Samstag, 24. September 2022

Tag 21 - Kletteräffchen

Heute stehen wir mal etwas eher auf, denn endlich steht wieder eine Wanderung an: Wir wollen zum Corona-Arch. Da rund um Moab immer jede Menge los ist und wir den Arch bislang nur nachmittags, nicht aber in der Morgensonne gesehen haben, sind wir gut vorbereitet, um die Wanderung recht früh starten zu können. Der Trailhead ist zum Glück nur 5 Fahrminuten entfernt. Schnell den am Abend zuvor geschmierten Bagel im Wohnmobil verspeist und los geht es.

Der Weg führt mal wieder über Stock und Stein und dieses Mal auch Bahnschienen. Das Regenwetter vom Vortag hat sich wie versprochen verzogen und so wandern wir gemütlich in der Morgensonne.

Kurze Kletterpassagen an einer Kette und über eine Leiter gibt es auch, die Sophia mit Bravour meistert. Unterwegs denkt sie sich heute dann auch passend eine Geschichte über Affen aus, da wir ja so viel klettern müssen. Sie ist die Affenkönigin, ich bin Anna Schöne-Affenblume und Christoph ist natürlich Lugh, der Affenkönig-Kletteraffenkönig (ja, irgendwie ist er ein Doppelkönig). Den Arch selbst können wir dann im Vormittagslicht bestaunen und so macht er eine noch bessere Figur, als wir das bislang gesehen haben. Klasse! 

Wir haben auch Glück, dass wir recht entspannt eine ausgiebige Pause im Schatten der benachbarten Felswände machen können, da bislang kaum Leute unterwegs sind. Und viele von denen, die nach uns kommen, haben offensichtlich keinen Blick dafür, von welcher Seite sich so ein Felsbogen zu bestaunen lohnt und kehren daher wieder um, bevor sie ihn durchquert haben. Glück für uns! Während wir auf dem Rückweg sind, wird es merklich voller und wir sind echt froh über die Entscheidung, so früh aufgebrochen zu sein. Sophia ist wie immer der Star und wird an den schwierigen Stellen regelmäßig von den Umstehenden angefeuert und bejubelt. Auch Kommentare wie "Wow, sie lässt mich echt alt aussehen!", "Wenn sie das geschafft hat, muss ich es jetzt ja auch schaffen!" oder auch "Und sie hüpft sogar noch fröhlich über den Weg..." begleiten uns hier auf jeder Wanderung. 

Kurzer Zwischenstopp in Moab für ein frühes Mittagessen und den Kauf frischer Donuts. Die Lokalität, die Christoph für unser Mittagessen ausgesucht hat, ist laut, voll, sehr hektisch und wird offensichtlich von ehemaligen Gefängnisinsassen geführt. Natürlich wissen wir nicht, welchen beruflichen oder sozialen Hintergrund die Angestellten dort tatsächlich haben, aber sie erfüllen wirklich ausnahmslos jedes Klischee, das man aus Filmen und Serien dafür im Kopf hat. Christoph vertreibt sich daher die Zeit damit, den einzelnen Personen passende Namen wie Tiny the Weasel oder Bobby Two Finger zu geben, ich beobachte derweil einen Unfall auf dem Parkplatz und selbst Sophia merkt irgendwann an, dass ihr das alles zu laut ist. Also begeben wir uns lieber zurück in die Natur in den Arches National Park. Beim Fotografieren des Eingangsschildes begegnen uns bereits die ersten planlosen Touristen, die verwirrt vor der Hinweistafel stehen und die seit einigen Monaten geltenden Zutrittsbeschränkungen wohl zum ersten Mal zur Kenntnis nehmen. Wer keine Buchung für den Campingplatz oder andere Aktivitäten im Park vorweisen kann, muss sich vorab ein Onlineticket besorgen, das zum Einlass zu einer bestimmten Uhrzeit berechtigt. Damit sollen die wahnsinnigen Besucherströme besser koordiniert und über den Tag verteilt werden, was nach unserer ersten Einschätzung ganz gut funktioniert. Da nimmt man die Wartezeit von einer knappen halben Stunde am Eingang gern in Kauf.

Am Visitor Center nehmen wir noch schnell das Junior-Ranger-Booklet mit und steuern dann zunächst einzelne Viewpoints und Spaziergänge an. Das Büchlein wird sofort benutzt, um Sophia die typischen Begrifflichkeiten wie Arch, Fin, Balanced Rock und Butte zu erklären. Die Parkplätze sind noch nicht heillos überfüllt und häufig findet sich selbst für unser großes Wohnmobil ein Platz, was wir auf die Timed-Entry-Tickets zurückführen. Viele Menschen sind natürlich trotzdem unterwegs, aber dafür ist das Wetter mit einigen fluffigen Wolken und einem erfrischenden Lüftchen perfekt.

