Sonntag, 20. Juli 2025

Tag 9 - Sophia-darf-entscheiden-Tag

Der Tag beginnt mit einer Seltenheit: Wir dürfen ausschlafen! Da wir meist gegen 22:00 Uhr einschlafen, erschöpft sich das Ausschlafen für Christoph gegen 6:00 Uhr. Ich schlafe etwa eine halbe Stunde länger und Sophia erwacht dann auch kurz nach 7:00 Uhr. Wir lassen uns (für unsere Verhältnisse) viel Zeit bei Morgenroutine und Frühstück. Nach einem Zwischenstopp bei der Dump Station, um unsere Tanks zu leeren und Frischwasser aufzufüllen, fahren wir die kurze Strecke zum Parkplatz. Spätestens jetzt bei den letzten Vorbereitungen zum Aufbruch bereut Christoph es mal wieder, dass er uns gesagt hat, wir hätten heute Morgen keinen Stress und könnten uns Zeit lassen. Er steht nämlich nach zwei Minuten startklar vorm Camper, während Sophia in aller Seelenruhe ihre Wanderschuhe verschnürt und sich anschließend gewissenhaft mit Sonnencreme einschmiert. Ich sehe auch keinen Grund, sie zur Eile anzutreiben - es ist nahezu 10:00 Uhr und so oder so sind schon einige Menschen unterwegs, da kommt es auf zehn Minuten mehr oder weniger auch nicht an.

Wir schaffen es schließlich dennoch ohne Streit, endlich zu unserer heutigen Wanderung aufzubrechen. Am Ufer des Two Medicine Lake befindet sich eine Station der Boat Company, bei der wir für den heutigen Tag - mal wieder - ein One Way Return Ticket gebucht haben. Im Gegensatz zu den vergangenen Tagen haben wir dieses Mal aber tatsächlich geplant, das Ticket auch in Anspruch zu nehmen. Das Häuschen lassen wir dennoch links liegen, haben wir doch unsere Reservierung bereits in der Tasche.


Wir begeben uns auf den South Shore Trail. Die nördliche Seeumrundung ist wegen Bären gesperrt, aber so weit wollen wir ohnehin nicht gehen. Die Sichtung von Bären oder Elchen wäre natürlich durchaus willkommen, aber bitte mit Sicherheitsabstand. Der Weg führt indes erst viel später am Seeufer entlang. Für den Moment laufen wir durch dichten Wald. Das Wetter ist perfekt, nur eine Gruppe amerikanischer Wanderer, die etwa gleichzeitig mit uns losgeht und sich nur minimal schneller bewegt als wir, nervt etwas. Den kleinen Vorsprung, den sie hier und da gewinnen, verlieren sie alle paar Minuten wieder dadurch, dass sie irgendwelche völlig unspektakulären Pflanzen fotografieren. Ansonsten ist allerdings erfreulich wenig los und unsere drei unfreiwilligen Wegbegleiter verlieren wir dann doch irgendwann. So können wir den schönen Waldweg in Ruhe genießen.


Zwischendurch sorgen diverse Matschstellen und eine kleine Hängebrücke für ein wenig Abwechslung.


Am Ende der Wanderung kommt dann auch der See wieder in Sicht.



Wir haben an dieser Stelle die Möglichkeit, die Wanderung noch um ein paar Kilometer zu verlängern oder uns für das Boot anzustellen, das uns zum Ausgangspunkt zurückbringen soll. Sophia darf heute entscheiden und natürlich möchte sie Boot fahren. Wir stellen uns also am Bootssteg an und während das Boot gerade anlegt (gutes Timing!), kramen wir unsere Reservierung heraus und stellen fest, dass man sich an dem Häuschen am anderen Ufer nach Vorlage seiner Reservierung Tickets hätte ausstellen lassen sollen. Upsi. Mit der ersten Tour passen ohnehin nicht alle Wartenden ins Boot und Christoph bringt noch schnell in Erfahrung, dass sie uns auch nur aufgrund unseres eilig aus dem Reisehefter gerissenen Zettels mitnehmen. Warten müssen wir trotzdem auf die Rückkehr des Bootes in etwa 30 Minuten und nutzen die Zeit zur Vertilgung unseres Proviants. Eine halbe Stunde später dürfen wir dann doch aufs Boot und werden zurück zum anderen Ufer gefahren, was wir langweilig finden, Sophia aber Spaß macht.

Wieder am Wohnmobil angekommen machen wir uns direkt auf den Weg zum nächsten Campingplatz für die kommenden beiden Nächte im westlichen Teil des Glacier National Park. Christoph sucht uns fürs Abendessen ein kleines Lokal raus, das Pizza im Angebot hat, da Sophia sich diese gewünscht hat. Was Sophia nicht wusste und wir erfolgreich verdrängt haben: Die Amerikaner haben keine Ahnung, wie man leckere Pizza macht. Hier lautet die Devise beim Belegen schlicht: Je mehr, desto besser. So ertrinkt die Pizza Margherita quasi in Tomatensoße, den Teig darunter muss man erstmal suchen. Passend dazu gibt es Plastikbesteck, Plastikbecher und (immerhin) Pappteller. Wir gehen ja zu Hause nun auch nicht unbedingt in feine Restaurants, aber in solchen "Lokalen" zu essen, widerstrebt mir hier immer wieder. Es scheint aber auch gar nichts anderes zu geben... Auf dem Weg zur Toilette entdeckt Sophia noch den angeschlossenen Souvenirladen und da wir gerade Zeit haben, erstehen wir für absolut unverschämte Preise noch eine Handvoll Mitbringsel.

Am Campingplatz angekommen, verbringen wir noch eine sehr entspannte Stunde am Lake McDonald, bevor wir den Abend mit einem riesigen Eis und einer lang herbeigesehnten Dusche ausklingen lassen.


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