In den vorab studierten Reiseberichten war zwar häufig die Rede von viel Regen, weswegen unser Reiseplan ja auch hier und da Regentage und andere Alternativen vorsieht, aber von Schnee hat nun wirklich keiner berichtet. Es ist dann auch ein bisschen unwirklich, wie wir am 22. Juli beim Frühstück in unserem Camper sitzen und draußen unentwegt dicke Flocken vom Himmel fallen. Sommerurlaub mit Schneefall, das hatten wir auch noch nicht... Irgendwann geht der Schnee wieder in Regen über, wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob das wirklich besser ist. Der Plan für den heutigen Tag sieht jedenfalls einen Campingplatzwechsel und ansonsten nur Zeitvertreib drinnen vor. Der Wechsel auf den sechs Kilometer weiter nördlich gelegenen Platz klappt ohne Probleme, da wir direkt zur üblichen Check-out-Zeit um 11:00 Uhr dort vorfahren. Hier kann man nämlich nicht reservieren, sondern es gilt first-come, first-served. Auf unserem neuen Plätzchen im Wald machen sich Christoph und Sophia an die zweite Matheeinheit, während ich über den Campingplatz zum angrenzenden See spaziere.
So schlecht ist das Wetter eigentlich gar nicht: Es hat aufgehört zu regnen und man kann im Gegensatz zu gestern sogar hier und da ein blaues Himmelfleckchen entdecken. Während Sophia ihren versprochenen Film auf dem Laptop schauen darf, verziehen sich die Wolken tatsächlich zusehends und wir wagen uns am frühen Nachmittag nochmal mit dem Wohnmobil auf die Piste.
Erst ein kurzer Abstecher zu einem Aussichtspunkt auf den Waterfowl Lake...
...dann machen wir uns auf den einen Kilometer langen Spaziergang zum Mistaya Canyon. Leider wieder sehr touristisch hier und wir sind schon auf dem Parkplatz genervt von den vielen Menschen. Die Laune lassen wir uns aber heute nicht verderben, nachdem das Wetter so überraschend mitspielt. Schnell ein paar lahme Im-Weg-Rumsteher überholt (Warum müssen ausgerechnet die langsamsten "Wanderer" immer zu dritt nebeneinander laufen und bekommen nichts um sich herum mit?), schon geht es besser voran. Allerdings fällt uns auf, dass auf solchen überlaufenen Wegen immer verhältnismäßig viele Leute schlecht gelaunt aussehen, während einsame Wanderer auf anstrengenden Trails meist freundlich grüßen und zufrieden mit sich und der Welt zu sein scheinen. Ob die anderen also doch auch genervt sind, wenn so viel los ist? Oder liegt es daran, dass viele davon mit Flipflops und Kinderwagen losziehen auf Wegen, die dafür einfach nicht ausgelegt sind? Man weiß es nicht... Der Anblick, wie die Wassermassen in den Canyon rauschen, ist jedenfalls beeindruckend und wir freuen uns über ein bisschen Bewegung im Sonnenschein.
Um morgen - bei angekündigtem Superwetter - nicht unnötig Zeit mit organisatorischem Kram verschwenden zu müssen, fahren wir noch weiter nach Saskatchewan River Crossing. Ich hatte mir ein kleines Dorf vorgestellt, aber eigentlich ist es eher wie eine deutsche Autobahnraststätte: Giftshop, Minimarkt und Restaurant in einem mit angeschlossener Tankstelle und ein paar Bungalows. Aber eben die einzige Einkaufs- und Tankmöglichkeit weit und breit, sodass wir beides nutzen. Zusätzlich gibt es sogar kostenloses WiFi, was hier oben nicht zu verachten ist, wo man doch ständig darauf hingewiesen wird, dass es über mehrere hundert Kilometer weder Telefon- noch Internetempfang gibt. Wir nutzen das also kurz, um die neuesten Entwicklungen von zu Hause zu erfahren (Warum gehen Sachen im Haus eigentlich immer dann kaputt, wenn man selbst nicht vor Ort ist?), während wir etwas Warmes essen. Nun hoffen wir, dass das Wetter morgen hält, was es verspricht, damit wir alles nachholen können, was wir in den vergangenen Tagen witterungsbedingt aufgeschoben haben...
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