Am Sand Dunes Arch gefällt es Sophia besonders gut, da der seinem Namen entsprechend mitten im Sand liegt. So verweilen wir hier eine ganze Weile in der schattigen Felsspalte, malen im Sand und Sophia powert sich bei geschätzten 350 Eselssprüngen richtig aus. Leider gelingt mir trotz zahlreicher Versuche kein passables Foto ihrer akrobatischen Darbietung. Bei Christoph hat es hingegen beim ersten Versuch geklappt. Zum Glück, denn im Gegensatz zu seiner Tochter hätte er sicher nicht noch mehr Sprünge geschafft. 

Wir fahren erstmal auf unseren Campingplatz, wo wir uns ein tolles Plätzchen reserviert haben mit sehr privatem Picknicktisch, jeder Menge Sand und den hohen Felsrücken zum Klettern direkt hinter unserem Platz. Wir stärken uns kurz und dann wird weiter geklettert. Es ist einfach herrlich und total entspannt. Christoph will noch den Skyline Arch erklettern, was nur vom Campingplatz aus möglich ist. Auf dem offiziellen Weg kann man ihn nur von der anderen Seite und nur von unten bestaunen. Im Abendlicht leuchtet er richtig toll und der Genuss kommt für mich nur deshalb etwas kurz, weil es auf der anderen Seite ganz schön tief runter geht...

Zu guter Letzt betrachten wir von den Felsen direkt hinter unserem Schlafplatz aus den Sonnenuntergang. Nahezu perfekt - wenn wir nicht mal wieder den einzigen Generatornutzer auf dem gesamten Campingplatz direkt gegenüber hätten, der mit dem nervigen Gebrumme dezent die romantische Abendstimmung stört. 

Freitag, 23. September 2022

Tag 20 - Typisch deutsch

Sophia weckt uns halb 6, weil sie auf Toilette muss. Während sie danach seelenruhig weiterschnarcht - ist ja immerhin noch stockdunkel draußen -, kann ich leider nicht wieder einschlafen. Aufzustehen lohnt sich aber ausgerechnet heute auch nicht, denn wir haben nichts Wichtiges vor. Im Gegenteil: Es ist schlechtes Wetter vorhergesagt und es wird so ein typischer Rumdümpeltag, der eben auch mal sein muss. Als wir uns gegen 8 zum Frühstück nach draußen bewegen, erwischen wir sogar noch die letzten Sonnenflecken und die Temperaturen sind auch angenehm. Wirklich schade, dass wir unseren tollen Campingplatz nicht so richtig ausnutzen konnten, denn die Aussicht ist spitze.

Als wir abfahrbereit sind, ist es sogar noch zu früh für den Besuch im Visitor Center, da dieses erst um 9 öffnet. Also machen wir noch einen Spaziergang zum Canyonrand und bestaunen die riesigen Felsnadeln. Der Himmel ist bedeckt, aber immerhin regnet es nicht.


Im Visitor Center holen wir anschließend das Heft für den Junior Ranger ab und stellen etwas erleichtert fest, dass es keine allzu großen Anforderungen stellt. Wir machen eine weitere Miniwanderung zum Canyonrand, bevor es anfängt zu regnen. Damit können wir die Aufgabe, einen Trail zu gehen, auch schon abhaken. Wir füllen in aller Ruhe die restlichen Seiten im Booklet aus und holen uns anschließend das Junior-Ranger-Abzeichen im Visitor Center ab. Damit ist das Colorado National Monument für diesen Urlaub auch schon abgehakt.

Vollgetankt und mit frischen Bagels aus dem Bagelladen ausgestattet machen wir uns auf den Weg in Richtung Moab. Unterwegs regnet es und ansonsten passiert nicht viel. Sophia erfindet irgendwelche Geschichten mit den Figuren in ihren Stickerbüchern, erwartet aber zum Glück nicht, dass wir ihr gebannt zuhören. Kurz vor Moab umgeben uns dann endgültig wieder die roten Felsen, die für diese Gegend so typisch sind, und wir erkennen die Ausläufer des Canyonlands und Arches National Park. Kurz vor Moab biegen wir aber nach rechts ab. Unser Ziel: Hoffentlich eine freie Site auf einem der sehr kleinen Campingplätze entlang des Colorado River ergattern. Aufgrund unserer kleinen Planungsänderung haben wir nämlich für heute noch keinen festen Übernachtungsplatz. Bei unserem letzten Versuch vor einigen Jahren, hier spontan einen Platz zu finden (damals mit SUV und Zelt) war alles hoffnungslos überfüllt. Aber dieses Mal haben wir Glück und finden schnell einen schönen Platz.

