Die meisten Menschen haben wohl irgendeine spontane Assoziation, wenn sie "Island" hören: Seien es Wasserfälle, heiße Quellen, Kälte oder Skyr. Bei Sophia gibt es ganz klar eine Sache, die ihr zu diesem Land sofort einfällt: Islandpferde! Und diese zu sehen, wie sie hier auf riesigen Koppeln ein offenkundig glückliches Leben führen, ist die eine Seite. Aber womit könnten wir unserer kleinen Reiterin wohl eine größere Freude machen als mit einer Reitstunde? Ausflüge zu Pferde werden hier an jeder Ecke angeboten und ein solcher war tatsächlich auch zu einem späteren Zeitpunkt im Urlaub ohnehin vorgesehen. Da es sich mit einem deutschsprachigen Reiterhof in der Nähe aber nun einmal anbot, haben wir bereits vor mehreren Tagen einen Ausflug für den heutigen Morgen vereinbart, den wir vor dem pferdebegeisterten Kind bislang geheimhalten konnten.
So kommt es, dass wir heute früh im Bett darüber diskutieren, ob wir denn wirklich schon wieder eine kleine Wanderung machen müssen. Sophia ist gar nicht begeistert, als ich ihr ankündige, dass wir etwa zwei Stunden an einem See unterwegs sein werden. Ich verspreche ihr aber, dass sie nur am Anfang hoch- und am Ende wieder runterklettern muss und ansonsten nichts zu tun hat. Dann geht das Raten los. Nachdem der von ihr ins Rennen gebrachte Hubschrauberflug von uns verneint wird, kommt sie doch schnell darauf: Das kann nur ein Ausritt sein! So schnell hat man das Kind in diesem Urlaub noch nie sich fertig machen und frühstücken sehen...
Pünktlich um 09:30 Uhr sind wir auf dem Reiterhof, bekommen unsere Pferde zugewiesen, deren isländische Namen wir sofort wieder vergessen, und dürfen zum Kennenlernen erstmal eine Runde putzen. Danach wird aufgesattelt und nach kurzer Einweisung geht es gemütlich über Feldwege zum nahegelegenen See. Der anfängliche Nieselregen verzieht sich sehr schnell und es ist weder windig noch kalt. Sophia genießt die Tour auf den ausnehmend braven Tieren sichtlich und ich glaube, dass selbst Christoph es gar nicht so schlecht findet.
Für eine kurze Pause geht es anschließend zurück in unser Ferienhaus und kurz darauf zum Spielplatz. Der ist gleich bei uns um die Ecke und wir haben jeden Tag im Vorbeifahren gescherzt, dass wir Sophia bei dem hier üblicherweise herrschenden Regenwetter dort mal absetzen. Heute ist ja eigentlich Ausruhen angesagt und es ist trocken und kaum windig - das müssen wir doch nutzen. Das riesige Hüpfkissen macht auf jeden Fall allen Beteiligten Spaß.
Wir sind jedoch keine zehn Minuten vor Ort und erkunden gerade die übrigen Spielgeräte, da stürzt das Kind laut schreiend ins Gras. Was ist passiert? Beim Sprung von einer (sehr niedrigen) Umrandung ist Sophia im Gras mit dem Fuß umgeknickt. Die Stimmung ist schlagartig dahin und wir kehren zur Unterkunft zurück, um den Fuß hochzulegen und uns von dem Schreck zu erholen.
Stunden später sieht man uns - nach intensiver Pause mit Büchern, Laptop und kurzzeitig geschlossenen Augen - zum Auto schleichen, eine von uns humpelnd. Wir brauchen unbedingt nochmal frische Luft, also begeben wir uns auf den Weg zum Markarfljótsgljúfur-Canyon. Nach einem kurzen Einkauf und einer nervigen Dirtroadfahrt kommen wir ca. eineinhalb Stunden später am Canyon an. Auf dem Weg hierhin war wettertechnisch von Sonne bis Regen mal wieder alles vertreten. Vor Ort erwartet uns leider Nebel - oder sind es tief hängende Wolken? Egal, wir machen trotzdem einen Spaziergang zum Canyonrand, auch um zu sehen, wie Sophia Humpelfuß so vorwärts kommt, was mittelmäßig gut funktioniert. Der Blick in den Canyon macht was her, auch wenn es bei Sonnenschein mit Sicherheit noch besser aussieht.
Viel mehr passiert dann auch nicht, außer einem rumpeligen Rückweg und einem (immerhin spannenden) WM-Halbfinale mit isländischem Kommentator. Die Freude darüber, dass zusätzlich zu den kaum vorhersehbaren Wetterkapriolen nun auch noch verletzungsbedingte Einschränkungen die weitere Urlaubsplanung erschweren, hält sich natürlich in Grenzen. Ich fürchte, Christoph lässt uns im Urlaub nie wieder einen Spielplatz betreten...
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