Nach etwa zwei Stunden Fahrt - kurz vor Lake Louise - hört der Regen langsam auf. Ab Banff zeigen sich sogar einige Fetzchen blauer Himmel. Unser Plan, hier einzukaufen und etwas zu Mittag zu essen, scheitert leider an der Parkplatzsituation. Die Stadt ist ein verkehrstechnischer Alptraum; brauchbare Haltemöglichkeiten sind rar gesät und hart umkämpft. Nach etwa 30 Minuten stellen wir unsere erfolglosen Bemühungen daher ein und lenken den Camper wieder Richtung Highway. Die Stadtgrenze passierend können wir ein Kopfschütteln nicht unterdrücken: Am "BANFF"-Ortseingangsschild hat sich tatsächlich eine Schlange von etwa dreißig Personen gebildet, die dafür anstehen, sich mit selbigem verewigen zu dürfen. Hiervon natürlich mindestens achtzehn Inder.
Nächster Stopp: Canmore. Hier muss es doch einfacher sein, ein Lebensmittelgeschäft und eine Fressbude zu erreichen. Das stimmt zwar, ein Kinderspiel ist es aber noch lange nicht. Den Stadtplanern von Canmore ist offenbar entgangen, dass es durchaus Fahrzeuge gibt, die länger als ein normaler Pkw sind, sodass wir auch hier dreißig Minuten mit der Parkplatzsuche verbringen. Irgendwann ist es aber glücklicherweise vollbracht und wir dürfen unsere rar gewordenen Vorräte in einem gut sortierten Safeway auffüllen.
Da wir nicht noch einmal eine halbe Ewigkeit mit der Parkplatzsuche verbringen wollen, kehren wir anschließend mangels geeigneter Alternativen in die benachbarte Fastfood-Bude "Dairy Queen" ein, wo "Dr. Whisper" unsere Bestellung aufnimmt. Auch nach dem zehnten grenzdebilen "Hääähhhh?" meinerseits nuschelt er die immer gleichen unverständlichen Fragen im Flüsterton vor sich her, bis ich irgendwann wohl alle Antworten richtig geraten habe. Überraschenderweise kam nämlich am Ende tatsächlich unser gewünschtes Menü heraus.
Damit wir uns heute überhaupt etwas bewegen, geht es am späten Nachmittag dann noch zu den Grassi Lakes. Der Himmel ist mittlerweile etwas aufgerissen; der freitägliche Menschenansturm hat soweit nachgelassen, dass wir sogar den normalen Parkplatz nutzen können und nicht auf das Overflow-Parking ausweichen müssen. Der Weg zu unserem Ziel ist ziemlich unspektakulär. Die Seen hingegen haben eine wunderschöne Farbe. Nicht so toll jedoch: Die aufdringliche Infrastruktur aus Rohr- und Stromleitungen, die unverständlicherweise gerade hier an den Berg genagelt werden musste. Warum nur?
Der Rückweg auf dem Junkyard Trail ist dann ungleich interessanter, da man zeitweise einem Bachbett folgt und hierbei immer wieder aufpassen muss, sich keine nassen Füße zu holen. Einen Wasserfallblick gibt es gratis dazu.
Anschließend düsen wir zu unserer erst heute Mittag gebuchten Campsite im Tunnel Mountain Village, der letzten verfügbaren staatlichen Campsite in ganz Banff und Umgebung. Romantisch ist es hier nicht gerade. Wir sind aber sehr froh, an einem Freitag in der Hochsaison überhaupt noch ein freies Plätzchen in einer Stadt gefunden zu haben, in der schon das Ortseingangsschild geeignet ist, einen touristischen Verkehrsstau auszulösen.
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