Das Problem: Hier funktioniert alles noch ganz altmodisch mit Briefumschlägen, in die man passend die Campingplatzgebühren reinpackt und diesen dann in eine Box einwirft. An den meisten Campingplätzen kann man inzwischen entweder online buchen und bezahlen oder hat vor Ort eine Bezahlmöglichkeit mit Kreditkarte. Hier aber eben nicht und damit beginnt unsere Odyssee. Christoph hat aus unerfindlichen Gründen die Bagel am Vormittag mit Bargeld bezahlt. Nun hocken wir also im Wohnmobil und kratzen die letzten Münzen zusammen, die wir uns eigentlich für die nächste Laundrynutzung aufgehoben haben. Wir haben 13 Dollar in Scheinen und die restlichen 7 Dollar in Kleingeld mit Münzen von maximal 25 Cent. Dementsprechend dick wird der Briefumschlag und es kommt, wie es kommen musste: Der vollgepackte Briefumschlag bleibt im Schlitz der Box stecken und lässt sich weder komplett reinstecken noch wieder herausziehen. Christoph ist an dieser Stelle schon dezent genervt, steht da vor diesem briefkastenähnlichen Ding und kann sich nicht entscheiden, ob er ziehen oder drücken soll und überhaupt, warum sind die Umschläge aus so dünnem Papier? Außerdem rennt uns die Zeit davon, immerhin sollte man innerhalb von 30 Minuten bezahlen. Wen genau das hier interessieren sollte, bleibt ein Geheimnis, aber wer weiß, vielleicht werden wir ja heimlich gefilmt auf diesem primitiven Campingplatz, auf dem es nicht mal Wasser auf den Toiletten gibt? Wir entscheiden uns jedenfalls, den Briefumschlag aufzureißen, um erstmal die Scheine zu retten sowie die Münzen, die sich noch außerhalb der Box befinden, den Rest lassen wir reinfallen. Das war wohl nix! (Dass wir nach dieser Aktion natürlich erstmal nachzählen, wieviel Geld noch im Umschlag ist, um zu wissen, wieviel Geld zusammen mit einem kleinen abgefetzten Stück des Briefumschlags irgendwo am Boden der Box liegt, um uns diesen Betrag für künftige Bezahlversuche als bereits bezahlt anzurechnen, muss ich wohl nicht erwähnen...) 

Neuer Versuch: Wir stecken nur unsere Dollarscheine in den Umschlag und schreiben darauf, dass wir den Rest in einen zweiten Umschlag stecken, sobald wir in Moab Bargeld geholt haben. Ich vermute, wir sind mal wieder die einzigen Trottel, die sich darüber überhaupt Gedanken machen. Der Campgroundhost, der selbstverständlich "off duty" und nicht vor Ort ist, wird wohl kaum mehrmals täglich seine Geldbox öffnen und gierig seine Münzen zählen. Im Übrigen sind 80 Prozent der Plätze hier zu diesem Zeitpunkt unbesetzt (was sich bei unserer Rückkehr am Abend auch noch nicht signifikant geändert hat), sodass auch kein Grund bestünde, uns rauszuwerfen, weil wir erst einen Teil der Übernachtungsgebühr gezahlt haben. Aber da können wir nicht aus unserer deutschen Haut; Ordnung muss sein! 

Nach einer längeren Pause am Straßenrand einige Meilen zurück, wo die Felswände nicht mehr den Internetempfang blockieren, essen wir in Moab eine leckere Pizza, nur um anschließend auf dem Parkplatz eine weitere Pause einzulegen. Wobei, Pause klingt so, als hätten wir irgendetwas gemacht, wovon wir uns erholen müssten, was (leider) nicht der Fall ist. Vielmehr ist es ein weiterer Zeitvertreib, um den regnerischen Tag rumzukriegen. Nach einem von Sophias Hörspielen und einigen Ausmalbildern holen wir noch Bargeld, kaufen ein und leeren die Schmutzwassertanks. Wenigstens habe ich heute endlich mal die Zeit, Christophs besonders modebewusste Auswahl an Schutzhandschuhen für die Nachwelt fotografisch festzuhalten!

Zurück am Campingplatz freuen wir uns über die Ruhe, Sophia isst noch Abendbrot und das wars. So richtig was geschafft haben wir heute nicht, sind aber trotzdem irgendwie müde und genervt. Umso mehr freuen wir uns darauf, dass der morgige Tag - sofern das Wetter mitspielt - direkt mit einer Wanderung startet. Endlich wieder was zu tun und zu sehen! Und selbstverständlich haben wir bei unserer Rückkehr den zweiten Geldumschlag mit den verbliebenen Dollarscheinen in die Box geworfen - natürlich nicht ohne schriftliche Erklärung, warum es zwei Umschläge sind und wie diese zusammengehören. Muss schließlich alles seine Ordnung haben. 

