Da der Weg dorthin trotz der etwas aufwendigeren Anfahrt nicht tagesfüllend ist, nutze ich den frühen Vormittag dafür, zusammen mit Sophia eine Choreografie für ihren neuen Lieblingsquatschsong "Weil er so gut klebt, weil er so gut klebt - das ist der Klebekääääse." zu ersinnen und einzustudieren. Am Ende entsteht irgendetwas zwischen "Aramsamsam" und "4.-Klasse-Cheerdancing zum Fremdschämen". Sophia ist hellauf begeistert.
Gegen 10:30 Uhr geht es dann die F208 nach Norden, was trotz Hochlandstraßenstatus auch wunderbar funktioniert. Nach etwa fünfzig Minuten erreichen wir das einzige relevante Hindernis - eine mittelhohe Furt. Auch ein anderer Dacia steht schon am Straßenrand und wartet auf einen Vorturner. Behände hüpfen wir aus der Fahrerkabine und untersuchen fachkundig die Wassertiefe. Nach eingehender Inspektion resümieren wir: Machbar. Kaum gehen wir zurück zum Auto, düst ein Ranger mit erhobenem Daumen aus der Gegenrichtung durch die Furt. Ob er nun etwaige Bedenken zur Durchführbarkeit zerstreuen oder uns nur ein Lob für die gründliche Diagnose aussprechen will, bleibt zwar ungeklärt; gleichwohl fühlen wir uns bestätigt. Langsam und gleichmäßig zuckeln wir uns durch den Fluss und kommen wohlbehalten am anderen Ufer wieder an.
Nur wenige Kilometer dahinter halten wir am Parkplatz zum Ófærufoss und starten die nur knapp fünf Kilometer lange Wanderung zum Wasserfall. Aber nicht allein. Direkt neben uns - nein eigentlich eher mitten in uns - startet Familie "Superklett", die parasitärste Gruppierung, die uns jemals auf einer Wanderung behelligt hat. Schon zu Beginn wartet der vierköpfige und achtbeinige Hiking-Alptraum nur darauf, dass wir sie passieren, um sich genau in dem Moment zwischen uns zu drängeln. Kaum bleiben wir stehen, um ihnen Vorsprung zu lassen, tun sie nach zehn Sekunden selbiges, warten und starten dann wieder, wenn wir sie erreicht haben. Und das mehrfach! Gehen wir stattdessen zügig voran, um sie hinter uns zu lassen, beginnt die Familie plötzlich mit unerklärlichen animalischen Lauten (!) zu rennen und kommt erst kurz vor einem Tritt in unsere Fersen wieder zum Stehen! Was zur Hölle ist nur falsch mit diesen Leuten? Kurz vor dem Ziel können wir sie dankenswerterweise an einer anderen Gruppe "abstreifen", die sie fortan belästigen. Bei Rückkehr zum Parkplatz haben sie sich aber irgendwie wieder an uns rangewanzt.
Achja, der Wasserfall. Der hat trotz bedecktem Himmel ziemlich gut ausgesehen.
Tja, was jetzt? Noch ist es erst 13:30 Uhr. Also schlage ich vor, der F208 weiter zu folgen und dann auf die F235 abzubiegen. An deren Ende soll ein ziemlich schicker und riesiger See kommen. Ob die Straßen für unseren Dacia machbar sind, ließ sich im Internet nicht wirklich ergründen, aber etwas Besseres fällt mir für heute auch nicht ein.
Nach etwa fünf Minuten erreichen wir eine Furt, die sich als etwa so tief wie die vor dem Trailhead herausstellt. Wir inspizieren, reflektieren und passieren. Nach einer weiteren Minute das selbe Spiel. Und wieder. Und dann wieder. Und schon wieder. Lisa wirkt zunehmend genervter von dem Rein- und Rausgehopse. Ich bemühe mich um Aufmunterung und Schadensbegrenzung. Nach einer zweistelligen Zahl von Flussquerungen geht es dann endlich in höheres Gelände; der Fluss rückt in die Ferne. Bei schönem Wetter muss es hier toll aussehen, denke ich leicht wehmütig. Menschenleere schwarze Einöde, gesäumt von grünen Hügeln. Leider aber haben wir kein gutes Wetter, sondern rasch zunehmenden Nebel, der erst die Hügelspitzen und bald schon alles verschluckt. Vom gewaltigen See, den wir nach einer Stunde erreichen, sieht man dann eigentlich gar nichts.
Tja, das hat sich jetzt nicht so richtig gelohnt. Andererseits sind wir nun professionelle Furtfahrer geworden und das gehört in Island ja auch irgendwie dazu.
Wir düsen zurück und erreichen gegen 17:00 Uhr wieder die asphaltierte Hauptstraße. Jetzt wird noch fix eingekauft und dann verbarrikadieren wir uns in unserer Bude. Morgen soll ein dickes Regen- und Sturmband durch das Land ziehen. Deswegen wird es besichtigungstechnisch wahrscheinlich erst übermorgen weitergehen...
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