Dienstag, 28. Juli 2026

Tag 18 - Island hasst uns

Als wir in den ersten vierzehn Tagen unseres Urlaubes im Südwesten der Insel fast permanent schlechtes Wetter hatten (zumindest an unseren jeweiligen Unterkünften, was wir nur durch jede Menge Fahrerei für sonnigere Ziele umgehen konnten), erzählte uns Christoph, dass es im Osten wettertechnisch besser aussehe: Offenbar täglich Sonnenschein und über 20 Grad. Seitdem wir nun im Osten angekommen sind, hören wir ihn abermals lamentieren: Plötzlich ist jetzt hier tagelang Regen bei beachtlichem Kälteeinbruch vorhergesagt, während im Südwesten der Insel die Sonne lachen soll. Aber was nützt all' das Jammern? Nichts. Letzten Endes findet unser lieber Reiseleiter doch immer noch eine Lösung, auch wenn es ihm zunehmend schwerer fällt.

So kommt es, dass er uns heute am Frühstückstisch die folgenden Auswahlmöglichkeiten gibt: Eine längere Wanderung, bei der es zumindest nicht regnen soll. Oder zwei mittlere Wanderungen mit vielen Menschen und mäßig spektakulären Zielen. Am Ende trifft er die Entscheidung doch selbst: Die längere Wanderung zum Stórurð soll es sein, denn lieber gehen wir sie bei bedecktem Himmel als gar nicht. Laut Wettervorhersage haben wir die Chance dazu nur noch heute.

Also werden die Rucksäcke gepackt und die Wanderschuhe geschnürt und wir springen ins Auto. Unterwegs machen wir eine ganz tolle Entdeckung: Ein Stück vor uns auf der Straße huschen vier kleine Polarfüchse umher! Nicht größer als ein Kätzchen und von hellgrau bis schwarz sind sie leider zu schnell im hohen Gras links und rechts der Straße verschwunden, als dass wir hätten Fotos machen können. Aber süß waren sie!

Der Himmel auf der Anfahrt weckt nicht gerade Lust auf lange Ausflüge: Dicke, graue Wolken und Nebelschleier. Wir machen einen Zwischenstopp auf einem Parkplatz kurz vor dem Ziel, weil ich nochmal schnell das dortige Klo besuchen möchte (das erste Plumpsklo übrigens in diesem Urlaub). Christoph und ich steigen beide aus und denken das Gleiche: Wenn das Wetter am Startpunkt der Wanderung nicht besser ist als hier, dann wird das wohl nichts. Es sind fünf Grad und es fegt ein eisiger, stürmischer Wind über die Hügelkuppe. Bangend fahren wir die paar hundert Meter weiter zum Zielparkplatz - immerhin liegt der auf der anderen Seite der Hügelkette, vielleicht ist es dort ja besser? Vom Auto aus sieht es erstmal nicht besser aus. Christoph steigt aus und meint, es würde schon gehen. Das Auto zeigt nun immerhin sieben Grad an, aber windig ist es auch hier und es nieselt leicht. Sophia hat natürlich gar keine Lust und auch ich muss zugeben, dass die Aussicht, mit fünf Schichten Klamotten den Berg hinaufzustapfen und am Ende wahrscheinlich einen vernebelten Ausblick zu haben, mich nicht gerade umhaut. Christoph hingegen vertraut dem Wetterbericht, wonach es bei unserer Ankunft am Ziel für ein bis zwei Stunden leicht sonnig sein soll, und votiert für die Wanderung. Am Ende hängt es also an mir und ich entscheide mich schweren Herzens dagegen.

Weiter geht es stattdessen zu den in der Nähe befindlichen Papageientauchern, deren Besichtigung ohnehin im Anschluss geplant war.

Anschließend machen wir uns auf den Rückweg. Zwei von uns sind erleichtert, dass wir bei dem Wetter nicht wandern müssen, einer ist enttäuscht über unsere Entscheidung und alle sind wir irgendwie genervt von den ständigen Wetterkapriolen, die die Planung hier so schwer machen. Christoph zeigt mir zum Beweis nochmal die Wetteraufzeichnungen der vergangenen vierzehn Tage: In Egilsstaðir, der Stadt unserer aktuellen Unterkunft, waren jeden einzelnen Tag zwischen 21 und 25 Grad und strahlender Sonnenschein. Am Tag vor unserer Anreise waren immerhin noch 18 Grad und leichte Bewölkung. Für die fünf Tage unseres Aufenthaltes sind 8 bis 10 Grad und ständiger Regen vorhergesagt. Es ist zum Verrücktwerden! Die restliche Fahrt vergeht mit Erinnerungen an vergangene USA-Urlaube...

