu starren und auf den baldigen Sonnenaufgang zu warten. Meine Begleiterinnen schlafen wie Steine.

Irgendwann ist es zum Glück soweit und ich darf über Lisa klettern, das Wohnmobil verlassen und Frühstück vorbereiten. Wenig überraschend gibt es für Sophia nur Pebbles - und zwar ausschließlich die leckeren, die ich mir für mich ausgesucht habe, während ich Sophias geschmacklose Wahl knuspern darf. Dann klebt Sophia begeistert die in der Cornflakes-Packung enthaltenen Leucht-Sticker (eine Katze und vier seltsame Mechanoiden) auf ihre gestern gemalte Blumenwiese, gefolgt von der traurigen Einsicht: "Das sieht jetzt aber nicht mehr schön aus. Nur die Katze ist schön." Die anderen "gucken böse". Zur Verhinderung frühmorgendlicher Tränen darf ich versuchen, die Sticker wieder vom Papier zu pulen.

Dann geht es endlich los durch die Cathedral Gorge entlang des Miller Point Trail. Dank Kletterpassagen und einiger Treppen klappt das auch mit Sophia ziemlich gut, bis ihr dann kurz vor Erreichen des Wohnmobils leider doch noch einfällt, dass es ja viel "zu heiß" ist.



Im Anschluss fahren wir dann 140 Meilen quer durch völliges Niemandsland bis zum Great Basin National Park. Sophia vertreibt sich die Zeit mit schlafen, Musik hören und den Erdmännchen-Detektiven Jan und Henry ("Das Problem wird angepackt und der Fall dann schnell geknackt."). 

Im Visitor Center flunkere ich schamlos die Rangerette an ("Sophia ist fast 5 und liebt Höhlen über alles."), damit wir an der Höhlentour für Erwachsene teilnehmen dürfen. Die ist auch wirklich interessant und Sophia lernt nebenbei sogar etwas Englisch. So erkennt sie nur durch Zuhören, dass "shade" Schatten bedeuten muss. Als der Ranger dann verkündet, wir sollten vorgehen, er würde gleich nachkommen ("catch up"), bedarf es allerdings etwas Anstrengung, sie davon zu überzeugen, dass es jetzt kein Ketchup gibt.



Zum Tagesabschluss checken wir auf unserer traumhaft schönen, aber unverschämt schiefen Campground-Site ein und versuchen eine Stunde lang, das Wohnmobil halbwegs gerade zu platzieren. Unsere Bemühungen enden schließlich mit der Einsicht, dass man ja auch in Schieflage schlafen kann, solange die Füße unten sind. Also lieber noch etwas spazieren und mit Sophia das Junior-Ranger-Booklet ausfüllen. Sie ist völlig begeistert davon, ankreuzen zu können, was sie im Park schon alles gesehen hat. Das erste Junior-Ranger-Abzeichen ist also in greifbarer Nähe...



Montag, 5. September 2022

Tag 3 - Auf der Flucht

Gemessen daran, dass die Temperatur nachts auf gerade mal 30 Grad gesunken ist, haben wir relativ gut geschlafen. Da wir am Morgen kleinere Wanderungen geplant haben, klingelt der Wecker um 5:15 Uhr, um bei noch halbwegs erträglichen Temperaturen unterwegs zu sein. Leider vertut sich mein Handy irgendwie mit der Uhrzeit und nachdem wir uns einige Zeit gewundert haben, dass es so gar nicht hell werden will, merken wir, dass es erst halb 5 ist. Nun gut, eine Weile halten wir es noch im Bett aus, aber schon bald zieht es uns nach draußen und auch Sophia erwacht bei bester Laune. Noch im Morgengrauen beginnen wir am Picknicktisch unser Frühstück und genießen dabei den Sonnenaufgang - herrlich!

Und auch wenn Sophia sich diesbezüglich von uns anstecken lässt und auch gelegentlich sagt, wie schön die Natur ist, so sind ihr Highlight beim Frühstück doch eindeutig die Cornflakes! Süße, quietschbunte Pebbles, wie sie zu Hause normalerweise nicht auf dem Speiseplan stehen. Sie freut sich jetzt schon auf das morgige Frühstück, das betont sie im Tagesverlauf immer wieder.

