Erster Halt: Jökulsárlón. Die Gletscherlagune sah gestern im Vorbeifahren bei Mistwetter schon vielversprechend aus; deswegen zieht es uns heute bei gutem Wetter noch einmal zurück. Und das zum Glück! Bei unserer Ankunft treibt gerade ein riesiger strahlend blauer Eisberg im Wasser.
Auch das von den Wellen an den Strand gespülte Eis schimmert schön in der Vormittagssonne.
Anschließend geht es zum gleich daneben befindlichen Fjallsárlón. Hier treibt noch mehr Eis, aber in einem nicht ganz so pittoresken Arrangement.
Und weil wir schon einmal hier sind, fahren wir gleich noch fünf Kilometer weiter zurück und holen den witterungsbedingt zunächst ausgelassenen Múlagljúfur Canyon nach. Leider Gottes wird dessen Trail gerade renoviert. Anstelle des früher naturnahen, schmalen und spektakulären Pfads an der Schluchtkante entlang führt nun ein drei Meter breiter Weg ohne Canyonblick über nichtssagende Hügel. Zu allem Überfluss ist dieser auch noch geschottert, was nicht nur hässlich aussieht, sondern sich auch schrecklich läuft.
Wenig überraschendes Ergebnis: Die Hälfte der Touristen latscht trotz Absperrung lieber querfeldein die Flora tot statt sich diesen Trail anzutun. Hervorragende Arbeit also - der geniale Verantwortliche hat sich damit unmittelbar für ein Ministeramt in der Bundesregierung qualifiziert und wird wohl den soeben vakant gewordenen Posten von Patrick Schnieder übernehmen. Nichtsdestotrotz: Der Ausblick vom Aussichtspunkt ist unverändert toll.
Als nächstes wollen wir zum Stokksnes Black Sand Beach, finden uns aber überraschenderweise an einer Absperrung wieder und ein davor positionierter Herr in gelber Weste sucht um unsere Bestätigung, dass wir zur Filmcrew gehören. Na klar doch, echte Celebrities reisen natürlich im Dacia Duster mit 8-Jähriger auf dem Rücksitz und den Kofferraum bis oben voll mit Unrat zu ihren Drehorten?! Entsprechend verneinen wir irritiert und lassen uns stattdessen den Weg zum Strand weisen. Hier gibt es allerdings auch eine Schranke; eingelassen wird man nur mit Zugangscode aus dem nahegelegenen Viking Café. Also nun noch dort hinein, zwei Waffeln und zwei Zutrittsgenehmigungen für die Erwachsenen erworben und schon pfeifen wir 40,00 Euro leichter durch die Schranke.
Dahinter parken zwar nicht gerade wenige Fahrzeuge. Die meisten Besucher schauen sich aber glücklicherweise irgendeine hässliche Ruine aus einem Witcher-Filmset an, statt sich an den schönen Strand unmittelbar am Meer zu begeben. Gut für uns - dann steht wenigstens niemand im Bild. Noch besser aber: Kaum steigen wir aus, lässt der Wind nach und die Sonne prasselt vom Himmel. Es ist angenehm warm und der Sand weich wie Puderzucker. Spontan lassen wir die Schuhe am Auto und tollen durch die Dünen und am Meer entlang. Man kann sogar ohne Erfrierungen mit den Füßen im Wasser stehen!
Lisa darf die Zeit am Strand voll auskosten. Ich dagegen bin schon bald wider Willen Teilnehmer des infantilen Strand-Zehnkampfs, den ich nach einem fulminanten Sieg im Sandmalen und einem offenen Ergebnis im Sandsprung...
...durch eine verheerende Niederlage im Sandverstecken doch noch verliere.
Im Anschluss an einen nicht weiter berichtenswerten Spaziergang zu einem kleinen, aber übermäßig frequentierten Wasserfall steht dann eine längere Autofahrt nach Egilsstaðir an, die jedoch aufgrund der tollen Fjordlandschaft recht schnell vergeht. Dort angekommen stopfen wir ein nur mäßig bekömmliches Mahl in einem American Diner in uns hinein und fahren dann zu unserer mittlerweile fünften Unterkunft. Hier erfüllt sich Lisa noch einen Herzenswunsch: Endlich Wäsche waschen!
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