Man kann dort noch nicht kacken.
Ja, genau. Die einzige Ostzufahrt des beliebtesten Nationalparks Kaliforniens und zugleich eine der wichtigsten Passstraßen der Sierra Nevada ist seit Wochen gesperrt, weil noch nicht alle (!) Plumpsklos von Schnee und Eis befreit werden konnten. Und weil erwartbar selbst solche Besucher, die (wie wir) eine eigene Toilette im Fahrzeug haben, ohne eine engmaschige und lückenlose Plumpsklokette auf der knapp 50 Meilen langen Strecke mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit alle zehn Meter wie wilde Tiere auf die Straße fäkalieren würden, muss die Zufahrt halt geschlossen bleiben. Völlig klar.
Genauso verständlich: Die Leistungskurve der Scheißhaus-Befreier-Brigade. Vor knapp drei Wochen waren noch fast alle, vor gut zwei Wochen noch die meisten und vor drei Tagen noch einige Plumpsklos vereist. Und das bei Tageshöchsttemperaturen von seit Wochen durchgängig 20 bis 30 Grad Celsius! Eigentlich müsste sich diese Aufgabe unter derartigen Bedingungen doch fast von selbst erledigen! Aber offenbar erfolgt die Kloschmelze nicht etwa unter Einsatz moderner Technik, sondern durch übermäßigen Hula-Pie-Verzehr und anschließende Benutzung der jeweiligen Einrichtung... Anders kann ich mir das aberwitzige Schneckentempo der Poop-Unit nicht erklären.
Sei es, wie es sei. Jedenfalls startet unser Tag nach obligatorischem Frühstück mit einem Kurzbesuch des Convict Lake, der aufgrund der aufgekommenen Bewölkung leider nicht mehr ganz so schick daherkommt wie gestern noch.
Anschließend genießen wir alle die erste Dusche seit Camper-Übernahme und dann geht es eine halbe Stunde weiter zum Mono Lake. Neben abartig vielen Fliegen finden sich hier sogenannte Tufas, die pittoresk aus der Seeoberfläche ragen. Diese sehen schon ziemlich cool aus, aber auch hier wäre bei Sonnenschein wesentlich mehr drin gewesen.
Dann ist es 13:00 Uhr. Und wer hat wenig überraschend noch kein neues Update veröffentlicht? Natürlich das A-a-Team vom Tioga Pass! Wahrscheinlich sind dessen Mitglieder gerade dabei, Altpapier in Schnipsel zu zerreißen, um daraus im Wasserbad neue Recycling-Klopapierrollen zu fertigen. Oder sie testen nochmal, ob die Wurst auch in jedem Plumpsklo sicher nach unten und nicht doch mal nach oben fällt. Man weiß es nicht.
Die Zeit zum Warten ist jedenfalls abgelaufen. Wir machen uns daher auf, die Sierra Nevada 50 Meilen weiter nördlich via Sonora Pass zu überqueren. Warum dieser bei ähnlicher Höhe schon seit Wochen für den Verkehr freigegeben ist? Es gibt dort auf 80 Meilen nur ein einziges Plumpsklo. Und trotz dieser eklatanten Unterversorgung ist die Straße irritierenderweise auch ohne vorgespannten Pflug passierbar. Wahrscheinlich setzen die Betreiber auf Immodium Akut lingual.
Im Zuckeltempo schrauben wir uns in der Folge drei Stunden lang Meile um Meile schicke Gebirgsketten und -täler hoch und runter, während Sophia hinten im Wohnbereich begeistert schaut, wie schön es Little Foot doch im Großen Tal mit den tollen Bergen rundherum hat. Der Bildschirm ist halt auch etwas näher als das Fenster...
Nach einer nahrhaften Stärkung bei Applebee's geht es schließlich noch einmal fast zwei Stunden lang durch alle denkbaren ländlichen Gefilde, bevor wir dann doch irgendwann kurz vor 19:30 Uhr erleichtert den Westeingang des Yosemite National Park und unseren heute spontan reservierten Campground erreichen. Hier zeigt sich Sophia sogleich begeistert von der Größe der auf dem Boden liegenden Tannenzapfen. Hoffen wir mal, dass der Rest des Parks da mithalten kann...
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