Dienstag, 20. September 2022

Tag 19 - Lieber stechen als stürzen

6. Gastbeitrag:

Das schier Undenkbare geschieht: Nach dem Aufstehen bei strahlendem Sonnenschein gibt mir Lisa recht, dass die Lufttemperatur geeignet ist, ohne Schneeanzug und Polarausrüstung außerhalb des Wohnmobils zu frühstücken. Doch leider ist mir diese Genugtuung nur wenige Sekunden vergönnt. Kaum habe ich den Frühstückstisch gedeckt, zieht sich wie aus dem Nichts binnen kürzester Zeit der Himmel zu und eine Windböe trägt unsere Sitzunterlagen davon, während ich mich verzweifelt auf unsere Pebbles stürze, um zu retten, was zu retten ist. Keine zwei Minuten später sitzen mir meine beiden Frostbeulen wieder in gewohnter Polarmontur gegenüber und schieben sich fröstelnd ihr Frühstück rein.

Auf geht es raus aus dem Dinosaur National Monument - Fossil Bone Quarry und eine halbe Stunde später wieder rein in das Dinosaur National Monument - Canyon Area. Dort führt eine über 30 Meilen lange Stichstraße zum Harper's Corner Trail, der Ausblicke auf den Green River und den Yampa River sowie die zugehörige Canyonlandschaft nebst dem bekannten Steamboat Rock bietet. Am Ende des Trails lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, durch das fotografietechnisch unvorteilhaft platzierte Sicherheitsgitter zu klettern und meine beiden Angstnasen bis zur vordersten Kante der Felsspitze zu führen.


Bis auf eine recht schmale Stelle in der Mitte der "inoffiziellen Zusatzetappe" ist das Ganze eigentlich kein Problem, aber Lisas angsterfüllte Mahnungen und Warnungen bleiben unser steter Begleiter. Selbst Sophia wiederholt immer wieder gebetsmühlenartig das an die Gefahrenpole Stachelsträucher und Abgründe angelehnte Mantra "Lieber stechen als stürzen."

Der Stein des Anstoßes - die ungesicherte Felsspitze:


Etwa auf halber Strecke der Stichstraße zum Trailhead liegt übrigens das idyllische 1-Mann-Örtchen "Robinson's Place", in dem ein offenbar frenetischer Anhänger Dirty Donald's versucht, auf eine weitere Amtszeit des großartigsten Präsidenten aller Zeiten einzustimmen. Naja, hier im Nirgendwo kann er das ja gern machen.

Nach der Wanderung folgt eine weitere längere Fahretappe Richtung Grand Junction, die mit einer halbstündigen wilden Serpentinen-Fahrt endet, während der ich auf Wunsch einer einzelnen Person wie gebannt auf das Tablet zu starren habe, um die richtige Ausführung eines Ausmal-Spiels zu überwachen und bei Bedarf die Schönheit der Maldarbietung zu preisen. Nur mit Mühe gelingt es mir, die kurz zuvor verspeisten Minibrezeln in meinem Körper zu halten.

Anschließend gibt es ein für alle erfreuliches Mittagessen im Olive Garden und gegen 18:00 Uhr stehen wir auch schon auf unserer Campsite im Colorado National Monument, die normalerweise einen traumhaften Blick über die Stadt am Fuße des Schutzgebiets bietet. Da es heute Abend bis morgen Nachmittag dauerhaft regnen soll, werden wir davon allerdings nicht allzu viel haben. Naja, für ein schnelles Foto im Nieselregen reicht es immerhin...


Tag 18 - The Sound of Silence

Heute Morgen kapern wir fürs Frühstück kurzerhand den Tisch der unbesetzten Nachbarsite, weil dort im Gegensatz zu unserem Tisch schon die Sonne scheint. Brot und Pebbles sollen uns Energie für eine längere Wanderung liefern, die heute bei hoffentlich nicht allzu großer Hitze im Dinosaur National Monument ansteht. Zuvor steuern wir das inzwischen geöffnete Visitor Center an, um das dieses Mal sehr überschaubare Heft für die Junior Rangerin mitzunehmen. Wenig später starten wir unsere Wanderung auf dem Sound-of-Silence-Trail. Dieser führt durch ein Mash-Up der Steinformationen, wie sie für den Südwesten der USA zum großen Teil typisch sind. Zunächst wandern wir durch einen ausgetrockneten Wash zwischen Lehmhügeln, die von grau über sandig bis hin zu rot so ziemlich alle Farben annehmen. Weiter oben erwarten uns große, zerklüftete Steinwände in Gelb, Rosa und Weiß. Gesäumt wird der Weg von stacheligem Buschwerk. Genau diese Landschaft verbinde ich mit unseren USA-Urlauben und fühle mich irgendwie angekommen.