Einige Zeit später finden wir uns am Parkplatz vom Hengifoss wieder. Wir haben uns unterwegs entschieden, den regenfreien Tag dann doch wenigstens für die zwei weniger schönen Ausflugsziele zu nutzen, bevor wir die kommenden zwei Tage wohl bei Dauerregen in unserer Unterkunft verbringen werden. Zwar sind wir wieder halbwegs guter Dinge, nachdem wir uns zwischenzeitlich (vielleicht aus Verzweiflung) über das "böse" Island und seine Hindernisse kaputt gelacht haben, aber Aussteigen will irgendwie trotzdem keiner. Dabei sind die Temperaturen hier immerhin gerade so zweistellig und es regnet nicht. Nachdem wir eine Weile die anderen Besucher beobachtet haben, trauen wir uns irgendwann doch aus dem Auto und starten den Aufstieg zum Hengifoss. Man, ist das mal wieder windig hier! Der Weg führt über Schotter (nicht schon wieder!) die ganze Zeit steil bergauf, das Ziel ist von Anfang an in Sicht und es sind natürlich auch noch einige andere Menschen unterwegs. Gar nicht nach unserem Geschmack.


Die Windböen werden nach oben hin immer stärker und sind immer wieder so heftig, dass uns die Luft wegbleibt und wir zudem kaum noch vorwärts kommen. Was für eine beschissene "Wanderung"! Sophia ist zwischenzeitlich den Tränen nahe und will partout nicht weitergehen. Die Sonne kommt entgegen aller Vorhersagen auch nicht einmal kurzzeitig heraus. Island hasst uns, eine andere Begründung haben wir dafür nicht. Trotzdem kämpfen wir uns irgendwie nach oben und das Ziel ist ... naja, nicht gerade der Oberknaller: Man kommt nicht allzu nahe an den Wasserfall heran, sondern steht stattdessen mit lauter fremden Menschen an einer unschönen Absperrung. Da war ja der Blick ein paar hundert Meter weiter vorne noch wesentlich einladender.


Bloß weg hier! Der Weg nach unten ist nicht besser: Sturm, Schotter, Wolken, keine tolle Aussicht. Es ist so windig, dass Christoph noch nicht mal seine Wanderstöcke benutzen kann, was nach dem steilen Abstieg mit schmerzenden Füßen endet. Sind wir froh, als wir endlich wieder im Auto sitzen! Wir futtern erstmal was und beobachten erneut die anderen Leute. Neben uns parkt ein Kerl, der kurz nach uns von der Wanderung zurückkehrt und sich ein interessantes Sandwich macht: Zwischen zwei Scheiben Toastbrot packt er einen großen Batzen Wurstscheiben, bestreicht sie mit Mayo oder einer ähnlichen Sauce und garniert das Ganze dann mit zwei Tortillachips. Anhand seiner Essgewohnheiten würde ich auf einen Amerikaner tippen.

Uns reicht es erstmal und wir fahren in unsere Unterkunft, wo wir essen und uns ausruhen. Nebenbei fangen wir schon mal eine Liste an, welche Ziele wir in den USA (noch)mal bereisen wollen und grübeln, was sich davon in den Sommerferien umsetzen ließe...

Christoph hat indes den Glauben an den Wahrheitsgehalt der Wettervorhersagen noch nicht gänzlich verloren und so fahren wir am Abend noch zum Stuðlagil Canyon, weil sich die Sonne dort nochmal zeigen soll. Und immerhin das: Es wird ein versöhnlicher Tagesabschluss. Zwar läuft man die zweieinhalb Kilometer bis zum Ziel wieder über Schotter, aber immerhin geht es nicht steil bergauf, es sind nur noch wenige Menschen unterwegs und die Sonne zeigt sich tatsächlich.

Das Wasser im Canyon ist wie versprochen türkisblau und wir können den Anblick relativ in Ruhe genießen. Geht doch!


Besänftigt kehren wir zum Auto und anschließend in unsere Unterkunft zurück. Morgen dann also Regentag Nummer 1 von mal sehen wie vielen und nichts vor - schauen wir mal, wie wir den Tag rumkriegen.

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