Nach dem Frühstück begeben wir uns auf zwei kleinere Wanderungen durch die rote und weiße Felslandschaft des Snow Canyon State Parks. Die leuchtenden Felsen unter einem strahlend blauen Himmel begeistern uns alle und vor allem Sophia hat sichtlich Spaß bei den vielen Kletterpartien.

Im Anschluss machen wir noch einen kurzen Abstecher zu einem Slotcanyon und dann steht die Entscheidung an, wie es weitergehen soll. Es ist toll hier, keine Frage, und wir haben einen sehr schönen Campingplatz, den wir noch für eine weitere Nacht bezahlt haben. Allerdings sind auch morgens um 9 schon wieder fast 40 Grad, sodass wir kaum etwas unternehmen können. Den ganzen Tag auf dem Campground zu verbringen ist auch wenig sinnvoll, da dieser den Großteil des Tages in der prallen Sonne liegt, sodass sich das Wohnmobil unerträglich aufheizen würde. So fällen wir schweren Herzens die Entscheidung, den Snow Canyon vorzeitig zu verlassen.

Unser Weg führt uns ca. 90 Meilen weiter nach Nordwesten zu einem Ziel, das eigentlich nur als Zwischenstation ohne Übernachtung geplant war: Cathedral Gorge State Park. Beim Versuch, den Namen auszusprechen, haben wir jedes Mal einen Knoten in der Zunge. Jedenfalls haben wir Glück, dass wir auf dem Campground, den man nicht vorbuchen kann, noch einen schönen Platz ergattern. Und die Freude ist kurz darauf noch viel größer, als wir feststellen, dass wir hier einen Stromanschluss haben! Also schnell das Stromkabel dran und die Klimaanlage angeworfen. Denn kühler ist es hier zwar, aber auch nur um etwa 4 Grad. So lässt sich die heißeste Zeit des Tages aber jedenfalls aushalten und wir verbringen eine sehr ausgedehnte Pause im Wohnwagen.

Gegen 17 Uhr wagen wir uns nochmal nach draußen und bestaunen die an Kathedralen erinnernden Lehmhügel und zu Sophias großer Freude vor allem die dazwischenliegenden Höhlen bzw. Slotcanyons. Unsere kleine Höhlenforscherin ist sehr glücklich mit diesem Ausflug. 

Am Abend kühlt es dann langsam ab und die Wettervorhersage verspricht angenehme Nachttemperaturen, sodass wir auf einen erholsamen Schlaf hoffen. 

Tag 2 - Zu heiß!

Nachdem wir gestern Abend um 8 alle müde ins Bett gefallen und sofort eingeschlafen sind, ist die Nacht dann leider doch schneller vorbei als gedacht. Bis Mitternacht schlafen wir gut, dann wird es langsam etwas unruhig und ab um 3 geht leider nichts mehr. Wir lauschen bei ausgeschaltetem Licht noch eine Stunde einem von Sophias Hörspielen, um anschließend langsam aufzustehen. Tatsächlich gibt es in unserem Motel einen Frühstücksbeutel, den man zum Glück schon ab 4 Uhr abholen kann. So kommt es, dass wir halb 5 auf unserem Bett sitzen und süßes Gebäck, Müsliriegel, Orangen und Tee verzehren.

Den restlichen Morgen vertreiben wir uns mit Spielen, räumen nebenbei auf und machen uns nach und nach fertig, um gegen 7 Uhr mit dem bestellten Taxi zum Wohnmobilvermieter Roadbear aufzubrechen. Kurz nach halb 8 kommen wir fast eine halbe Stunde zu früh dort an, werden aber nach wenigen Minuten doch reingebeten. Dann das übliche: Formulare ausfüllen, Kaution bezahlen, kurze Einweisung am Wohnmobil und schon kann es theoretisch losgehen. Da wir so gut in der Zeit liegen, packen wir erst noch unsere Koffer aus, was sich jedoch zunehmend stressig gestaltet. Wir sind zu diesem Zeitpunkt schon über 5 Stunden wach, die Temperaturen bewegen sich bereits wieder in Richtung 40 Grad, Sophia findet das alles nur mäßig spannend und die nette Dame von Roadbear drängt darauf, dass wir den Platz verlassen, damit sie dort die nächsten Fahrzeuge zur Übergabe parken kann. Wir befestigen noch provisorisch den Kindersitz (vorab online erworben und an Roadbear senden lassen) im Fahrzeug und düsen erstmal los. Erster Stopp noch in Las Vegas: Großeinkauf beim Walmart. 1,5 Stunden später und knapp 200 Dollar ärmer verräumen wir alles im Auto, gönnen uns einen Snack und starten in Richtung St. George. Die Fahrt verläuft recht ruhig, zwischendurch verlieren wir einige Zeit aufgrund eines Baustellenstaus und Christoph sitzt die meiste Zeit hinten und bespaßt eine recht müde Sophia.

