Mittwoch, 29. Juli 2026

Tag 20 - Wiedergutmachung

Heute dürfen wir ausschlafen - juhu! Natürlich ist Christoph trotzdem schon früh wach und versucht ganz unauffällig, mich durch ständiges Hin- und Herwälzen und späteres Durch-die-Wohnung-schleichen zu wecken. Wer nicht weiß, wie "gut" Christoph schleichen kann, der stelle sich eine panisch flüchtende Elefantenherde vor. Gut, vielleicht ist das ein bisschen übertrieben, aber so oder so ist er nach einer Weile erfolgreich und wir finden uns alle beim Frühstück ein. Ein Regentag war vorhergesagt und wir haben uns darauf eingestellt, im Zweifel den gesamten Tag im Haus zu verbringen. Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass das nur die Notlösung ist, falls gar nichts anderes geht. Entgegen der Vorhersagen der vergangenen Tage gibt es aber dann doch Alternativen. Zwar nur bei bedecktem Himmel, aber immerhin. Es braucht nicht viel Überredungskunst, um uns ins Auto zu lotsen - selbst Sophia ist bei der Aussicht auf einen wenig anstrengenden Halbtagesausflug motiviert.

Also geht es wieder mal eine gute Stunde auf die Straße in Richtung Wasserfallwanderung. Es dauert nicht lange, da kommen kurz Zweifel auf, ob wir unser Ziel erreichen werden. Vor uns auf der Straße steht ein langer Reisebus quer und sitzt vor den Hinterrädern auf.

Wie er das wohl geschafft hat? Ein missglücktes Wendemanöver? Wir haben jedenfalls Glück und können ihn dank einer Einfahrt knapp umrunden. Zum wiederholten Male sind wir froh, dass wir nicht mit einer kommerziellen Tour unterwegs sind, nachdem wir vor einigen Tagen auf einer Dirtroad bereits einen großen Jeep eines Touranbieters im Straßengraben liegen gesehen haben.

Für uns geht es weiter in Richtung Wanderung, zunehmend verblüfft über das helle Blau, das wir zwischen harmlosen weißen Wolken in alle Richtungen am Himmel erspähen. Eigentlich sollte es bedeckt sein und am Nachmittag regnen. Gut gelaunt starten wir daher nach kurzen Wegfindungsschwierigkeiten unsere Wanderung entlang des Laugarfell Waterfall Circle. Zunächst geht es über grüne Wiesen, die an besonders schlammigen Stellen mit langen Holzstegen überbaut sind.



Nach kurzer Zeit kommen wir an einer Schlucht an und bestaunen den ersten Wasserfall, den Kirkjufoss.


Heute früh dachten wir noch, wir würden Probleme haben, den Tag in unserem Apartment rumzukriegen, und nun sitzen wir hier allein bei bestem Wetter an einem wunderschönen Wasserfall. Island hatte wohl noch etwas wiedergutzumachen...

Weiter geht die Wanderung an der Schlucht entlang, mit wiederkehrenden Ausblicken auf den blauschimmernden Fluss.


Natürlich nennt sich der Trail nicht umsonst Waterfall Circle. Immer wieder erblicken wir Wasserfälle, die sich von den Klippen in die Schlucht hinabstürzen. Wobei, eigentlich rieseln sie aufgrund des augenscheinlich niedrigen Wasserstands eher nach unten, sehen aber dennoch schick aus. Am Ende kommen wir nochmal an ein besonders schönes Fleckchen, an dem wir eine Pause einlegen.

Als Panorama:

Wobei diese Sache mit den wohlverdienten Pausen am Zielort der Wanderung das größte Problem für uns in Island ist: Meist ist es einfach zu kalt, um sich wirklich auszuruhen und in Ruhe den Ausblick zu genießen. Selbst heute bei Sonnenschein und wenig Wind reicht die Zeit gerade mal, um schnell unsere geschmierten Brote zu verzehren, bevor wir uns erneut auf den Weg machen, um nicht zu frieren. Noch ein schneller Blick auf den Stuðlafoss Waterfall ...


... und schon geht es zurück zum Parkplatz, wo wir uns nach knapp drei Stunden und acht Kilometern glücklich auf die Sitze unseres Autos fallen lassen. Wer hätte gedacht, dass uns der heutige Tag einen so sonnigen Ausflug beschert? Dass die Bewölkung mittlerweile deutlich zugenommen hat, kann uns nun egal sein.

Wir belassen es für heute bei diesem überraschend schönen Erlebnis und kehren in unsere Unterkunft zurück. Immerhin hatten wir Sophia eigentlich einen Gammeltag angekündigt, der nun wenigstens am Nachmittag noch als solcher genutzt werden darf. Nach einiger Zeit gemütlichen Nichtstuns fahren wir noch einkaufen, tanken und gönnen uns zum Tagesabschluss eine köstliche Pizza gefolgt von weiterem Faulenzen.

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