Die Laune ist heute bei allen bestens und wir kommen sehr gut voran, auch wenn es langsam recht warm wird. Der Trail trägt übrigens seinen klangvollen Namen, weil man aufgrund spezieller geologischer Gegebenheiten auf großen Teilen des Weges wirklich nichts hört: keinen noch so entfernten Lärm von Autos oder Flugzeugen, noch nicht mal das Wehen des Windes... Also, so die Theorie, die ich in etwa 5 lautlosen Sekunden teilweise bestätigen kann. Den Rest des Weges höre ich ununterbrochen die Zwiegespräche von Sophia und ihrer neuen Fledermaus Marika, später umbenannt in Bodo-Marika (gesprochen von Christoph). Sicherlich auch auf gewisse Weise schön... 

Wir machen eine längere Pause im Schatten großer Felsbrocken und entscheiden uns im Anschluss, den Weg noch um den Desert-Voices-Trail zu verlängern, der uns am Ende zum Green River führt, wo wir eine weitere Pause einlegen. Es läuft wirklich spitze heute und wir genießen die Wanderung sehr. Sophia und Bodo-Marika sind nunmehr zu Wettkämpfen aller Art (Rechnen, Buchstabieren, Reimen) übergegangen, sodass ich als Aufgabenstellerin mittlerweile auch voll eingebunden bin. Die beiden Kleinen schaffen sogar schon solche Aufgaben wie 5 plus 4 minus 3 und schlagen sich auch im Buchstabieren super - wir sind wahnsinnig stolz auf Sophia! Und Bodo-Marika, naja, die macht eben mit, so gut eine Fledermaus das kann... 

Nach etwa fünf Stunden und 10 Kilometern über Stock und Stein mit einigen Auf- und Abstiegen kommen wir müde, aber glücklich wieder am Wohnmobil an und haben uns wirklich ein Eis verdient! Und einen Keks. Und Salzbrezeln...

Nach einer ausgedehnten Pause im Wohnmobil schauen wir uns noch Dinosaurierknochen an, die wir sogar anfassen können. Noch schnell die 3 Aufgaben im Rangerbuch gelöst und zurück ins Visitor Center: Sophia wird zur Junior Rangerin im inzwischen fünften National Park bzw. Monument ernannt und spricht mittlerweile auch mutig den Eid nach.

Wir fahren zurück auf unseren Campingplatz, wo wir für diese Nacht eine andere Site gebucht haben. Den Zugang zum Green River nutzen wir, um unsere Füße abzukühlen, in Gemeinschaftsarbeit eine tolle Klecksburg zu bauen und unsere Füße im Sand einzubuddeln.


Zum gemütlichen Tagesausklang gibt es noch eine gesunde Tiefkühlpizza aus dem Backofen und dann fallen wir auch schon müde in unsere Betten. 

Tag 17 - Sternenhimmel

Heute frühstücken wir nach den letzten Tagen in kälteren Gefilden zum ersten Mal wieder draußen. Wenn wir Christoph Glauben schenken, der wieder einmal versucht, uns mit den tollsten Versprechungen aus dem Bett zu locken, müssten wir eigentlich in kurzen Hosen und mit Sonnenhut draußen sitzen können... Naja, mit zwei Jacken, einer Decke über den Beinen und warmer Mütze geht's! Da unser Tag heute recht entspannt wird und die Campingplätze der kommenden Nächte nicht so gut ausgestattet sein werden, nutzen wir noch kurz die Duschen auf unserem Campground und danach ist es auch schon warm genug, noch einen Spaziergang zum Stausee, dem Flaming Gorge Reservoir, zu wagen.

Hier verbringen wir eine wundervolle entspannte Stunde mit Sonne, Sand und Klecksburgen. Wir genießen einfach nur den Moment, neben uns grasen friedlich drei Gabelböcke und lediglich das gelegentliche Brummen vereinzelter Motorboote stört die Ruhe. 

Einige Zeit später machen wir uns mit frisch entleertem Wohnmobil und mit Feuerholz bewaffnet auf den Weg weiter in Richtung Süden. Wir durchqueren die Flaming Gorge National Recreation Area und nehmen eine szenische Seitenstraße, die durch eine idyllische, recht grüne Schlucht führt und immer wieder den Blick auf die steil neben uns aufragenden Felsen freigibt. Auf der zweiten Etappe schrauben wir uns dann über Serpentinen langsam nach oben und können die bunten Felsen aus nächster Nähe betrachten. Zum Abschluss noch ein malerischer Ausblick auf das gesamte Gebiet inklusive Stausee. 