In St. George angekommen, begeben wir uns ins Restaurant. Sophia jammert, kaum dass sie einen Fuß aus dem Wohnmobil gesetzt hat: "Mama, es ist zu heiß!" Die Frage, wofür genau es zu heiß ist, wird leider nicht allzu präzise beantwortet. Es scheint so, als sei es einfach zu heiß für alles. Und wenn wir ehrlich sind, fühlt es sich auch für uns genau so an. Beim Essen wird nur gejammert und die Tatsache, dass wir anschließend nochmal zu einem anderen Walmart fahren müssen, um ein paar Utensilien für kleinere Reparaturen am Wohnmobil zu erwerben, bevor wir zum Campground weiterfahren, sorgt auch nicht gerade für Begeisterung.

Kurz bevor wir am Abend im Snow Canyon State Park ankommen, schläft Sophia im Wohnwagen ein - absolut schlechtes Timing! Es braucht eine Menge Überredungskünste, damit wir am Ende noch einen Spaziergang über den Campground machen und sogar noch die dortigen Duschen benutzen. Begründung: ES IST ZU HEIß! Und ja, damit hat Sophia vollkommen recht. Wir haben hier eine richtige Hitzewelle erwischt und statt den anzunehmenden 30 Grad hatten wir auch heute wieder über 40 Grad. Am Campingplatz haben wir keinen Stromanschluss und die Zeit, in der man den wohnmobileigenen Generator benutzen darf, ist leider schon vorbei, sodass wir die Klimaanlage im Wohnmobil nicht benutzen können. Aber da kann man nun leider nichts machen...

Der Snow Canyon macht am Abend dennoch einen grandiosen Eindruck und auch wenn sie von viel Gejammer begleitet sind, genießen wir den Abend auf unserem schönen Campingplatz und den Spaziergang bei Einbruch der Dunkelheit.

Samstag, 3. September 2022

Tag 1 - "Da sitzen schon Leute in unserem Hotelzimmer!"

Nach 5 Jahren Abstinenz ist es endlich so weit: Wir reisen wieder in die USA! Zum ersten Mal sind wir zu dritt und schon sehr gespannt, wie das klappen wird. Der Weg hierhin war beschwerlich.
Ein Testflug mit Sophia im September  2019 nach Mallorca zeigt uns zwei Dinge: Reisen mit unserer Tochter sind absolut unproblematisch und die naheliegenden, bei vielen Deutschen beliebten Reiseziele sagen uns einfach nicht zu. Also direkt nach der Rückkehr Flüge nach Nordamerika für Mai 2020 gebucht, in den nächsten Monaten alles geplant, doch dann: Corona. Mitten im ersten Lockdown musste unser Urlaub natürlich ausfallen. Die kommenden beiden Jahre sind geprägt von Hausbau, Arbeitsplatzwechseln, Umzug und jeder Menge Stress. Dementsprechend konnten wir es kaum erwarten, nun endlich in diesen lang ersehnten Urlaub zu starten. 24 Stunden vor Abflug dann der Schock: Die Lufthansapiloten streiken ausgerechnet an unserem Abflugtag und insbesondere alle Flüge von und nach München und Frankfurt sollen ausfallen. Unsere Flüge sollen uns eigentlich von Leipzig nach München und dann weiter nach Las Vegas bringen. Was nun? Die Kurzfassung: Wir leben den ganzen Tag im Ungewissen und sind dementsprechend schon wieder gestresst und genervt, von der Lufthansa gibt es den ganzen Tag lang keinerlei Infos, aber letzten Endes finden die Flüge planmäßig statt.