Als Zwischenziel steuern wir nun den zum Flaming Gorge Reservoir gehörenden Red Canyon an. Nach einem kurzen Besuch im Visitor Center, der neben einem neuen Kuscheltier für Sophia und einem netten Gespräch mit zwei Amerikanern mit deutschen Wurzeln leider auch die Erkenntnis mit sich bringt, dass die Hauptaussichtspunkte wegen Erneuerung der Brüstung geschlossen sind, können wir dennoch auf einer kurzen Wanderung einige wirklich tolle Ausblicke in den Canyon genießen.

Zwischenstopp zum Mittag- bzw. Abendessen bei Denny's. Unsere Bedienung ist ein hübsches junges Mädchen, das uns irgendwie alle fasziniert. Sophia gefallen vor allem die hellblonden Haare, die zu zwei langen Zöpfen geflochten sind. Christoph fragt sie, ob sie ihr das sagen möchte, aber natürlich will Sophia, dass Christoph das übernimmt. Es entbrennt eine Diskussion darüber, ob die richtige Bezeichnung für einen Zopf nun Ponytail oder Pigtail ist. Ich finde, dass Pigtail nach einer Beleidigung klingt und kurz kann ich auch Christoph davon überzeugen, dass es wohl so sein muss. Im Eifer des Gefechts benutzt er dann trotzdem "Pigtail", was die Bedienung aber nicht zu stören scheint, die sich an dieser Stelle schon sehr über das Kompliment von Sophia freut und gar nicht mehr richtig zuhört (so zumindest meine Interpretation). Die spätere Recherche ergibt, dass sowohl "Ponytail" als auch "Pigtail" einen Zopf bezeichnen, wobei "Pigtail" wohl tatsächlich einen geflochtenen Zopf meint - was Christoph natüüürlich genau wusste und deswegen das richtige Wort gewählt hat... 

Gegen Abend kommen wir im Dinosaur National Monument an. Der Angestellte am Parkeingang verkündet nach einem halbherzigen Blick auf unseren National Park Pass, dass sich das Visitor Center direkt hinter seinem Häuschen befindet. Haben wir zwar schon von Weitem gesehen, bedanken uns aber trotzdem und freuen uns, dass es offensichtlich noch geöffnet hat. Als wir nicht mal eine Minute später auf den Parkplatz fahren, erkennen wir anhand der groß angeschriebenen Öffnungszeiten, dass es seit fünf Minuten geschlossen ist. Vorsichtshalber nochmal an der Tür gerüttelt, aber es ist wirklich schon zu. Gut, konnte der nette Empfangshäuscheninsasse vielleicht nicht wissen, wann seine Kollegen 200 Meter weiter Feierabend haben. Ist aber auch kein Beinbruch, holen wir das Junior-Ranger-Booklet eben morgen. Auf dem Campingplatz haben wir heute noch ganz entspannt Zeit für ein Lagerfeuer und um Marshmallows zu machen. Sophia freut sich tierisch darauf, aber wie fast zu erwarten war, schmecken sie ihr pur aus der Tüte am besten. Auch gut, haben wir weniger Arbeit. Da wir hier recht weit von größeren Städten entfernt sind, eignet sich der Ort super zum Sternegucken. Sophia darf daher im Schlafanzug nochmal raus und als wir zwei Stunden später unsere Feuerwache beenden, kann man sogar die Milchstraße erkennen. Mal richtig romantisch heute bei uns!

Samstag, 17. September 2022

Tag 16 - Gummy Sharks

5. Gastbeitrag:

Da der Wetterbericht für den frühen Morgen lediglich partielle, dann aber immer stärker werdende Bewölkung vorhergesagt hat, verlasse ich bereits gegen 7:00 Uhr das Wohnmobil in der Hoffnung wenigstens einmal einen Blick auf die Grand Tetons erhaschen zu können. Das klappt glücklicherweise zumindest zum Teil.


Gegen 8:30 Uhr kann ich dann meine Mitreisenden zum Aufstehen bewegen, was bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt zugegebenermaßen etwas Überwindung erfordert. Anschließend gehen wir nochmal zusammen zum Ufer des Jackson Lake, was Sophia aufgrund der dort befindlichen bunten Steine außerordentlich gut gefällt.



Sodann beginnt Lisas verzweifelte Jagd nach dem verlorenen Elch, für die ich am vergangenen Abend nicht weniger als vier Elch-Super-Spots im Park herausgesucht habe. Lisa fährt nacheinander jeden dieser Orte an, springt aus dem Wohnmobil und entschwindet sodann im Gebüsch. Was dann passiert, kann ich nur erahnen, weil ich mit Sophia unterdessen im Wohnmobil ein Medley der besten Mutmachlieder für Kinder ("Ich bin ein Zahnarzt und ich bin cool drauf" gefolgt von "Autsch, autsch, aua, aua") interpretiere. Ich vermute indes, dass Lisa mit wackelndem Gesäß und elchische Brunftlaute imitierend das Unterholz nach diesen bemitleidenswerten Geschöpfen durchpflügt. Jedenfalls kehrt sie stets nach etwa fünf Minuten mit einem Blick zurück, der weitere Nachfragen zum Erfolg ihrer Mission verbietet. Gegen 11:30 Uhr wird die Spezialoperation schließlich mit dem Ergebnis für beendet erklärt, dass wohl alle Elche im Park entweder verstorben oder während der Trump-Administration des Landes verwiesen worden sind.

Daher begeben wir uns zum Zwecke der eidlichen Bekräftigung des vierten Junior-Ranger-Titels zum nahegelegenen Visitor Center in der Ortschaft "Moose" (!), dessen lebensgroßer Bronze-Elch die Stimmung nur dezent hebt. Sophia gelingt es dafür erfreulicherweise, unter lautstarker Voranstellung meiner gestrigen Motivationshilfe ("Die versteht ja eh nicht, was ich sage!") die Eidesformel in verständlicher Lautstärke zu wiederholen.

Anschließend geht es aufgrund der wetterbedingten Planänderung auf große Fahrt. Über 200 Meilen trennen uns von unserem heutigen Tagesziel, die wir in der Folge singend und spielend bewältigen werden. Gut angelegte 2,99 EUR lassen Sophia etwa zwei Stunden lang in einem Spiel versinken, in dem hässliche Dinosaurier alle 10 Sekunden "Bibi Bibi" rufen oder infantile Quietschlaute von sich geben. Im Übrigen spielt sie vornehmlich mit ihren Tonie-Figuren, die aufgrund von Nichtigkeiten zunächst in handfeste Streitereien geraten und sich bald schon in einem Kampf auf Leben und Tod wiederfinden.

Unterbrochen wird der wilde Ritt lediglich von einem Großeinkauf und einem späten Mittagessen bei Applebee's, wobei die dortige Auswahl einigen Einschränkungen unterliegt. So teilt uns die Kellnerin nach Aufnahme unserer Bestellung mit, dass die von uns georderten und überhaupt alle Softdrinks aus seien, sie uns aber stattdessen die von Sophia gewählte Kinder-Schokomilch empfehlen könne, was wir dankend ablehnen. Die zur Nachspeise aufgegebene Bestellung von Schokokuchen mit Vanille-Eis wird hingegen anstandslos entgegengenommen, indes 10 Minuten später ohne Eis serviert. Auf meine Nachfrage zum fehlenden Eis erwidert die Kellnerin, dass gerade keins da sei, sie uns aber stattdessen "Gummy Sharks" anbieten könne, was wir zunächst irritiert ablehnen, angesichts Sophias nach unten hängender Mundwinkel dann aber doch akzeptieren. Nach etwa 15 Minuten kommt sie dann tatsächlich mit zwei blauweißen Gummitier-Fischen zurück, die sie meiner Vermutung nach einer soeben im benachbarten Walmart erworbenen Gummitier-Packung entnommen haben muss. Sophia zeigt sich gleichwohl hocherfreut und lässt beide Haie in ihrem Schlund verschwinden.

Gegen 19:00 erreichen wir dann glücklicherweise unseren Campground am Flaming Gorge Reservoir, suchen uns eine schöne Site aus, beobachten die allgegenwärtigen Gabelböcke und genießen die letzten Minuten des Sonnenuntergangs.

Tag 15 - Der Albtraum

Unser Morgen beginnt mit dem Thema Albträume: Nachdem wir in den vergangenen Tagen beide mal wieder von weiterem Pfusch an unserem Haus geträumt haben, konnte Christoph das in der vergangenen Nacht mit der Begehung eines Mordes in seinem Traum toppen. Den Vogel schießt allerdings Sophia ab, als sie eine halbe Stunde später verkündet, dass sie schlecht geschlafen habe, weil sie einen Albtraum hatte. Wir warten gespannt, was sich im kindlichen Gehirn dieses Mal wieder für Ängste manifestiert haben mögen, meist geht es ja ganz klassisch um Monster oder Wölfe. Aber was dann kommt, damit haben wir beide nicht gerechnet: Sophia hat sich in ihrem Traum zum Frühstück einen Bagel gewünscht, mit Honig und ohne Butter. Und dann hat Christoph doch tatsächlich Butter drauf geschmiert. BUTTER! Auf einen Bagel!!! Es ist doch wirklich nicht zu fassen. Also nach so einem Albtraum hätte ich auch nicht mehr schlafen können... 