Am Freitagmorgen geht es also endlich los, wir lassen uns zum Leipziger Flughafen fahren und haben dort dann endlich die Gewissheit, dass wir tatsächlich unseren Urlaub antreten können. Der Flug nach München verläuft planmäßig und auch der Anschlussflug nach Las Vegas startet pünktlich. Sophia ist ein vorbildlicher Fluggast und vertreibt sich die Zeit klaglos mit Malen, Rätseln, Stickern und darf auch zwei Filme schauen. Vom Essen ist sie erwartungsgemäß nicht begeistert, aber auch das ist kein großes Problem, wir haben ja extra Proviant dabei. Nur mit dem Schlafen klappt es nicht. Nach der letzten Mahlzeit schaffen wir es aber, dass sie doch noch eine reichliche Stunde schläft, bis wir sie aufgrund des bevorstehenden Landeanflugs leider schon wieder wecken müssen. Ab diesem Zeitpunkt merkt man dann, dass es eine sehr anstrengende Reise ist, aber sie hält sich wacker und mit ein bisschen Tragen und Ablenkung vergeht dann auch die Wartezeit bei der Einreise irgendwie. Hier müssen wir sogar mal zur zusätzlichen Gepäckkontrolle, weil wir unseren Proviant nicht ganz aufgegessen, aber auch vergessen haben, ihn wegzuwerfen. Man darf ja aber in die USA keine Früchte einführen... 🙈 Also begleitet uns eine nette Zollmitarbeiterin wegen einer kleinen Tüte mit noch 2 Apfelspalten und 3 übriggebliebenen Weintrauben zur Abholung unserer Koffer und nimmt uns dann mit zur Nachkontrolle, wo nochmal sämtliches Gepäck gescannt wird. Die Mitarbeiterin dort musste auch schmunzeln, als wir ihr unsere klägliche Provianttüte hingehalten haben. Dauerte alles in allem vielleicht 10 Minuten und hätten wir nicht ehrlich zugegeben, dass wir die Sachen dabei haben, hätte auch keiner was gemerkt. Aber nun haben wir das auch mal getestet... (Christoph hat sich natürlich die ganze Zeit aufgeregt. Seine "Dieses dämliche Obst! Ich nehme nie wieder Obst mit!"-Rufe klingen mir noch in den Ohren...)

Nun sind wir jedenfalls endlich in Las Vegas angekommen und lassen uns vom Taxi den kurzen Weg zum Motel bringen. Sophia ist inzwischen wirklich müde und ich sage ihr im Auto, dass es im Hotel schön kühl ist (draußen sind über 40 Grad) und wir uns in unserem Zimmer dann erstmal die Schuhe ausziehen und uns auf dem Bett ausruhen können. Angekommen in der Hotellobby ist gerade ein Pärchen vor uns beim Checkin und Sophia ist total entrüstet, dass da schon andere Leute in unserem Motelzimmer sind. Wenige Minuten später kann sie es sich dann aber wirklich endlich auf dem Bett gemütlich machen.

Da es dank Zeitverschiebung erst um 6 ist und Sophia ihr Okay gibt, machen wir uns noch auf den Weg, etwas zu essen. Sophia tanzt zur Musik durch das Casino im MGM Grand und ein Abstecher in den M&M-Laden muss natürlich auch sein. 

Dann gibt es wie geplant ein Abendessen im Outback Steakhouse, wobei wir feststellen, dass wir in Zukunft vielleicht nur ein Gericht für alle bestellen werden, weil die einfach immer riesig sind. Außerdem stellt Christoph fest, dass mein selbstgemachter Ceasars Salad besser schmeckt als der im Restaurant. Das höre ich natürlich gern! Der Ausblick von da oben auf den Strip ist ganz schön und Sophia kann von ihrem Platz aus die Achterbahn des New York New York beobachten.

Nun reicht es aber auch mit Aktionen für heute - noch ein schnelles Foto vom Strip, zurück durchs Casino getanzt und um 20 Uhr liegen wir alle im Bett und schlafen.