Nach einem ansonsten ereignislosen Frühstück - Christoph hat es zum Glück geschafft, einen Bagel nur mit Honig zu schmieren - fahren wir zum Dumpen und anschließend nochmal ins Visitor Center, wo Sophia zum Junior Ranger des Yellowstone National Park ernannt wird, ohne den Schwur aufsagen bzw. in unser Ohr flüstern zu müssen. Noch schnell die Postkarte für die Kita abgeschickt und dann kehren wir dem Yellowstone den Rücken. Also eigentlich stehen noch ein oder zwei optionale kleine Zwischenstopps auf der Agenda, aber Sophia und ich haben aufgrund des tristen Wetters einfach mal keine Lust. 

Nur wenige Meilen nach Verlassen des einen National Parks stehen wir schon vor dem Eingangsschild des nächsten: dem Grand Teton National Park. 


Wir machen aufgrund des noch ausbaufähigen Wetters erstmal in Ruhe eine Mittagspause am Jackson Lake, wo es leckeres Essen und vor allem eine heiße Schokolade für jeden gibt.


Anschließend verbringen wir einige Zeit im angrenzenden Souvenirshop, weil dort ein kurzer Werbefilm für den Nationalpark in Endlosschleife läuft, von dem Sophia nicht loszukriegen ist. Könnte man die dort gezeigten Tiere und Naturwunder doch nur irgendwo in echt sehen... 

Wir fahren zum nächsten Visitor Center und lassen uns das Heft für den Junior Ranger geben. Damit müssen wir uns ganz schön ranhalten, immerhin verbringen wir hier (entgegen unserer ursprünglichen Planung) nur eine Nacht. Da es gerade zeitlich passt und wieder mal eine der Aufgaben im Booklet ist, hören wir uns den 20-minütigen Vortrag einer Rangerin zum Thema Geweihe und Hörner an. Sehr interessant, Sophia traut sich sogar, an manchen Stellen mitzumachen (natürlich nur an Mamas Hand) und auch für uns war noch Neues dabei. 

Da ich immer noch unbedingt einen Elch sehen möchte, machen wir uns auf den Weg zu der Straße, auf der es hier die meisten Sichtungen gibt. Dooferweise ist diese für Wohnmobile gesperrt und darüber hinaus auch nur 3 Meilen weit geöffnet. Das war wohl nix!

Weiter geht es zu einer alten Hütte, die ein berühmtes Fotomotiv vor den Tetons im Hintergrund ist. Inzwischen gibt es zwar mehr und mehr Wolkenlücken, aber die Berge selbst sind nach wie vor von sehr tiefhängenden Wolken verhangen. 


Hinter der Hütte steht mal wieder eine aufgeregte Traube Menschen mit ihren meterlangen Superobjektiven auf den Kameras und starrt gebannt geradeaus. Es stellt sich heraus, dass sich viel weiter vorn auf dem Weg ein Bär befindet. Angeblich ist es ein Grizzly, aber wir können nur mit Mühe überhaupt erahnen, dass es ein Bär ist. Ein Elch wäre mir sowieso lieber gewesen... 

Als wir dann zu der kurzen Wanderung zu Schwabacher Landing aufbrechen, zeigt sich die Sonne immer mehr und es entstehen wunderschöne Fotos, auch wenn die Tetons sich leider immer noch zum größten Teil in den Wolken verstecken.

Auf dem Weg zu unserem Campground fängt es dann schon wieder an zu regnen. Wenn man sich die Wettervorhersage so anschaut, haben wir wirklich Glück, dass wir heute Nachmittag nochmal einige Zeit Sonnenschein ergattern konnten. Eigentlich wären wir morgen noch einen Tag hier, um eine längere Wanderung zu machen, aber das Wetter soll richtig mies werden bis hin zu Schneeschauern. Das ist uns zu heikel, sodass wir den Tag in den Tetons morgen gestrichen haben und stattdessen schon weiter in Richtung Süden fahren, wo es wieder wärmer wird. Leider entfällt dadurch auch die für morgen geplante Übernachtung auf einem Campingplatz, auf dem man mit großer Wahrscheinlichkeit Elche sehen kann, worauf ich mich seit Monaten freue. Ob wir morgen auf dem Weg raus aus dem Park nochmal Glück haben?